Der ostdeutsche Energieversorger Sachsenenergie spielt ganz vorne mit, wenn es darum geht, Kommunen beim Erstellen von Wärmeplänen zu unterstützen. Die erste Kommune, die sich das Unternehmen als strategischen Partner an Bord geholt hat, ist die Gemeinde Kodersdorf im Landkreis Görlitz mit ihren rund 2400 Einwohnern. Zuvor hatte Sachsenergie bereits ein Pilotprojekt mit der Kommune Silthen gestartet.
Geht es nach dem Städte- und Gemeindebund, bräuchte es bundesweit aber noch deutlich mehr Dienstleister. "Ohne Hilfe von außen geht es nicht", sagte Bernward Küper, Landesgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes in Sachsen-Anhalt, der Deutschen Presse-Agentur. Aktuell gebe es in Deutschland nur 300 Büros, die beim Erstellen kommunaler Wärmepläne helfen könnten. "Das ist zu wenig."
500 Mio. Euro für Wärmeplan-Erstellen
Die Zeit drängt jedenfalls. Das Anfang des Jahres in Kraft getretene Wärmeplanungsgesetz sieht vor, dass Städte mit mehr als 100.000 Einwohner ihre Wärmepläne bis Mitte 2026 erstellen. Kleinere Kommunen haben zwei Jahre mehr Zeit. Im parlamentarischen Verfahren waren Kommunalverbände mit ihrer Bitte, die Fristen zu verlängern, gescheitert.
Am Dienstag warnte der Städte- und Gemeindebund das zuständige Bundesbauministerium erneut davor, Kommunen zu überfordern. Dabei geht es auch um die Finanzierung. Der Bund unterstützt die Kommunen bei der Erstellung mit 500 Mio. Euro. Aus kommunaler Sicht ist das viel zu wenig.
Bis zu 15.000 Euro Wärmewendekosten pro Bürger
Einzelne Stadtwerke gingen davon aus, dass die Wärmewende 10.000 bis 15.000 Euro pro Bürger kosten würde, sagte Timm Fuchs, Beigeordneter des Deutschen Städte- und Gemeindebunds bei einer Veranstaltung von VKU, VDMA und Energate. Rechne man das auf eine Stadt mit mehr als 100.000 Einwohnern hoch, "ist man ziemlich schnell bei einem Milliardenbetrag".
Dabei sehe es zurzeit so aus, dass Kommunen, die eigene Stadtwerke hätten, sogar noch zu den Gewinnern gehören würden, führte Fuchs aus. "Es gibt ja viele Städte und Gemeinden, die kein Stadtwerk, sondern nur einen Konzessionsvertragspartner haben. Da stellen sich noch ganz andere Fragen wie zum Beispiel: Wie geht es eigentlich mit den Gasnetzen weiter? Das sind Verhandlungen, die wir teilweise schon mit den Regionalversorgern führen."
"Bis Mitte der 30er-Jahre mindestens drei Milliarden jährlich"
Wie die CDU/CSU-Bundestagsfraktion auf Anfrage von der Bundesregierung erfuhr, waren bis Ende 2023 insgesamt 1648 Anträge auf Förderung kommunaler Wärmepläne im Rahmen eines Vorgängerprogramms eingegangen. (Die ZfK berichtete.)
Nach Angaben der Infoplattform Allianz Freie Wärme hat sich damit aktuell erst jede siebte Kommune konkreter mit dem Thema befasst.
Thüringen nimmt selbst Geld in Hand
Um den eigenen Kommunen bei der Wärmeplanung zu helfen, kündigte nun das Land Thüringen an, selbst Geld in die Hand zu nehmen. Der Freistaat beziffert den finanziellen Aufwand bis 2028 auf 20 Mio. Euro. Davon habe der Bund rund 13 Mio. Euro zugesagt, teilte das Energieministerium in Erfurt mit. Das Land steuere 7 Mio. Euro bei. (aba/dpa)



