Die Biogasbranche fühlt sich von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) im Stich gelassen.

Die Biogasbranche fühlt sich von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) im Stich gelassen.

Bild: © Fachverband Biogas

Sollte die geplante Erlösabschöpfung für Biogas komme, warnen die Branchenverbände vor drastischen Konsequenzen. "Wenn das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz die Erlöse der Biogasanlagenbetreiber einstreicht, bleibt ihnen nicht genug übrig, um ihre Anlagen wirtschaftlich zu betreiben", heißt es in einem Schreiben des Fachverbandes Biogas.

Demnach müssten die Betreiber der Anlagen dann eine elektrische Leistung von 2 Gigawatt (GW) herunterfahren. "Es geht mit sofortiger Wirkung eine signifikante Strommenge verloren, die der Leistung von zwei Atomkraftwerken entspricht. Hunderttausende Haushalte könnten ihre Wärmeversorgung aus dem Nahwärmenetz verlieren und würden in diesem Winter ohne Heizung und Warmwasser dastehen", heißt es in der Stellungnahme weiter.

Gefahr eines Blackouts

Am vergangenen Freitag hat die Bundesregierung den Entwurf eines Strompreisbremsengesetzes beschlossen. Dieser sieht unter anderem die Abschöpfung von Strommarkterlösen von Erneuerbare-Energien-Anlagen vor. Die Abschöpfung soll dabei bereits ab dem 1. Dezember dieses Jahres greifen. Daneben wurde der Sicherheitszuschlag für Biogasanlagen von 6 auf 7,5 ct/kWh erhöht, während sich für Biomasseanlagen sonst keine Änderungen ergeben haben.

Doch die Änderungen gehen dem Fachverband Biogas nicht weit genug: Die elektrische Leistung der Biogasanlagen ginge dennoch sofort vom Netz. "Die Stromnetze werden damit kurzfristig destabilisiert, was die Gefahr eines Blackouts in den kritischen Wintermonaten verschärft", so der Branchenverband. Demnach könnten auch 360.000 Haushalte, die bereits klimafreundliche Wärme aus dem Blockheizkraftwerk einer Biogasanlage beziehen, ab Dezember 2022 nicht mehr heizen.

Unterhalb der tatsächlichen Kostensteigerungen

"Investitionen von über 900 Millionen Euro werden in den nächsten 1,5 Jahren zurückgehalten und gehen der Wirtschaft damit unwiderruflich verloren", so der Verband weiter. 50.000 Beschäftigte in der Biogasbranche hätten Motivation und Vertrauen in die Politik verloren.

"Der Regierungsbeschluss zeigt, dass die Bundesregierung die besondere Situation der Bioenergie nicht erkennen will",erklärt auch Sandra Rostek, Leiterin des Hauptstadtbüro Bioenergie. "So wird in dem Entwurf zwar betont, die gestiegenen Kosten in Bezug auf Wartung, Reparatur, Betriebsmittelkosten und Substrate zu berücksichtigen, allerdings nur bei Biogasanlagen und weit unterhalb der tatsächlichen Kostensteigerungen. Bei allen anderen Biomasseanlagen, die zum Beispiel Altholz oder Stroh einsetzen, werden die Kostensteigerungen hingegen völlig ignoriert."

Ausnahme gefordert

So hätten sich beispielsweise die Preise für Altholz seit Juli 2021 von etwa 10 Euro pro Tonne auf nun 90 Euro im Juli 2022 nahezu verzehnfacht. Ebenfalls reiche eine Erhöhung des Sicherheitspuffers bei Biogasanlagen von 3 auf 7,5 Cent pro Kilowattstunde für eine Vielzahl der Anlagen nicht aus, um einen wirtschaftlichen Anlagenbetrieb zu ermöglichen, Investitionsanreize zu bewahren.

Außerdem gehe durch die Erlösabschöpfung der Anreiz verloren, die Stromerzeugung auf die Zeiten mit den höchsten Börsenpreisen zu verlagern und den Strompreis über das Marktgeschehen zu senken. Die Verbandsvertreterin fordert daher, die Bioenergie vollständig aus der Abschöpfung auszunehmen. (jk)

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