Lässt sich eine Strompreiszone für ganz Deutschland angesichts beträchtlicher Netzengpässe zwischen Norden und Süden noch lange halten? Vor Kurzem brachte EWE-Chef Stefan Dohler einen Alternativvorschlag ins Spiel. Im ZfK-Interview bezieht nun auch Peter Reitz, Vorstandsvorsitzender der EEX, Europas führender Energiebörse, Stellung.
Herr Reitz, eine Reihe norddeutscher Bundesländer hat sich dafür ausgesprochen, die bundeseinheitliche Strompreiszone in Deutschland aufzuteilen. Sie sehen das kritisch. Warum?
Eine einheitliche Strompreiszone ist schon sehr wichtig, auch weil es darum geht, Liquidität zu bündeln. Wir sprechen hier immerhin von der mit Abstand meistgehandelten Strompreiszone in Europa, die auch als Referenz für viele andere Märkte verwendet wird. Wenn man diese aufteilt, ist das gefährlich. Was dann passieren kann, haben wir am Beispiel Österreichs gesehen.
Was meinen Sie?
Als Österreich und Deutschland noch eine gemeinsame Strompreiszone hatten, profitierte auch die Alpenrepublik von der hohen Liquidität. Seit der Trennung im Oktober 2018 ist die Liquidität im österreichischen Markt sehr viel geringer. Das klingt immer so theoretisch, hat aber greifbare negative Folgen für die Wirtschaft eines Landes.
Nämlich?
Je illiquider Märkte sind, desto mehr gehen die Spreads zwischen Nachfrage und Angebote auseinander. Oder die Beschaffung erfolgt wie im Falle Österreichs grenzüberschreitend im Nachbarland Deutschland, was für Marktakteure nicht risikofrei ist. In beiden Fällen sind das zusätzliche Kosten, die beispielsweise Industrieunternehmen für die Strombeschaffung bezahlen müssen. Deswegen sollte man sogar eher darüber nachdenken, Preiszonen mittelfristig zu vergrößern, statt sie aufzuteilen.
Und was entgegnen Sie denen, die mit einer Aufteilung der Preiszone das Problem des Netzengpasses zwischen Nord- und Süddeutschland lindern wollen?
Einen Netzengpass sollte man dadurch beseitigen, indem man das Netz ausbaut und nicht dadurch, dass man an der Strompreiszone herumdoktert. Und der Netzausbau wird nach den jüngsten Zahlen der Bundesnetzagentur bis 2025 richtig Fahrt aufnehmen. Daher ist die Preiszonendiskussion überflüssig.
Dieses Interview, geführt von Andreas Baumer, erschien zuerst in leicht gekürzter Fassung in der Juli-Printausgabe der ZfK. Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.



