Langjährige Handelsexpertise: Aik Wirsbinna ist seit Januar 2025 Geschäftsführer der Stadtwerke Pforzheim und leitete zuvor fünf Jahre dort den Vertrieb. Davor war er unter anderem in Führungspositionen bei Eins Energie und Eon im Handelsbereich tätig.

Langjährige Handelsexpertise: Aik Wirsbinna ist seit Januar 2025 Geschäftsführer der Stadtwerke Pforzheim und leitete zuvor fünf Jahre dort den Vertrieb. Davor war er unter anderem in Führungspositionen bei Eins Energie und Eon im Handelsbereich tätig.

Bild: © Stadtwerke Pforzheim

Haben die SWP angesichts der Entwicklungen an den Energiemärkten in den vergangenen Wochen weitere Vorsichtsmaßnahmen in Vertrieb und Beschaffung ergriffen?

Ja, das haben wir. Unser Sonderrisiko-Komitee tagt wieder regelmäßig und unsere Tranchenbeschaffung wird teilweise vorgezogen, um sich Mengen zu sichern, wenn der Markt dies zulässt.

Manche Stadtwerke haben die Beschaffung aktuell komplett eingestellt, ist das aktuell ein Thema in Pforzheim? 

Nein, im Gegenteil: Wir beobachten den Markt sehr genau, wägen Chancen und Risiken ab und sichern uns Mengen, wo immer dies aktuell attraktiv erscheint. Ziel ist es, die Preise für unsere Kunden möglichst stabil zu halten.


Analysten rechnen damit, dass die Straße von Hormus noch ein paar Monate gesperrt sein könnte und rechnen erst mit einer Beruhigung am Energiemarkt, wenn die deutschen Energiespeicher für die nächste Heizsaison mit annähernd über 70 Prozent gefüllt sind. Wie sieht Ihre Prognose aus?

Ja, das sehen wir auch so. Da Erzeugungsanlagen zerstört sind, würde auch eine Öffnung der Straße von Hormus nicht gleich eine Entspannung bringen. Der Markt entwickelt sich bullisch, generell ist eine hohe Volatilität auch in den kommenden Wochen und Monaten zu erwarten.

Schon jetzt ist absehbar, dass die Preise im Frontjahr stark steigen und die Jahre 2028 und 2029 werden diesem Trend stärker folgen, als viele bisher vermutet haben. Der Spread wird zusammenlaufen in Richtung Kalenderjahr 2027 sowohl im Strom als auch im Gas. Das erzwingt weitere Maßnahmen.


Was würde das für Beschaffung und Vertrieb bei den Stadtwerken Pforzheim bedeuten?

Wir prüfen derzeit sehr genau, wann und zu welchen Konditionen wir Energiemengen am Markt einkaufen. Natürlich immer gemäß unseres Beschaffungshandbuchs. Da wir generell mit steigenden Preisen rechnen, versuchen wir, möglichst früh weitere Tranchen zu beschaffen, um die Preisanstiege für die Kunden so gering wie möglich zu halten.

Viele Energieversorger haben das Problem, dass die Beschaffungsleitfäden externe Schocks nicht gut abbilden können. Daher müssen ständig Sondermaßnahmen getroffen werden. Dies geht nur mit den entsprechenden Gremien und allen Akteuren, die dies entscheiden können. Jedes Unternehmen muss hier schauen, was notwendig wird und entsprechende Beschlüsse fassen.

Verändern sich bei den Stadtwerken Pforzheim mittlerweile die Neukundenpreise und wie sichern Sie Kunden ab, wenn Sonderverträge mit Preisgarantie zeitnah auslaufen?

Für unsere Neukunden haben sich die Preise nicht wesentlich erhöht. Bei Kunden mit Produktverträgen haben wir ebenfalls eine Tranchenbeschaffung und können den Kunden somit weiterhin attraktive und faire Angebote machen unter dem aktuellen Preisniveau an den Märkten. Langfristig ist die Preisentwicklung noch nicht absehbar.

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