Kurz vor der vorgezogenen Bundestagswahl beschwichtigt die Energiebranche – stellt aber auch Forderungen auf. "Sie sehen mich einigermaßen gelassen", sagte Katherina Reiche, Vorstandsvorsitzende der Westenergie, zum Auftakt der Messe "E-World" in Essen. Keine Partei der demokratischen Mitte habe die Energiewende als solche infrage gestellt, erklärte Reiche anlässlich einer Pressekonferenz. "Die Energiewende wird nicht komplett rückabgewickelt".
Steuerung Fehlanzeige
Zugleich verweist die Westenergie-Chefin auf gravierende Hürden bis zur Klimaneutralität. Eine davon: Durch die drastisch steigende Zahl dezentraler Anlagen im Stromnetz gerät die Versorgung immer weiter unter Druck. "Seit 2021 haben sich die Anschlussanfragen vervier- bis versechsfacht", führte sie aus. Allerdings: Viele dieser Anlagen seien nicht steuerbar. Das müsse sich dringend ändern, denn: "Wir können das Netz nicht übermäßig ausbauen."
Auch Mona Neubaur (Grüne), Wirtschaftsministerin des Landes Nordrhein-Westfalen, sieht eine vordergründige Aufgabe darin, erneuerbare Energien in das Netz zu integrieren – ob kleine oder große Anlagen.
Und das kostet: der Ministerin zufolge zwei Billionen Euro bis zum Jahr 2045. Geld, das nicht der Staat alleine aufbringen könne, vonnöten sei auch privates Kapital. Davon hänge letztlich auch die Akzeptanz der Menschen ab, betonte Neubaur.
Dass diese derzeit unter Druck steht, belegt auch eine aktuelle Studie von Westenergie und dem Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie. Demnach wächst in der Bevölkerung die Unzufriedenheit mit der Energiewende. Nur 22 Prozent der Befragten trauen demnach der Politik zu, die Energiewende "richtig und gerecht" umzusetzen.
"Königsdisziplin der Energiewende"
Um hier Abhilfe zu schaffen, schlägt Ministerin Neubaur unter anderem eine Absenkung der Stromsteuer vor. Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, ist ebenfalls davon überzeugt, dass es künftig mehr "System- und Kosteneffizienz" braucht.
Es gelte, Bezahlbarkeit, Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz miteinander zu vereinen. Darin sieht sie eine wesentliche Aufgabe der nächsten Bundesregierung. Als "Königsdisziplin der Energiewende" in diesem Zusammenhang bezeichnet Andreae die Wärmewende und fordert, Akteuren die Transformation regulatorisch einfacher zu machen. Der BDEW hat dazu jetzt eine Reihe von Handlungsempfehlungen veröffentlicht.



