Nein, über den Berg ist das Heizungsgesetz in der öffentlichen Debatte noch lange nicht. Auch die Zukunft der europäischen Solarindustrie wird derzeit intensiv diskutiert.

Nein, über den Berg ist das Heizungsgesetz in der öffentlichen Debatte noch lange nicht. Auch die Zukunft der europäischen Solarindustrie wird derzeit intensiv diskutiert.

Bild: © Gian Ehrenzeller/Keystone/dpa

Von Andreas Baumer

Die Kosten für die Förderung erneuerbarer Energien könnten im nächsten Jahr zurückgehen. Auf Basis einer neuen Mittelfristprognose zur erneuerbaren Stromerzeugung melden die Übertragungsnetzbetreiber mit Berücksichtigung des aktuellen EEG-Kontostands einen Finanzierungsbedarf von nur noch rund 14,6 Milliarden Euro an. Ohne das Guthaben auf dem EEG-Konto als Puffer wären es rund 16,2 Milliarden Euro.

Im bisherigen Haushaltsentwurf 2026 wurden noch 17,2 Milliarden Euro veranschlagt. Die gesetzlich verpflichtende Mittelfristprognose wurde diesmal vom Leipziger Institut für Energie erstellt.

Die neue Prognose dürfte bei Haushaltspolitikern im Bundestag dankend angenommen werden. Seit Wochen verhandeln sie darüber, wo es für das Budget im nächsten Jahr hier und da noch Spielräume geben könnte. "Aus haushalterischer Hinsicht wäre das eine Entlastung, die sich in der Bereinigungsvorlage abbilden muss", teilte der CDU-Bundestagsabgeordnete Christian Haase auf ZfK-Anfrage mit. "Aus der Vergangenheit wissen wir allerdings, dass sich im realen Jahresverlauf durchaus noch Änderungen ergeben können."

Tatsächlich lag die Prognose im Jahr 2024 um mehrere Milliarden Euro daneben, was den Bundestag dazu zwang, einen Nachtragshaushalt aufzustellen und zusätzliches Geld zuzuschießen. Für das laufende Jahr wurden 17,2 Milliarden Euro beschlossen.

Kostenrückgang bei Solaranlagen

Im Vergleich zur Vorjahresanalyse sinken die prognostizierten Auszahlungen an Betreiber von Erneuerbaren-Anlagen spürbar. Wurden im vergangenen Jahr für 2026 noch EEG-Auszahlungen von 19,2 Milliarden Euro erwartet, sind es jetzt noch 17,6 Milliarden Euro.

Der Finanzierungsbedarf stellt sich kleiner dar, weil die Vermarktung erneuerbarer Energien bei höheren Strompreisen auch Geld einbringt. Dem stehen beispielsweise Aufwandskosten für die Vermarktung erneuerbarer Energien und anderer Dienstleistungen gegenüber, die die Übertragungsnetzbetreiber in Rechnung stellen.

Vor allem bei der Solarenergie wird ein deutlicher Rückgang im Vergleich zum Vorjahresbericht erwartet. Im Trendszenario werden für nächstes Jahr beim größten Kostenblock, den Solaranlagen ohne Freiflächen-Segment, EEG-Auszahlungen von rund neun Milliarden Euro prognostiziert. Im Vorjahresbericht waren dafür 10,5 Milliarden Euro veranschlagt worden. In der Zwischenzeit schränkte der Bundestag jedoch im sogenannten Solarspitzengesetz die Vergütungsmöglichkeiten ein.

Auch für Freiflächen-Solaranlagen wird mit weniger Kosten gerechnet. Laut der Prognose werden im nächsten Jahr rund 1,7 Milliarden Euro ausgezahlt. Im Vorjahresbericht wurde noch mit etwa 100 Millionen Euro mehr gerechnet.

Das Leipziger Institut für Energie prognostiziert bis 2028 einen leichten Anstieg der EEG-Auszahlungen. Danach würde es wieder nach unten gehen. Vor allem bei Solaranlagen außerhalb des Freiflächen-Segments würde sich die Summe verringern – von mehr als neun Milliarden Euro in der Spitze auf unter acht Milliarden Euro. Auch beim zweitgrößten Kostenblock, der Biomasse, ist demnach bis 2030 ein leichter Rückgang zu erwarten. 

Deutlich mehr müsste der Bund für Windkraftanlagen an Land ausgeben. Hier würden die EEG-Zahlungen von 2026 bis 2030 um mehr als 150 Prozent steigen – auf dann 1,8 Milliarden Euro.

EEG-Reform steht an

Naturgemäß berücksichtigt die Analyse nicht künftige gesetzliche Änderungen bei der Erneuerbaren-Förderung. Diese werden jedoch aus europarechtlichen Gründen notwendig sein. Beispielsweise ist ab 2027 eine Förderung je Kilowattstunde ohne Erlösobergrenze nicht mehr erlaubt. Das Bundeswirtschaftsministerium arbeitet nach eigenen Angaben bereits an einer Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG).

Zum Schluss ein spannender Seitenaspekt. Für seine EEG-Prognose hat das Leipziger Institut für Energie auch Annahmen zum Bruttostromverbrauch getroffen. Demnach werden im Jahr 2030 insgesamt 609 Terawattstunden (TWh) Strom in Deutschland verbraucht. Die Autoren begründen dies so: "Hintergrund des vergleichsweise moderaten Anstiegs ist insbesondere die Annahme, dass die Sektorkopplung weniger schnell erfolgt und insbesondere die energieintensive Industrie in Deutschland einem hohen Wettbewerbsdruck ausgeliefert ist."

Würde dies so eintreffen, würde Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) mit ihrer teils stark kritisierten Einschätzung Recht behalten. Sie sagte, dass der Bruttostromverbrauch in Deutschland 2030 eher am unteren Ende des Korridors liegen werde, der im Monitoringbericht beschrieben wurde. Im Monitoringbericht wird eine Spannbreite von 600 bis 700 TWh im Jahr 2030 für realistisch gehalten.

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