Geradezu euphorische Stimmung verbreitete das gemeinsame Statement von Wirtschaftsminister Robert Habeck, Jan Brockmann, Mitglied des Vorstands des Bundesverbandes der deutschen Heizungsindustrie (BDH) sowie CEO von Bosch Thermotechnik und Martin Sabel, Geschäftsführer des Bundesverbandes Wärmepumpe (BWP) anlässlich des Wärmepumpengipfels: Deutschland sei auf einem guten Weg zum wichtigsten Wärmepumpenmarkt in Europa zu werden, die Förderlandschaft hierzulande sei vorbildlich, unterstrich Sabel.
"Es ist seit dem ersten Wärmepumpengipfel vor vier Monaten sehr viel in Bewegung gekommen", sagte Habeck. "Wir sind auf einem guten Weg", betonte Sabel. Die Industrie sei in der Lage, die anvisierten 500.000 Wärmepumpen, die jährlich in den kommenden Jahren in Deutschland installiert werden sollen zu liefern. Über neue Fort- und Ausbildungsinitiativen sowie eine verbesserte Zusammenarbeit der Gewerke könne auch der Flaschenhals im Handwerk abgebaut werden.
Hybride Lösungen für Altbauten
Für dieses Jahr rechnet Sabel mit einem Absatz von rund 250.000 Wärmepumpen in Deutschland, für das kommende Jahr mit 350.000 und ab 2024 mit jährlich 500.000. Hybride Lösungen, sprich eine Wärmepumpe sowie übergangsweise eine konventionelle Heizung, böten eine gute Möglichkeit, auch ältere Bestandsgebäude mit Wärmepumpen auszurüsten und sukzessive energetisch zu modernisieren, so Brockmann.
So plant das Handwerk plant im Bereich Fortbildung die Entwicklung eines geprüften Berufsspezialisten Wärmepumpe als neuer Fortbildungsabschluss. Bereits umgesetzt wurde der neue Ausbildungsberuf Elektroniker für Gebäudesystemintegration.
Mehr Weiterbildung und Zusammenarbeit der Gewerke
Mit dem „Aufbauprogramm Wärmepumpe“ wird das BMWK ab 2023 die Teilnahme von ausgebildeten Fachkräften im Handwerk, von Planenden und Energieberatenden an Fortbildungen speziell zum Thema Wärmepumpen fördern.
Um Synergieeffekte zu nutzen, schlossen die Zentralverbände des Handwerks, der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik und der Elektrotechnik haben eine Vereinbarung, um die gewerkeübergreifende Installation von Wärmepumpen besser gestalten zu können. Damit sollen Installationszeiten verkürzt und knappe Fachkraftkapazitäten effizient und effektiv genutzt werden.
Neue Aufgaben für Öl- und Gasheizungsinstallateure
Sabel verwies auf das hohe Potenzial von Fachkräften im Bereich der Installation von Öl- und Gasheizungen, die kurzfristig auf die Installation von Wärmepumpen geschult werden können. Auch Schornsteinfeger, die künftig nicht mehr in dem Umfang wie heute benötigt werden, könnten zumindest Beratungsaufgaben im Bereich Wärmepumpe übernehmen, so Habeck.
Derzeit gebe es allerdings immer noch Wartezeiten von 6 Monaten bis zu einem Jahr beim Einbau von Wärmepumpen, räumte Sabel ein. Doch er ist zuversichtlich, dass die Industrie bis innerhalb eines Jahres die Kapazitäten so ausbaut, dass zeitnäher geliefert werden kann.
Heimische Produktion stärken
Für den Ausbau der Fertigungskapazitäten bauen Habeck und die Branche auch auf verstärkte Fördermittel aus Brüssel, um regionale sowie europäische Wertschöpfungsketten zu stärken und die Importabhängigkeit u.a. bei Halbleitern und Chips zu verringern. Einen Ansatz hierfür könne die Europäische Plattform für Informationstechnologien bieten, heißt es in einem verabschiedeten Eckpunktepapier des zweiten Wärmepumpengipfels. (hcn)



