Unterschiedliche Netzentgelte behindern den Ausbau von Elektromobilität, fürchtet Agora.

Unterschiedliche Netzentgelte behindern den Ausbau von Elektromobilität, fürchtet Agora.

Bild: © Nischapor/stock.adobe.com

Die Energiebranche hat sich bei einem "Netzanschlussgipfel" im Bundeswirtschafts- und Klimaschutzministerium (BMWK) dafür eingesetzt, den Anschluss von Stromerzeugung an das Netz einfacher und schneller zu machen. Bei dem Spitzentreffen ging es auch um die Integration von Ladeinfrastruktur, Wärmepumpen und Speichern in das Stromnetz. Neben der Energiewirtschaft waren unter anderem auch die Immobilienwirtschaft, die Automobilindustrie, Handwerk und Handel vertreten.

"Wir stellen uns gemeinsam der Aufgabe, das Stromnetz bis zum letzten Kilometer zuverlässig auszubauen", sagte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). Erzeuger und Verbraucher müssten sich darauf verlassen können, dass sie Zugang zum Stromnetz erhalten. Die Netzbetreiber müssten deshalb die Netze vorausschauend planen und bedarfsgerecht ausbauen, so der Vizekanzler, der den Ausbau des Verteilnetze als "Dreh- und Angelpunkt" bezeichnete.

Habeck will Vorschläge prüfen

Die beim Gipfel erarbeitete "Fokus-Agenda" stieß dabei in der Energiebranche auf Zustimmung. "Der Netzausbau hinkt dem Ausbau der erneuerbaren Energien hinterher. Deswegen gewichten wir die Fokus-Agenda des heutigen Gipfels klar mit der Priorisierung auf die bessere Nutzbarmachung der Netzanschlusskapazitäten", sagte Simone Peter, Präsidentin des Erneuerbaren-Verbandes BEE.

Der Verband hatte erst kürzlich mit dem Fraunhofer IEE und der Kanzlei Becker Büttner Held (BBH) eine Studie zur gemeinsamen Nutzung von Netzverknüpfungspunkten (NVP) durch Erneuerbare, Speicher und Anlagen zur Sektorenkopplung vorgestellt. Das Ergebnis: Durch minimale Anpassungen an zwei Stellen im EEG ließen sich kurzfristig Wind- und Photovoltaik-Anlagen im zweistelligen Gigawatt-Bereich in das bestehende Netz integrieren – ohne den Neubau von Netzinfrastruktur. "Wir freuen uns, dass Bundeswirtschaftsminister Habeck beim Gipfel angekündigt hat, die Vorschläge des BEE zu prüfen", sagte Peter.

Reservierungsmechanismus bei Netzanschlüssen

Auch der Speicherverband BVES war mit dem Gipfel zufrieden und wünscht sich eine schnelle Umsetzung. "Es braucht jetzt rechts- und investitionssichere Verfahren und Fristen, flankiert durch entsprechende Folgen bei Nichteinhaltung", sagt BVES-Bundesgeschäftsführer Urban Windelen.

"Gerade bei standardisierten und zertifizierten Systemen sollte eine Genehmigungsfiktion nach wenigen Wochen das Zielbild sein." Dies gelte sowohl für den physischen als auch den IT-seitigen Netzanschluss inklusive der Ausstellung der Marktlokations-IDs.

"Formelle Nachforderungen sollen dabei die Frist zur inhaltlichen Prüfung nicht erneut auslösen dürfen", so Windelen weiter. Neben verbindlichen Fristen brauche es demnach einen gangbaren Reservierungsmechanismus von Netzanschlüssen, der Phantomreservierungen unterbinden könne und gleichzeitig Sicherheit in der Projektplanung biete. "Der Netzanschlussgipfel hat gezeigt, dass die Probleme erkannt sind. Das gilt es jetzt, in die praktische Umsetzung zu bringen. Daran wird der Gipfel gemessen werden müssen", betonte der Verbandsvertreter. (jk)

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