Um die Verfügbarkeit der Basisdienste für alle vier Partnernetzbetreiber zu garantieren, hat Schleswig-Holstein Netz eine über ganz Deutschland verteilte Infrastruktur aufgebaut.

Um die Verfügbarkeit der Basisdienste für alle vier Partnernetzbetreiber zu garantieren, hat Schleswig-Holstein Netz eine über ganz Deutschland verteilte Infrastruktur aufgebaut.

Bild: © Stephan Dinges/AdobeStock

Die Debatte um die regionalen Unterschiede bei Netzentgelten nimmt Fahrt auf. Zuletzt sprach sich Bundesnetzagentur-Chef Klaus Müller für niedrigere Gebühren in Windregionen aus. (Die ZfK berichtete) Eine Reform der Netzentgelte könne den Ausbau der erneuerbaren Energien beflügeln und für mehr Akzeptanz sorgen, sagt auch BEE-Geschäftsführer Wolfram Axthelm.

"Ausgerechnet die Regionen, die beim Ausbau voranschreiten, finanzielle Nachteile", so Axthelm. "Das ist den Bürgerinnen und Bürgern nicht zu vermitteln."

Eine Untersuchung des Preisvergleichs-Portals Verivox hat die genauen Zahlen nun ausgewertet. Das Ergebnis: Wer in Schleswig-Holstein wohnt, zahlt 2023 fast doppelt so viel wie Verbraucher in Bremen. Wären überall die gleichen Netzgebühren fällig, würden sie in Schleswig-Holstein und Brandenburg um 27 Prozent sinken. In Bremen, Baden-Württemberg und Bayern würden Stromverbraucher hingegen deutlich stärker belastet.

480 Euro im Jahr

So zahlt ein Drei-Personen-Haushalt mit einem Stromverbrauch von 4000 kWh derzeit in Schleswig-Holstein pro Jahr mit durchschnittlich 480 Euro (netto) deutschlandweit die höchsten Netzentgelte. Darauf folgen Brandenburg mit durchschnittlich 477 Euro und Mecklenburg-Vorpommern mit 449 Euro.

Die niedrigsten Stromnetzentgelte zahlen die Haushalte in Bremen mit 254 Euro, Baden-Württemberg (321 Euro) und Bayern (323 Euro).

"Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist eine der Ursachen für die regional unterschiedlichen Netzentgelte, aber auch Faktoren wie die Industrie- und Bevölkerungsdichte haben einen großen Einfluss", sagt Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox.

Durchschnitt bei 350 Euro

Der bundesweite Durchschnitt der Stromnetzentgelte liegt bei 350 Euro jährlich. Würde dieser Durchschnitt in allen Bundesländern gelten, lägen die Kosten für einen Drei-Personen-Haushalt in Schleswig-Holstein und Brandenburg um 27 Prozent niedriger, was einer Entlastung von 130 bzw. 127 Euro entspricht. In Mecklenburg-Vorpommern würden sich die Netzgebühren um 22 Prozent (99 Euro) reduzieren.

Stark steigende Stromnetzgebühren gäbe es in Bremen mit einem Plus von 38 Prozent (96 Euro). In Baden-Württemberg würden die Netzentgelte um 9 Prozent (29 Euro) ansteigen, in Bayern wären es 8 Prozent (27 Euro).

Um 28 Prozent gestiegen

Die Netzentgelte machen derzeit rund 22 Prozent des Strompreises für Haushalte aus. Im Bundesdurchschnitt sind sie in den letzten fünf Jahren um 28 Prozent gestiegen. Besonders stark war der Anstieg in Hamburg (60 Prozent), Berlin (49 Prozent), Brandenburg (43 Prozent) und Schleswig-Holstein (42 Prozent).

"Angesichts steigender Eigenkapitalzinsen für die Netzbetreiber und des hohen Investitionsbedarfs in den Umbau der Energieinfrastruktur rechnen wir auch in den kommenden Jahren mit weiter steigenden Stromnetzentgelten für Haushalte in Deutschland", sagt Thorsten Storck.

Reform nötig

Eine Netzentgeltreform sei ein wichtiger Schritt, um die Kosten der erforderlichen Investitionen zum Netzausbau gerechter als bisher zu verteilen, argumentiert auch der Branchenverband BEE. "Analog zur Verteilung der Kosten bei den Übertragungsnetzbetreibern, die gesetzlich einheitlich festgelegt ist, bietet es sich an, die Kosten über alle Netzbetreiber ebenfalls zu vereinheitlichen", so Präsident Axthelm.

Negative Effekte hätte dagegen eine Abkehr von der einheitlichen deutsch-luxemburgischen Strompreiszone. "Strompreiszonen können bei sehr unterschiedlicher Einspeisung aus Erneuerbaren Energien zu erheblichen Preisdifferenzen führen", so Axthelm weiter. Preisunsicherheiten würden die betriebswirtschaftliche Grundlage der Erneuerbaren gefährden und damit dem Standort Deutschland schaden. (jk)

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