Bei der Podiumsdiskussion „Energiewende: Die nächste Stufe zünden“ diskutierten während der Hannover Messe 2019: (von links) Martin Schumacher (ABB), Matthias Machnig (InnoEnergy), Stefan Kapferer (BDEW), Stefan Sagmeister (Moderator), Robert Andrén (Swedish Energy Agency) und Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies.

Bei der Podiumsdiskussion „Energiewende: Die nächste Stufe zünden“ diskutierten während der Hannover Messe 2019: (von links) Martin Schumacher (ABB), Matthias Machnig (InnoEnergy), Stefan Kapferer (BDEW), Stefan Sagmeister (Moderator), Robert Andrén (Swedish Energy Agency) und Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies.

Bild: © Jens Voshage

Wären die Schüler der FridaysForFuture-Demonstationen bei der Diskussionsrunde anwesend gewesen, hätten sich sicherlich viele bestärkt gefühlt: Die Erwachsenen reden und sonnen sich in vermeintlichen Erfolgen – doch wirklich voran geht es nicht. Denn weder Politik noch die Wirtschaft scheint aktuell einen Plan zu haben, wie die nächste Stufe der Energiewende wirklich zündet. Auf die Proteste der Schüler angesprochen, empfahl BDEW-Chef Stefan Kapferer: „Wir müssen den jungen Menschen auch zeigen, was alles passiert.“ Es sei die richtige Balance zu finden zwischen „Was muss noch passieren“ und „Was haben wir schon erreicht“.

Auch der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies zeigte sich wenig angespornt. „Nur Klimaschutz zu betrachten reicht nicht. Die Aufgabe von uns ist, die Eindimensionalität der Sichtweise der Schüler aufzubrechen“, war sein Fazit aus einem Gespräch mit Schülern in der letzten Woche. In der Politik brauche man einen geraden Rücken, um Klimaschutz, Industrie und Digitalisierung unter einen Hut zu bekommen.

Akzeptanz schaffen

„Die Politik in Deutschland ist im Moment von der Sorge getragen, welche Probleme der Ausbau der erneuerbaren Energieerzeugung mit sich bringt“, erklärte Lies. Und im Volk hätten die für die Energiewende notwendigen Maßnahmen wenig Akzeptanz. Hier sieht Martin Schuhmacher, Leiter Division Power Grids der ABB AG, die Politik gefordert, die Grundlagen für Repowering und den Ausbau der Netze zu schaffen. „Bei der Akzeptanz kann die Industrie nur begrenzt wirken“, stellte er fest. Mehr Ehrlichkeit in der Debatte forderte Matthias Machnig. „Wir müssen über Zielkonflikte reden“, sagte der ehemalige Staatssekretär in diversen Bundesministerien und heutige Leiter Industriestrategie bei InnoEnergy. Darüber schaffe man Akzeptanz.

Eine andere Sichtweise brachte Robert Andrén ein. Der Generaldirektor der Swedish Energy Agency gab den Tipp, die jungen Menschen ernst zu nehmen und dafür zu sorgen, dass daraus auch Handlungen werden. „Junge Menschen einbinden – nicht nur demonstrieren lassen“, hielt er den deutschen Energie- und Klimaexperten vor.

Die Politik sitzt am Hebel

Doch auch konkrete Vorschläge, wie die nächste Stufe der Energiewende gezündet werden könne, brachten die Teilnehmer der Podiumsdiskussion ein. So meinte Kapferer, dass eine angemessene CO2-Bepreisung bei Wärme und Verkehr sehr schnell zu Veränderungen führen. Ebenso stellte Susanna Zapreva, die Chefin des kommunalen hannoverschen Energieversorgers Enercity, fest, dass das Thema Wärme bisher zu kurz gekommen sei. Hierbei hatte sie nicht nur die energetische Gebäudesanierung im Sinn, sondern erzählte, wie Enercity Abwärme des Kupferproduzenten Arubis in Hamburg nutzt, um daraus Nahwärme für einen neu entstehenden Stadtteil in der Hamburger Hafencity zu gewinnen.

Zugleich zeigte sie, dass die Energiepreise für sie keine soziale Komponente haben: „Im Durchschnitt geben die Haushalte in Deutschland nur sechs Prozent des Einkommens für Heizen und Strom aus“, stellte sie fest. Die Ausgaben für Unterhaltung und Freizeit lägen deutlich darüber. Die Belastung durch steigende Energiekosten für einkommensschwache Haushalte hatte dagegen Minister Lies sehr wohl im Blick. „Indem wir Steuern und Abgaben abbauen haben wir eine leichte Möglichkeit, den Strompreis wieder in den Griff zu bekommen“, so Lies. Industrievertreter Machnig forderte, nicht die soziale Frage gegen den Klimaschutz auszuspielen. Wichtig sei es, zielgenau da zu fördern, wo es erforderlich ist. (vo)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper