Um die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, braucht es "mehr Mut, mehr Vertrauen und mehr Zusammenarbeit", sagt Gundula Röstel, Kaufmännische Geschäftsführerin der Stadtentwässerung Dresden.

Um die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, braucht es "mehr Mut, mehr Vertrauen und mehr Zusammenarbeit", sagt Gundula Röstel, Kaufmännische Geschäftsführerin der Stadtentwässerung Dresden.

© Bild: Lena Lange/ VKU Verlag

Von Klaus Hinkel

Keine Frage: Das Erstarken des Rechtspopulismus auf nationaler und internationaler Ebene hat dem Megatrend Nachhaltigkeit zugesetzt. Die bei der Bundestagswahl erstarkte AfD bestreitet den menschengemachten Klimawandel und US-Präsident Donald Trump setzt auf Öl und Erdgas. "Die Nachhaltigkeitsdebatte droht an Bedeutung zu verlieren", leitete Gundula Röstel, Kaufmännische Geschäftsführerin der Stadtentwässerung Dresden, ihren Impulsvortrag auf der ZfK-Nachhaltigkeitskonferenz ein. Doch im Gegensatz zur Entwicklung in den USA werde es in Deutschland und Europa keinen Paradigmenwechsel geben.

"Das ist faktisch ausgeschlossen", betonte Röstel, die auch Vize-Vorsitzende des Rats für nachhaltige Entwicklung ist. Wissenschaftler sammelten seit über 40 Jahren Fakten, die nicht zu leugnen seien. Versäumnisse im Kampf gegen den Klimawandel müssten teuer bezahlt werden, wie Katastrophen etwa im Ahrtal gezeigt hätten. "Es geht um Physik und nicht um Panikmache", betonte die frühere Co-Chefin der Grünen. Im Kampf gegen den Rechtspopulismus sei es umso wichtiger, der Bundesregierung und der EU-Kommission den Rücken zu stärken. "Weniger Maulen, dafür mehr Veränderungsbereitschaft", müsse die Devise lauten.

Realitätstauglicher Kompass auf Weg zum Gipfel

Schließlich gebe es Erfolge, wie die jüngste UN-Ozeankonferenz oder der fortbestehende EU-Green-Deal zeigten. Hierzulande gäben der inzwischen auf 60 Prozent angewachsene Erneuerbaren-Anteil oder die Planungen für ein Wasserstoff-Kernnetz die Richtung vor. Allerdings: die Menschen müssen mitgenommen werden. Beispiel Wärmewende. Diese müsse "sozialpolitisch flankiert werden", forderte Röstel, was die Ampel-Regierung versäumt habe.

Vor allem aber dürfe nachhaltiges Handeln nicht als imperative Handlungsanweisung und bürokratische Überfrachtung daherkommen. Bei der auch für viele Stadtwerke relevanten Umsetzung der CSRD-Richtlinie, die Unternehmen zur Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten verpflichtet, haben das die EU-Bürokraten in Brüssel verstanden. Die mit der Omnibus-Richtlinie eingeleiteten Lockerungen bei der CSRD-Regulatorik gingen in die richtige Richtung, betonte Röstel. "Die Umsetzung darf für die Unternehmen keine bürokratische Qual sein. Wir brauchen einen realitätstauglichen Kompass auf dem Weg zum Gipfel der Nachhaltigkeit", so die Managerin.

Rechtspopulisten nicht Hoheit überlassen

Das Mindset bei den politischen Entscheidungsträgern habe sich definitiv geändert, bekräftigte Christiane Barth, Leiterin des VKU-Büros in Brüssel, auf der anschließenden Panel-Diskussion. Gerade der von US-Präsident Trump ausgelöste Zollkrieg sorge dafür, dass sich der Fokus von Entscheidungen der EU-Kommission stark in Richtung Wettbewerbsfähigkeit verschoben habe. Vorbei die Zeiten, als vor allem der EU-Green-Deal die Agenda beherrschte.

Immerhin seien wegweisende EU-Papiere wie der Draghi-Bericht, in dem eine Agenda für eine höhere Wettbewerbsfähigkeit Europas skizziert wird, auch stark mit Nachhaltigkeitsthemen verknüpft, ergänzte Andreas Kuhlmann, Geschäftsführer von Christ & Company. Es bleibe aber "ein Gefühl des Unwohlseins, die Sorge, dass uns das Thema wegrutscht". Der Grund: Es sei versucht worden, "alles massiv festzulegen und zu regulieren, bis niemand mehr durchgeblickt hat", so der frühere Dena-Chef weiter. Notwendig seien mehr Offenheit und eine Konzentration auf Leuchtturmprojekte. "Wir dürfen den Rechtspopulisten nicht die Hoheit über diese Themen überlassen."

Bürger wollen eine ganz persönliche Lösung

An die Forderung nach geringerer Komplexität knüpfte Stephan Wilhelm, Vorstand beim Kommunalversorger EWR aus Worms, nahtlos an. "Viele Menschen sind völlig verunsichert und wissen nicht, wie sie mit dem Thema umgehen sollen", sagte der Manager des rheinhessischen Versorgers. In der Folge müssten die Stadtwerke den Menschen konkrete Angebote machen, inklusive Finanzierung oder Contracting-Modellen.

So biete sein Unternehmen unter dem Label "EWR one" sogenannte Alles-aus einer-Hand-Angebote an, in dem die Kunden ein Produktbündel aus Photovoltaik, Stromspeicher, Wärmepumpen, Wallbox, Klimaanlagen und Energiemanagement offeriert bekämen. "Die Bürger wollen eine ganz persönliche Lösung", betonte Wilhelm.

Deutsche Wirtschaft duckt sich noch zu sehr weg

Dabei liege der Vorteil für kommunal verankerte Unternehmen weiterhin auf der Hand. "Stadtwerke haben immer noch ein großes Vertrauen bei ihren Kunden", sagte der EWR-Vorstand. Gleichzeitig richtete Wilhelm einen Appell an die deutschen Unternehmenslenker. "Bürger und Kommunen haben bei der Nachhaltigkeit begriffen, was passieren muss. Doch die deutsche Wirtschaft duckt sich da noch zu sehr weg."

Auf die Notwendigkeit einer ebenso transparenten wie positiv wirkenden Kommunikationsstrategie bei der Vermittlung von Nachhaltigkeitsprojekten wies Franz Schlick, Geschäftsführer bei Eckart & Partner hin. "50 Prozent der Kommunikation heißt einfach: Klappe halten und zuhören, um zu erfahren, was die Menschen wirklich bewegt und was sie konkret brauchen", sagte Schlick. Auch bei Social-Media-Strategien gehe es darum, herauszufinden, wo der gemeinsame Nenner liege und wie es gelingen könne, die Lebensqualität für alle zu erhöhen.

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