Nicht erst nach dem Brandanschlag Anfang Januar in Berlin, der Teile der Stromversorgung in der Hauptstadt tagelang unterbrochen hatte, gibt es in der Energiebranche ein erhöhtes Bewusstsein für die Gefahrenlage bei der kritischen Infrastruktur. "Eon misst dem Thema Resilienz strategisch – leider – eine herausgehobene Bedeutung bei", sagte Eon-Vorstandschef Leonhard Birnbaum bei einem Pressegespräch in Berlin.
"Die Bedrohung für die Energieinfrastruktur nimmt zu, wie der feige Terroranschlag gegen die Stromversorgung der Berliner Bevölkerung vor wenigen Wochen gezeigt hat. Darauf müssen sich Politik, Regulierung und Branche einstellen", sagte der Eon-Chef weiter.
Ausfallzeiten möglichst minimieren
Der Eon-Konzern sei als mit Abstand größter Verteilnetzbetreiber in Deutschland bereit, in solchen Krisenfällen Verantwortung zu übernehmen und vor Ort mit Material, Know-how und Experten zu unterstützen. "Das haben wir auch in Berlin getan", erklärte der CEO des Dax-Konzerns weiter. In Zukunft gelte es, sich besser für Attacken auf Stromnetze zu wappnen. "Bei Angriffen auf Stromnetze müssen wir uns vorbereiten, schneller zu reparieren, um die Ausfallzeiten und die damit verbundenen Schäden zu minimieren. Selbstverständlich wird das auch Kosten verursachen, die erstattet werden müssen", sagte Birnbaum.
Der Bundestag hatte am vergangenen Donnerstag das sogenannte Kritis-Dachgesetz verabschiedet, das strengere Vorgaben für den Schutz zentraler Institutionen und Anlagen macht. Das Gesetz sieht für Unternehmen der kritischen Infrastruktur – dazu gehören etwa große Energieversorger oder Wasserwerke – nicht nur strengere Verpflichtungen zum Schutz ihrer Anlagen vor, sondern auch eine Pflicht zur Meldung sicherheitsrelevanter Vorfälle sowie Bußgelder bei Regelverstößen.
Übertriebener Datenschutz und Perfektionismus
Eon betreibt in Europa ein Stromverteilnetz von über 1,6 Millionen Kilometer Länge. Angesichts massiv steigender Anschlussnachfragen wird der Ausbau vorangetrieben. So sehen die derzeitigen Planungen zwischen 2024 bis 2028 für das Netzgeschäft ein Investitionsbudget von 35 Milliarden Euro vor.
Auch die Digitalisierung des Verteilnetzes soll weiter forciert werden. So werde Eon in den nächsten Wochen den millionsten Smart Meter installieren, "obwohl die Rahmenbedingungen in unserem Land durch übertriebenen Datenschutz und falsch verstandenen Perfektionismus – Stichwort Messstellenbetreiber-Rollen – alles andere als geeignet sind, um den Rollout schnell zu vollziehen", erklärte Birnbaum.
Bezahlbarkeit als neuer Matchplan für die Energiewende
Mit Blick auf die anstehende Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) forderte Birnbaum Politik und Regulierung auf, nicht an einer Anreizkulisse festzuhalten, die nicht für das neue System, sondern für den Übergang entwickelt worden sei. "Wir stellen radikal infrage, ob die Spielregeln, die wir heute haben und die aus einer Zeit des Übergangs von Großkraftwerken zu dezentraler Erzeugung und Einspeisung stammen, für die Energiezukunft noch die richtigen sind", sagte der Eon-Chef. Das Gesamtsystem müsse deutlich effizienter werden.
"Jede überflüssige Anlage, die nicht produziert, aber Förderung und Entschädigung erhält, treibt die Netzentgelte in die Höhe. Jeder unnötige Kilometer Netz, den wir nicht brauchen, treibt die Netzentgelte. Bezahlbarkeit muss der Matchplan für die zweite Hälfte der Energiewende sein", so Birnbaum.



