Kyon Energy entwickelt Batteriespeichersysteme in Deutschland. (Symbolbild)

Kyon Energy entwickelt Batteriespeichersysteme in Deutschland. (Symbolbild)

Bild: © Kyon Energy

Der Ausbau an Wind- und Solarkapazitäten macht weiteren Netzausbau und einen Hochlauf von Stromspeichern erforderlich. Das hat auch die Bundesregierung erkannt, so arbeitet derzeit das Bundeswirtschaftsministerium unter Robert Habeck an einer Speicherstrategie. Nun hat auch die CDU/CSU-Fraktion als größte Oppositionsfraktion im Bundestag einen Antrag zum Ausbau von Stromspeichern eingebracht.

Die Abgeordneten fordern darin unter anderem, das Energiemarktdesign konsequent auf die Entwicklungen der Energiewende und damit auch auf den Einsatz von Energiespeichern auszurichten, um die hohen Energiesystemkosten zu senken und Effizienz in die Energiewende zu bringen. Zudem müssten regulatorische Hindernisse beseitigt werden, die die Entwicklung und den Einsatz von Speichertechniken behinderten.

Abschaffung der Baukostenzuschüsse

Die Vorschläge fanden breite Zustimmung bei den geladenen Sachverständigen. Aus Sicht von Urban Windelen, Bundesgeschäftsführer beim Bundesverband Energiespeicher Systeme (BVES), könne die Versorgung mit Energie künftig sogar nur mit Batteriespeichern stabil, kosteneffizient und zunehmend erneuerbar organisiert werden. Dazu fehle aber ein konsistenter Rechtsrahmen für die Energiespeicherung. Der aktuelle Entwurf zur Stromspeicherstrategie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) reiche noch nicht aus.

Vor allem zwei Punkte wurden von fast allen Experten genannt. Zum einen die gesetzliche Definition der Stromspeicher. "Die sachwidrige Einordnung von Speichern als Stromverbraucher muss dauerhaft beendet werden", betonte etwa Hubertus Altmann, Diplom-Ingenieur für Energieanlagentechnik, der in der Branche unter anderem als ehemaliges Vorstandsmitglied der Leag bekannt ist. Hintergrund sind die dabei anfallenden Netzentgelte. Zum anderen müsse bei Großspeichern der Baukostenzuschuss abgeschafft, wie Professor Michael Sterner von der Forschungsstelle Energienetze und Energiespeicher Regensburg, betonte. Auch müssten die Genehmigungsverfahren beschleunigt und vereinfacht werden.

Potenzial bei Pumpspeichern

Eine Grundsatzkritik äußerte Frank Hennig, Diplomingenieur für Kraftwerksanlagen und Energieumwandlung. Die Fokussierung auf den "exzessiven Ausbau volatiler Einspeiser ohne ausreichende Betrachtung des Gesamtsystem" habe zu hohen Preisen und gleichzeitig hohen spezifischen CO2-Emissionen im Stromsektor geführt. Er hielt eine Diskussion und Auseinandersetzung über das "fast vollständige Versagen der Wind- und Solarstromerzeugung für Versorgungsaufgaben" für nötig.

Konstruktiver war der Vorschlag von Professor Sterner auch die Genehmigungsverfahren für Pumpspeicher zu beschleunigen und zu vereinfachen und das Potenzial der Technologie zu nutzen. Dieses läge vor allem in der Effizienzsteigerung von bestehenden Anlagen statt im Neubau. Bei Heimspeichern, die im Winter weitgehend nutzlos herumstünden, müsse zudem die Beladung mit Netzstrom zugelassen werden, sagte der Forscher. Das Laden zu Zeiten mit geringen Strompreisen ermögliche mehr Flexibilität, Preisstabilität und eine bessere Integration erneuerbarer Energien.

Förderung von Wärmespeichern

Constanze Adolf von der Unternehmensberatung H/Advisors Deekeling Arndt betonte zudem die Rolle von thermischen Energiespeichern für eine erfolgreiche Industrie- und Energiewende. Um die regulatorischen Hürden für thermische Speicher abzubauen, brauche es unter anderem die Abschaffung von Netzentgelten sowie die Entwicklung eines umlagebefreiten Wärmestromtarifs oder eines Wärmegarantiepreises zur Schaffung von Investitionssicherheit, "inklusive der Abschaffung der Netzentgelte und Baukostenzuschüsse". Es brauche zudem schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie eine Beschleunigung der administrativen Prozesse bei der Förderung von Energiespeichern.

Für eine Verlängerung des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG) bis mindestens 2030 und eine langfristige finanzielle Absicherung der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze warb indes Christian Heine, Sprecher der Geschäftsführung Hamburger Energiewerke. Der Manager plädierte auch dafür, den zukünftigen Speicherbedarf für Wasserstoff in Deutschland zu ermitteln. Für einen erfolgreichen Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft sollte neben den Aufbau der Wasserstoffherstellung und -verteilung auf der nationalen Ebene ein hinreichender Zubau von Wasserstoffspeichern an geeigneten Standorten geprüft und der erforderliche rechtliche Rahmen geschaffen werden.

40 GW bis 2030

Benedikt Deuchert vom Batteriespeicherentwickler Kyon Energy Finance bezifferte den volkswirtschaftliche Nutzen von Stromspeichern auf etwa zwölf Mrd. Euro bis 2050. Zudem führe ein rein marktgetriebener, subventionsfreier Zubau von Großbatteriespeichern zu einem geringeren Bedarf an konventioneller Kraftwerkskapazität. In der Stromspeicherstrategie des BMWK fänden sich positive Bekenntnisse zum Ausbau von Großspeichern, so Deuchert. "Wir sind uns aber nicht sicher, ob deren Vorteile tatsächlich gesehen werden."

Auch Michael Ritzau vom Büro für Energiewirtschaft und technische Planung (BET) wies Batteriespeichern künftig eine große Rolle zu. Es sei von einem Hochlauf bis über 40 Gigawatt bis 2030 auszugehen. Großbatteriespeicher könnten eine wesentliche Rolle bei der Energiewende spielen, sagte er. Abwarten müsse man allerdings, "ob der marktgetriebene Hochlauf bleibt." (jk)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper