Baden-Württemberg will ein Wasserstoff-Förderprogramm mit mehr als 100 Millionen Euro auflegen. Landesenergieministerin Thekla Walker (Grüne) möchte dafür freiwerdende Mittel aus einem anderen Förderprojekt einsetzen.
Die Ministerin habe dem Landtag vorgeschlagen, diese Möglichkeit zu prüfen, bestätigte eine Sprecherin des Landesenergieministeriums auf Nachfrage.
Daimler und Volvo verzichten
Insgesamt geht es um eine Summe in Höhe von 108 Millionen Euro. Das Geld soll nach dem Willen der Ministerin vor allem in die lokale Wasserstoffproduktion mittels Elektrolyseuren in dem Bundesland fließen.
Ursprünglich sollte damit das Brennstoffzellen-Joint-Venture Cellcentric der Fahrzeugbauer Daimler und Volvo gefördert werden, die aber auf eine Förderung des Landes verzichten. Die Mittel seien jedoch schon im Haushalt eingestellt.
ZSW: Bedarfslücke droht
Die zentrale Motivation für diesen Schritt ist eine drohende Bedarfslücke, vor der das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) warnt.
Denn: "Die Wasserstoffbedarfe fallen deutlich höher aus und bestehen früher als in vorhergehenden Studien und Abfragen ermittelt." Ein Grund dafür ist demnach die Energiekrise infolge des Kriegs in der Ukraine.
Bedarf zehn Jahre früher
Das habe die Entwicklung "um fünf bis zehn Jahre beschleunigt", resümiert das ZSW. Zwischen den Jahren 2025 und 2040 werde nun doppelt so viel Wasserstoff benötigt als noch vor zwei Jahren angenommen.
Allein im Jahr 2032 beziffert das Forschungsinstitut den Bedarf in dem Bundesland auf 52 Terawattstunden. Besonders früh brauche die Industrie grünen Wasserstoff. Später dann, doch "dafür in größeren Mengen", die Energiewirtschaft.
Nicht das Kernnetz abwarten
Auch darum will Baden-Württemberg nicht auf das für 2032 geplante sogenannte Wasserstoff-Kernnetz der Bundesregierung warten. "Die lokale Wasserstoffproduktion mittels Elektrolyseuren muss zur Deckung des Bedarfs beitragen, bevor das bundesweite Pipelinenetz an den Start geht", heißt es aus dem Ministerium. (dz)
