Der Windkraftbranche stehen stürmische Zeiten bevor.

Der Windkraftbranche stehen stürmische Zeiten bevor.

Bild: © Frank Wagner/AdobeStock

Der Bundesverband Windenergie (BWE) hat die Windkraft-Ausbauzahlen für 2019 bekannt gegeben. Der mit 981 Megawatt (MW) und 243 Anlagen niedrigste Nettozubau seit 20 Jahren setzt die Branche unter enormen Druck. Gemeinsam mit dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA Power Systems) fordert der BWE "fassbare politische Ergebnisse im ersten Quartal" als Signal an die Branche, so BWE-Präsident Hermann Albers. Dazu gehört unter anderem der jüngste Vorschlag der Union, die geplante Windkraftabstandsregel doch noch einmal zu überarbeiten.

Mit 1078 MW und 325 Anlagen hat der Bruttozubau von Windenergieanlagen an Land im Jahr 2019 nach den von der Deutschen Windguard ermittelten Zahlen den niedrigsten Stand seit Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). 155 MW beziehungsweise 50 Anlagen fielen davon auf Repowering zurück. Der Ausbau lag damit deutlich unter der von BWE und VDMA Power Systems zur Jahresmitte geschätzten Prognose von 1500 MW. Geht es so weiter, könnte in einigen Jahren eine Ökostromlücke entstehen, und so sei nach Schätzungen der Branche bei wachsender Bruttoökostromnachfrage doch ein Zubau von rund 5000 MW pro Jahr erforderlich.

"Weitere 25 Prozent der Beschäftigten könnten wegbrechen"

Die niedrigen Ausbauzahlen schaden vor allem den vielen Beschäftigten in der Windkraftbranche. "Sollte der Markt auf diesem Niveau stagnieren, drohen allein durch den Wegfall der Nachfrage aus Deutschland weitere 25 Prozent der Beschäftigten wegzubrechen", mahnt Matthias Zelinger, Geschäftsführer VDMA Power Systems.

Die energiepolitische Sprecherin der Grünen, Julia Verlinden, sieht die Verantwortung für "diese desaströse Entwicklung" bei der Bundesregierung und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). "Mit der Umstellung auf ein Ausschreibungssystem hat die Regierung den Ausbau der Windenergie gedeckelt und die Bedingungen massiv verschlechtert", sagte Verlinden am Dienstag in Berlin. Die Regierung müsse zum Beispiel bei stockenden Genehmigungsprozessen und ungeklärten Naturschutzfragen "jetzt endlich handeln."

Genehmigungen stiegen 2019 um 29 Prozent

Einzig die 2019 um 29 Prozent gegenüber 2018 und 48 Prozent gegenüber 2017 auf ungefähr zwei GW gestiegenen Genehmigungen lassen eine leichte Erholung des Marktes erkennen. Für 2020 erwarten die Verbände einen Zubau von 1400 bis 1800 MW. Eine Trendumkehr in diesem oder im nächsten Jahr gelinge jedoch nur, wenn die Bundesregierung aktuelle Hemmnisse konsequent und schnellt abbaut, heißt es von den Verbänden.

Erfahren Sie mehr über die regionale Verteilung des Windkraftausbaus im vergangenen Jahr, die Ausschreibungs- und die Genehmigungssituation sowie weitere Forderungen der Branche in der Februar-Ausgabe der ZfK. (pm)

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