Eigentlich hätte das Gebäudeenergiegesetz, besser bekannt als Heizungsgesetz, nach dem Willen der Ampel-Koalition am Freitag sowohl von Bundestag als auch von Bundesrat verabschiedet werden sollen. Eigentlich hätten dann Stadtwerke quer durch das Land Gewissheit haben sollen.
Doch es ist bekanntlich anders gekommen. (Die ZfK berichtete.) Und so muss wohl auch das größte Stadtwerk Deutschlands seine Kunden erst einmal weiter vertrösten.
Warten auf Gesetze
"Solange das Gebäudeenergiegesetz noch nicht beschlossen ist, können wir auch unseren Kundinnen und Kunden keine Empfehlungen aussprechen und nur darauf verweisen, den Beschluss [...] abzuwarten und sämtliche Investitionsentscheidungen in neue Heizungslösungen bis zum Vorliegen der [kommunalen Wärmeplanung] in München zu vertagen", antwortete Florian Bieberbach, Vorsitzender der Geschäftsführung bei den Stadtwerken München, auf schriftlich gestellte ZfK-Fragen. "Falls zwischenzeitlich eine Heizung kaputt geht, gilt es erst einmal, diese so irgend möglich zu reparieren."
Die jüngste Wende im Heizungsstreit sieht der Manager zweischneidig. "Eigentlich können wir uns eine Verzögerung nicht leisten", kommentiert er. "Dass das Gebäudeenergiegesetz nicht wie geplant durch den Bundestag gebracht werden kann, ist natürlich für eine schnelle Klärung des Sachverhaltes nicht dienlich."
Entscheidung "nachvollziehbar"
Andererseits würde dadurch das Gesetzgebungsverfahren mit der noch nicht vom Bundeskabinett beschlossenen Wärmeplanung stärker parallelisiert, was die rechtliche Qualität verbessern könne. "Inhaltlich ist die Entscheidung des Gerichts aus meiner Sicht nachvollziehbar", schreibt der Stadtwerkechef.
"In der Branche beklagen wir schon lange, dass kurze Befassungsfristen keine ordentliche fachliche Auseinandersetzung mit den Gesetzen ermöglichen und fundierte Stellungnahmen auch für Unternehmen und Verbände schwierig machen."
Reale Umsetzung in Behörden
Als positiv bewertet Bieberbach, dass die beiden Vorhaben inhaltlich stringent auf die Ziele der Bundesregierung zur Reduktion der Treibhausgase ausgerichtet seien und sich an Ergebnissen der Forschung orientierten.
Gleichzeitig mangele es den Vorhaben jedoch noch an dem Abgleich mit den realen Gegebenheiten vor Ort. "Der Erfolg des Heizungsgesetzes hängt natürlich auch von der realen Umsetzung in den Behörden ab."
Beispiel Grundwasserwärmepumpe
Ein Beispiel sei die Grundwasserwärmepumpe: Durch die individuelle Grundwassernutzung sei auf Basis der heutigen Rechtslage mit einer Vielzahl an Genehmigungsanträgen und langen Verfahren zu rechnen.
Prüfungen und Gutachten seien aufwändig und komplex, da immer mehr gegenseitige Beeinflussungen und Beeinträchtigungen der Anrainer berücksichtigt werden müssten.
"Noch viele offene Fragen"
"Kapazitäten und Prozesse in den zuständigen Behörden sind noch nicht auf diesen Ansturm ausgerichtet", schreibt Bieberbach. Gleiches gelte für die Bearbeitung von Bauanträgen, Bergrechtsanträgen und Genehmigungen für Baumaßnahmen im öffentlichen Verkehrsraum.
Insgesamt geht Bieberbach davon aus, dass das Gebäudeenergiegesetz zeitnah noch einmal angefasst werde. "Denn es bleiben noch viele Fragen zur konkreten Umsetzung offen."
Wärmeplanung in München
Was die kommunale Wärmeplanung in München betrifft, sieht der Manager seine Stadtwerke gut gerüstet. Mit dem sogenannten Trafoplan, der in die Planung in München einfließt, sei sein Unternehmen "schon sehr weit".
Bieberbach nennt vier Säulen, an denen anzusetzen sei: die Gebäudesanierung, die grüne Fernwärme, Nahwärmelösungen mit dezentralen Wärmenetzen und Wärmepumpen. Beim Thema grüne Fernwärme wollen die Münchner dabei vor allem auf die Geothermie setzen, "den Schatz aus der Tiefe", wie die Stadtwerke die Quelle nennen.
Bedeutung von Tiefengeothermie
Schon jetzt betreiben die Stadtwerke nach eigenen Angaben sechs Geothermieanlagen in der Region der bayerischen Landeshauptsdtadt, darunter Deutschlands derzeit größte am Heizkraftwerkstandort im Stadtteil Sendling. Weitere Projekte laufen.
Dabei sei Tiefengeothermie nicht nur im Münchner Raum nutzbar, schreibt Bieberbach. "Das Potenzial der Tiefengeothermie in Deutschland liegt zwischen 118 und 300 TWh [pro Jahr]. Demnach könnte knapp ein Viertel des Gesamtwärmeverbrauches in Deutschland von [circa] 1300 TWh [pro Jahr] mittels Tiefengeothermie erbracht werden."
"Schön wäre eine Erdwärmepumpe"
Keine Rolle spielt Geothermie in Bieberbachs eigenem Zuhause, einem Niedrigenergiehaus außerhalb Münchens. Dieses werde bislang mit Erdgas, Solarthermie und Holz beheizt, führt er aus.
Und wie will der Stadtwerkechef künftig Erdgas ersetzen? "Aus der kommunalen Wärmeplanung werde ich ablesen, was für mich die beste Lösung sein wird", antwortet Bieberbach. "Ich vermute, es wird auf eine Wärmepumpe hinauslaufen. Schön wäre es, wenn eine Erdwärmepumpe möglich wäre." (aba/hil)
Hinweis: Ein ausführliches Interview mit Münchens Stadtwerkechef Florian Bieberbach finden Sie in der neuen ZfK-Printausgabe auf Seite 2. Dabei geht es unter anderem um die Rolle von Wärmepumpen, Fernwärmenetzen und Wasserstoff im Gebäude-Wärmemarkt der Zukunft. Zum Abo geht's hier.



