Die Wogen zwischen Verteilnetz- und Übertragungsnetzbetreibern sind laut N-Ergie-Chef Josef Hasler noch längst nicht geglättet. "Ich halte den Ausbau der HGÜ-Trassen, sowohl die Südost-Passage als auch die Suedlink, grundsätzlich für den falschen Weg", sagte er im Gespräch mit der ZfK. Das habe mit Energiewende nichts zu tun. Für ihn stehe das wesentliche Moment im Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende (GDEW).
"Eingriff in mein Asset"
"Wenn Übertragungsnetzbetreiber direkten Zugriff auf meine Erzeugungsanlagen haben, ist das ein Eingriff in mein Asset. Das ist nicht in Ordnung. Diese gesetzliche Regelung muss weg, ansonsten werden wir den Konflikt definitiv nicht beenden", so Hasler. Verteilnetzbetreiber und Übertragungsnetzbetreiber müssten auf Augenhöhe miteinander agieren können und die Voraussetzungen dafür könnten nicht im kleinen Kreis, sondern müssten auf regulatorischer und gesetzlicher Ebene geschaffen werden.
"Top-Down-Ansatz wäre auf Dauer ein Problem"
"Sowohl die HGÜ- als auch die Verteilnetzbetreiber wissen sehr wohl, welche Verantwortung sie haben", versicherte Hasler. Aber das "Wie" der Verantwortungsübernahme könne nur auf Augenhöhe ausdiskutiert werden. "Mit einem Top-Down-Ansatz nach der Devise "Spannungsebene ist gleich Hierarchieebene" hätten wir auf Dauer ein Problem".
"Nehmt die Verteilnetze endlich ernst und wahr"
In dem Interview formulierte der Vorsitzende des Vorstands zudem klare Forderungen an Berlin. "Ganz wichtig ist für mich: Nehmt die Verteilnetze endlich wahr und ernst. Die Stadtwerke sind die Motoren der Energiewende. Der zweite Punkt: Wenn die Bundesregierung Klimaschutz postuliert, muss sie auch so agieren, dass die Klimaschutzziele eingehalten werden. Das bedeutet, eben nicht jetzt schon auf das Jahr 2030 zu schielen, sondern 2021 oder 2022 in den Blick zu nehmen".
Daraus folge als drittes Postulat, sukzessive die Kohlekraftwerke aus dem Netz zu nehmen und die in der Republik vorhandenen Gaskraftwerke in den Markt zu bringen. Außerdem sprach Hasler sich für eine nationale CO2-Steuer aus. Er sei immer für eine internationale oder europäische Lösung – vorausgesetzt, das Werkzeug wirke. Der derzeitige Emissionshandel funktioniere allerdings nicht. Denn der jetzige Preis beeinflusse die Stromerzeugung aus konventionellen Energien mit geringem CO2-Ausstoß überhaupt nicht. Das heiße, er wirke definitiv nicht.
"Mit nationalem CO2-Preis erreichen wir die Klimaschutzziele zügig"
"Wenn die deutsche Regierung die ernsthafte Absicht hat, Klima- und Umweltschutz zu betreiben, bleibt deshalb nur ein nationales Instrument. Ich höre schon: Bitte nicht noch ein Instrument, nicht noch eine weitere Abgabe! Da entgegne ich: Auf unserem Strompreis für Haushaltskunden liegen so viele Abgaben, da kommt es auf einen CO2-Preis auch nicht mehr an. Wenn wir einen nationalen CO2-Preis einführen, werden wir die Klimaschutzziele auch zügig erreichen", zeigte sich Hasler überzeugt. (hil/hoe)
----------------------------------
Wie der N-Ergie-Chef den Milliardendeal zwischen Eon und RWE beurteilt und welche Chancen er darin für sein Unternehmen sieht, lesen Sie in der Juniausgabe der ZfK.



