Die Klagen der Netzbetreiber über die hohe Zahl von Netzanschlussbegehren durch Großbatteriespeicher wurden immer größer, jetzt steuert das Bundeswirtschaftsministerium gegen.
Bislang gilt für Erzeugungsanlagen ab 100 Megawatt das Windhundprinzip, geregelt in der Kraftwerksanschlussverordnung (Kraftnav). Davon sollen nun Großbatteriespeicher explizit ausgenommen werden, wie aus einem Referentenentwurf des Bundeswirtschaftsministeriums hervorgeht. Dies solle Rechtsunsicherheiten beseitigen, heißt es in der Begründung. "Ohne die Klarstellung wären die ursprünglich für eine relativ kleine Zahl von Großkraftwerken konzipierten Verfahrensregelungen auf eine signifikant höhere Zahl von Speicheranlagen anzuwenden."
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte bereits angekündigt, die Verordnung noch in diesem Jahr ändern zu wollen. Damit kommt sie einer Branchenforderung nach. "Die Netzanschlussbegehren für Großbatteriespeicher sind so stark gestiegen, dass es hier neuer Regeln bedarf", forderte zuletzt Kerstin Andreae, Chefin des Energiewirtschaftsverbands BDEW. "Es muss sichergestellt werden, dass auch andere Netzkunden zu ihrem Recht kommen."
Großbatteriespeicher werden zum Problem
Bereits im September hatte der Bundesrat den Ausschluss von Energiespeichern in der Kraftwerksanschlussverordnung gefordert. Der Rat nahm dabei die Forderung der Energieministerkonferenz im Mai auf.
Die derzeit vorliegenden Anträge für Großbatteriespeicher übersteigen "die Projektionen der Netzentwicklungsplanung für die nächsten 20 Jahre um ein Vielfaches", heißt es im Referentenentwurf. Eine aktuelle Umfrage unter den Übertragungsnetzbetreibern und 17 großen Verteilnetzbetreibern zeigt, dass allein bei den Befragten derzeit Anfragen in Höhe von 720 Gigawatt (GW) vorliegen. Das ist mehr als das Zweieinhalbfache der derzeit installierten Erzeugungsleistung in Deutschland, die bei 263 GW liegt.
"Wir werden überrannt mit Anschlussanfragen"
"Wir werden überrannt mit Anschlussanfragen", klagte zuletzt Bernd Böddeling, Chef der Eon-Tochter Westenergie, zu der Westnetz, der größte deutsche Verteilnetzbetreiber gehört. Ein großes Problem bei den Anfragen sind sogenannte Phantomspeicher. In diesen Fällen werden Speicherprojekte zwar eingereicht, aber nicht weiterverfolgt. Allein beim Übertragungsnetzbetreiber Amprion beträgt der Anteil der "Phantomspeicher" rund 65 Prozent, wie zuletzt Konzernchef Christoph Müller mitteilte.



