BDEW-Chefin Kerstin Andreae, hier bei einer Veranstaltung im Februar in Cottbus

BDEW-Chefin Kerstin Andreae, hier bei einer Veranstaltung im Februar in Cottbus

Bild: © Patrick Pleul/dpa

Von Andreas Baumer

Es ist das jährliche Weihnachtsgeschenk, das Deutschlands größter Energieverband BDEW dem energieinteressierten Publikum in Deutschland macht: ein Jahresbericht über die Energieversorgung des Landes, zusammengefasst auf 57 Seiten, gespickt mit Zahlen, Grafiken und Karten.

Und was lernt man bei der Lektüre so? Dass Deutschlands Stromerzeugung weniger, dafür aber grüner geworden ist. Dass die Stromimportmengen nach Deutschland ein neues Hoch erreicht haben – der Großteil kam dabei aus dem Kernkraftland Frankreich. Dass Energieversorger in Deutschland 207.000 Menschen beschäftigt haben – das sind gut zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Dass die Investitionen der Wärme- und Kälteversorger sprunghaft gestiegen sind – und sich innerhalb von sieben Jahren auf glatt drei Milliarden Euro mehr als verdoppelt haben. Und noch viel mehr.

Dunkelflaute: "Das ist Markt"

Das Wort Dunkelflaute taucht im Bericht nicht auf. Was nicht heißt, dass der BDEW dazu keine Stellung beziehen will. Im Gegenteil. Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Geschäftsführung, positionierte sich bei der Vorstellung des Jahresberichts dazu klar und deutlich. "Das ist Markt", sagte sie mit Blick auf Strompreisspitzen von einmal mehr als 900 Euro pro Megawattstunde (MWh) in der vergangenen Woche. "Das ist, was wir erwarten."

Zu einem auf erneuerbaren Energien basierenden Stromsystem würden stärkere Preisschwankungen auf den Kurzfristmärkten gehören, erläuterte sie. "Und wenn wir uns nicht in die letzte Woche begeben, sondern in den Sommer dieses Jahres, dann haben wir über negative Strompreise gesprochen."

Die entscheidende Frage sei, wie der Durchschnittspreis bei Strom sei und wer von Preisausschlägen betroffen sei. "Betroffen sind diejenigen, die am Spotmarkt einkaufen." Wenn man sich dagegen am Terminmarkt eindecke – dazu zählen die allermeisten Energieversorger –, würden sich die Preisschwankungen nivellieren, also ausgleichen.

Andreae argumentierte damit ähnlich wie Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck. "Wir werden in der Zukunft immer wieder zwei, drei Wochen haben, in denen die Strompreise sehr hoch sind", hatte der Grünen-Kanzlerkandidat beim "Handelsblatt"-Industriegipfel eingeordnet. "Das wird so sein bei Witterungsbedingungen wie jetzt." Allerdings werde es auch 50 Wochen geben, in denen die Strompreise sehr niedrig seien. Habeck bezog sich offenbar auf Wochen pro Jahr. Ein Jahr hat gut 52 Wochen.

Gar nicht gut kamen die kurzzeitigen Strompreisspitzen in Ländern an, deren Strompreise durch den deutschen Sogeffekt mitstiegen . Unter anderem Schwedens Energieministerin Ebba Busch reagierte verärgert. Auch hier legte BDEW-Chefin Andreae nahe, sich die Preise langfristig anzusehen. "Insbesondere Schweden hat über lange Zeiträume sehr viel Strom auch von Deutschland importiert", sagte sie.

Solarausbau und Kraftwerksgesetz

Grundsätzlich begrüßte Andreae den voranschreitenden Ausbau von Windkraft- und Solaranlagen in den vergangenen Monaten. In diesem Jahr seien mehr als eine Million Solaranlagen zugebaut worden, berichtete sie. Mit Blick auf die Stromnetze bezeichnete Andreae dies allerdings auch als "Herausforderung".

Die Verbandschefin wünschte sich deshalb neue Regeln, was die Steuerbarkeit neuer Solaranlagen betrifft. Ein entsprechendes Gesetz wird derzeit von SPD, Grünen und Union beraten und könnte noch in dieser Wahlperiode verabschiedet werden. Andreaes Rat: "Diese Anlagen müssen steuerbar sein. Solange sie nicht steuerbar sind, muss es auch eine Wirkleistungsbegrenzung geben."

Dass die Ampelregierung scheiterte, den Rahmen für den Zubau neuer wasserstofffähiger Gaskraftwerke zu setzen, bedauerte Andreae. Dies müsse der Schwerpunkt der neuen Bundesregierung sein, sagte sie. Aus ihrer Sicht sollte diese auch am zuletzt vorgelegten Kraftwerkssicherheitsgesetz des Bundeswirtschaftsministeriums ansetzen. Das Gesetz müsse dann aber auch so ausgestaltet sein, dass Investitionen getätigt würden.

Branchenvertretern, die die Förderung von Wasserstoffkraftwerken für überflüssig halten, trat Andreae entschieden entgegen. Man solle nicht überschätzen, wie interessant diese Kraftwerke für Unternehmen seien. "Das sind hochinnovative Kraftwerke, mit denen viel Erfahrung gesammelt werden kann." Auch andere Weltregionen würden in Zukunft Wasserstoffkraftwerke benötigen. "Wir reden hier nicht über olle Meiler."

BDEW will Reform des Gebäudeenergiegesetzes

Auch zum Gebäudeenergiegesetz, besser bekannt als Heizungsgesetz, positionierte sich Andreae klar. Aus ihrer Sicht muss das umstrittene Gesetz reformiert werden. Es müsse einfacher und weniger komplex gemacht werden. Sie bezog sich vor allem auf sehr kleinteilige Regelungen zum Heizungsaustausch, die im Paragrafen 71 festgehalten sind und beispielsweise den Ausbau der Fernwärme oder den Einsatz von Wasserstoffheizungen erschweren.

Dass das Gebäudeenergiegesetz in der kommenden Wahlperiode neugefasst wird, gilt als sicher. Während die Union die Ampel-Version abschaffen will, plädiert beispielsweise SPD-Bundesbauministerin Klara Geywitz für eine grundsätzliche Reform. Davon abgesehen muss die kommende Bundesregierung die EU-Gebäuderichtlinie umsetzen, was Anpassungen am derzeit gültigen Text unausweichlich machen dürfte..

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