Die Wissenschaftler halten das Verbrennen von Holz für die Energiegewinnung für einen Irrweg.

Die Wissenschaftler halten das Verbrennen von Holz für die Energiegewinnung für einen Irrweg.

Bild: © Adobe Stock/Mike Fouque

Eine angeblich vom Wirtschafts- und Klimaschutzministerium (BMWK) geplante CO2-Abgabe auf Holzenergie sorgt im politischen Berlin für Wirbel. Die „Welt am Sonntag“ hatte geschrieben, dass die Ampel die „Entwicklung eines Konzepts für die Anwendung eines CO2-Faktors für holzartige Biomasse“ erwäge. So stehe es in einem unveröffentlichten Entwurf der Biomassestrategie.  

Prompt dementierte das Haus von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) den Bericht. „Es ist keine CO2-Abgabe auf Holz geplant. Diese wird es nicht geben“, teilte eine Sprecherin mit.

Aiwanger wettert gegen die Ampel

Das BMWK arbeitet schon seit Längerem gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium und dem Bundeslandwirtschaftsministerium an einer Nationalen Biomassestrategie. Der angebliche Plan einer CO2-Abgabe auf Holzenergie hatte am Wochenende insbesondere Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger verärgert. Er sprach von der „nächsten Geisterfahrt der Ampel".

Bayern setzt stark auf Holzenergie. Erneuerbare Energieträger decken im Freistaat rund 26 Prozent der Wärmeversorgung. Holz hat eine besondere Bedeutung: 73 Prozent der Wärme aus erneuerbaren Energien in Bayern wird aus fester Biomasse, vor allem aus Holz, gewonnen.

Bayern will mehr Holz verheizen

Aiwanger wirft dem Bund schon seit Längerem vor, die Holzenergie gezielt ausbremsen zu wollen. Dabei sei Holzenergie „aktiver Klimaschutz“. Die Nutzung sei nicht klimaschädlich. Aiwangers Credo: „Holz schadet dem Klima mehr, wenn es nicht verheizt wird, sondern ungenutzt verfault und deshalb zusätzliche fossile Energieträger nötig sind." Im Mai hat der Freistaat einen "Pakt Holzenergie Bayern" auf den Weg gebracht. Ziel des Paktes ist es, angesichts der großen bestehenden Holzvorräte in Bayern, den Ausbau von Holzenergie zur Wärmeerzeugung für Wohngebäude, für Wärmenetze sowie für die Erzeugung von Prozesswärme in Unternehmen zu stärken. Auch die kombinierte Strom- und Wärmeerzeugung in Holzgas-Blockheizkraftwerken soll ausgebaut werden.

Auch in der Ampel ist das Heizen mit Holz durchaus umstritten. Das „Heizen mit Holz ist entgegen der weit verbreiteten Meinung nicht klimaneutral. Die Holzverbrennung produziert neben Feinstaubemissionen auch CO2- und andere klimarelevante Emissionen wie Methan. Pro produzierter Wärmeeinheit sind die CO2-Emissionen sogar höher als bei fossilen Energieträgern wie Kohle oder Gas“, heißt es etwa auf der Homepage des Bundesumweltministeriums, das federführend für die Nationale Biomassestrategie verantwortlich ist. Das Heizen mit Holz sei nur „unter sehr eingeschränkten Bedingungen“ verträglich für das Klima.

Umweltbundesamt mit Kritik an Holzverbrennung

Noch deutlicher wird das Umweltbundesamt: „Holzheizungen sind schlecht für die Gesundheit.“ Die Verfeuerung von Holz und somit ihr Ausbau in der Summe helfe dem Klimaschutz nicht.

Die Behörde ist aktuell Teil der Verwirrung, nachdem die "Welt am Sonntag" berichtet hatte, dass das Umweltbundesamt den „CO2-Rechner“ auf seiner Webseite neu programmiert hat. Wie die Welt schreibt, soll Holzenergie dabei anders als in der Vergangenheit als „klimaschädlich“ eingestuft werden.

FDP weist Amt in die Schranken

Das wiederum sorgt bei FDP-Fraktionsvize Lukas Köhler für Unmut. Das Umweltbundesamt sei „erneut auf dem Holzweg“. Es dürfe nicht einfach das gewählte Parlament übergehen, sondern solle sich auf seine eigentlichen Aufgaben konzentrieren. „Holz ist und bleibt in seiner Gesamtbilanz ein klimaneutraler Brennstoff. Das haben wir unmissverständlich im Gebäudeenergiegesetz festgelegt“, betont der Liberale. (amo/mit Teilen von dpa)

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