ZfK: Sie setzen sich für mehr Lebensqualität in Städten ein. Welche Herausforderungen bezogen auf den Verkehr stellen sich hier?
Schulze: Zuerst einmal müssen wir für gute Luftqualität in den Städten sorgen. Hier muss die Automobilbranche ihren Ankündigungen nachkommen und für eine wirksame Abgasreinigung bei Dieseln sorgen. Eine große Herausforderung sind auch der Verkehrslärm und natürlich auch die CO2-Emissionen. Außerdem baucht der heutige Verkehr viel Platz, den wir für andere Dinge besser nutzen könnten, etwa für Erholungs- und Freiflächen. Die erhebliche Konkurrenz bei der Flächennutzung hat zudem die fatale Folge, dass Immobilien immer teurer werden.
Sie setzen auch auf Elektromobilität. Welche Rolle kann die Elektromobilität für lebenswerte Städte mit sauberer Luft spielen?
Wir benötigen Technologien, die lokal emissionsarm oder noch besser emissionsfrei sind. Ein großer Vorteil des Elektroantriebes ist, dass vor Ort keine Schadstoffe emittiert werden und dass bis zu einer bestimmten Geschwindigkeit auch kaum Lärm entsteht. Um die Belastungen perspektivisch deutlich zu reduzieren, ist eine hohe Marktdurchdringung mit diesen Fahrzeugen sehr hilfreich.
Stichwort ÖPNV: Wie wichtig ist aus ihrer Sicht der zeitnahe Markthochlauf von E-Bussen in Kommunen? Sind die wirklich schon praxisreif und verfügbar?
Der Markthochlauf ist sehr wichtig. Nur mit einer großen Zahl von Elektrobussen schafft man eine Entlastung bei Luftschadstoffen, bei den CO2-Emissionen und beim Lärm. Und der Markthochlauf ist wichtig, um Kostensenkungen durch große Stückzahlen realisieren zu können. In China wurden im letzten Jahr 100.000 Elektrobusse gebaut, in Shenzhen sind 17.000 Elektrobusse im Einsatz. Leider haben wir eine solche Situation in Deutschland nicht. Ich freue mich aber, dass auch die deutschen Hersteller angekündigt haben, im nächsten Jahr Stückzahlen im dreistelligen Bereich zu liefern. Damit ist zumindest ein Anfang gemacht. In vielen Städten in Deutschland wurden inzwischen erste Busse getestet und jetzt wollen sie große Stückzahlen beschaffen, um ihre Flotten umzustellen. Das spricht für die Praxistauglichkeit.
Wie sieht es mit der Wirtschaftlichkeit aus?
Neue Technologien sind in der Markteinführungsphase häufig teurer als die etablierten Technologien, so ist es auch bei den Elektrobussen. Deshalb greifen wir den Verkehrsbetrieben mit einem Förderprogramm unter die Arme und unterstützen sie bei der Anschaffung. Wichtig ist jedoch auch, dass wir perspektivisch die Betriebskosten senken, das heißt auch Entlastungen bei den Energiekosten hinbekommen.
Es gibt ja immer wieder Kritik an der Umweltverträglichkeit von Elektromobilität. Wie sehen Sie das?
Aktuelle Veröffentlichungen bestätigen aber, dass Elektrobusse genauso wie alle anderen Elektrofahrzeuge umweltverträglicher sind als Fahrzeuge mit anderen Antriebstechnologien. So liegen Elektrobusse beispielsweise beim Primärenergieverbrauch und bei den Treibhausgasemissionen vorne.
Reichen denn die Fördermittel für E-Busse aus? Wie hoch ist die Nachfrage von kommunaler Seite?
Die Nachfrage ist sehr groß. Wir sind mehrfach überbucht. Mehr als 60 Verkehrsbetriebe haben Projektskizzen bei uns eingereicht. Wir könnten die Anschaffung von fast 1000 Bussen fördern. Ich setze mich gerade sehr dafür ein, dass wir mehr Mittel bekommen, um mehr Kommunen bei der Umrüstung ihrer Flotten unterstützen zu können.
Das Gespräch führte Hans-Christoph Neidlein



