Arbeiteten zwischen 2015 und 2019 eng zusammen: ESWE-Chef Ralf Schodlok (links) und die damalige VKU-Hauptgeschäftsführerin Katherina Reiche. (Archivfoto)

Arbeiteten zwischen 2015 und 2019 eng zusammen: ESWE-Chef Ralf Schodlok (links) und die damalige VKU-Hauptgeschäftsführerin Katherina Reiche. (Archivfoto)

Bild: © ESWE

Von Andreas Baumer

Katherina Reiche mag für viele Bundesbürger noch recht unbekannt sein. Für die Energie- und Kommunalwirtschaft ist sie das nicht. Immerhin war die voraussichtlich nächste Bundeswirtschaftsministerin von 2015 bis 2019 Hauptgeschäftsführerin des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU).

Einer, der Reiche schon seit vielen Jahren kennt, ist der aktuelle Rheinenergie-Chef Andreas Feicht. Als Reiche vom Bundestag zu Deutschlands größtem Stadtwerkeverband wechselte, war Feicht bereits der für Energie zuständige VKU-Vizepräsident. Zusammen machten sie sich mehr als drei Jahre für die Fortentwicklung der öffentlichen Daseinsvorsorge stark.

Feicht nennt Reiche "äußerst erfahren"

Anfang 2019 war es dann Feicht, der in die Politik wechselte und Staatssekretär im damals CDU-geführten Bundeswirtschaftsministerium wurde. Damit wurde er zu einem wichtigen Adressaten kommunalwirtschaftlicher Anliegen. Und als Feicht schließlich Vorstandsvorsitzender der Rheinenergie wurde, war Reiche bereits Chefin des Rheinenergie-Gesellschafters Westenergie.

Auf ZfK-Nachfrage war Feicht voll des Lobes. Reiche sei "äußerst erfahren", antwortete er. "Sie verfügt über einen klaren unternehmerischen wie politischen Kompass, und sie ist in allen anstehenden energiepolitischen wie wirtschaftspolitisch wichtigen Fragestellungen zuhause – nicht zuletzt auch durch ihre Funktion als Vorsitzende des Nationalen Wasserstoffrates. Eine solche Vernetzung auf vielen Ebenen und Feldern brauchen wir aktuell dringend." Er freue sich sehr über Reiches Nominierung, wünsche ihr bei ihrem wichtigen Amt eine sichere Hand "und sichere ihr von meiner Seite aus meine volle Unterstützung zu", gab Feicht zu Protokoll.

VKU-Chef: Reiche "bestens vernetzt und energiegeladen"

Sowohl Feicht als auch Reiche sind CDU-Mitglieder. Selbes gilt für Reiches Nachfolger als VKU-Hauptgeschäftsführer, Ingbert Liebing. Reiche und Liebing kennen sich aus ihrer gemeinsamen Zeit im Bundestag. Zehn Jahre lang saßen sie gemeinsam in der CDU/CSU-Fraktion. Wohl schon bald werden sie in jeweils neuen Positionen erneut zusammenkommen.

In einer ersten Reaktion bezeichnete Liebing Reiche als "kompetente Managerin mit breitem Erfahrungsschatz", die "bestens vernetzt und energiegeladen" sei. Ihre Ernennung stimme den Verband zuversichtlich für den Wirtschaftsstandort. Denn als praxiserfahrene Energie-Managerin und frühere VKU-Chefin kenne sie die Herausforderungen auf dem Weg zu einer klimaneutralen Energieversorgung bestens und wisse um die grundlegende Bedeutung einer sicheren und bezahlbaren Energieversorgung für die künftige Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Wirtschaftsstandorts.

Reiche gilt als "Aktenfresserin"

Auch für Thüga-Chef Constantin Alsheimer ist Reiche wahrlich keine Unbekannte. Als die nun 51-Jährige den VKU führte, lenkte er mit dem Frankfurter Versorger Mainova eines der größten Mitgliedsunternehmen im Verband. Aus Alsheimers Sicht ist Reiche "eine Chance für den Wirtschaftsstandort Deutschland". Sie sei eine erfahrene Managerin mit marktwirtschaftlichen Überzeugungen und kenne die Energiewirtschaft in all ihren Facetten.

Als "positives Signal" wertete Sven Becker, Chef der Stadtwerke-Kooperation Trianel, Reiches Nominierung. Sie vereine mit ihren Erfahrungen verschiedene Perspektiven, schrieb er. "Denn die Energiewende wird nur gelingen, wenn der Dialog zwischen Politik und Branche deutlich verstärkt wird, um die zentralen Herausforderungen erfolgreich zu adressieren."

Dabei gab es in Teilen der Stadtwerkewelt durchaus Kritik an Reiche, als 2019 ihr bevorstehender Wechsel zum Eon-Konzern durchsickerte. Das hätten manche Stadtwerke-Chefs ihr übelgenommen, erfuhr die ZfK aus Branchenkreisen.

In einer Pressemitteilung bedauerte der damalige VKU-Präsident und Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling Reiches Wechsel. "Es ist gelungen, den VKU als Spitzenverband der kommunalen Wirtschaft erfolgreich zu positionieren, neue Themenfelder zu erschließen und zum gefragten und verlässlichen Ansprechpartner von Politik und Gesellschaft zu entwickeln", schrieb er.

Ehemaligen Mitarbeitern ist Reiche als "Aktenfresserin" mit fast fotografischem Gedächtnis in Erinnerung geblieben, die gefühlt 365 Tage im Jahr gearbeitet habe. Bewundert wurde ihre Liebe zum Detail und ihre große Fachkenntnis. Reiche wird als zielstrebig, aber auch als durchaus unbequem beschrieben.

ESWE-Chef: "Scheut vor großen Herausforderungen nicht zurück"

Nur Positives hat Ralf Schodlok, Chef des Wiesbadener ESWE Versorgungs AG, über die wohl künftige Bundesministerin zu berichten. Er hatte im VKU-Bundesvorstand und als Landesgruppenvorsitzender für Hessen eng mit Reiche zusammengearbeitet.

Reiche sei eine Frau, die sich auch in komplexe Themen tief einarbeite, bescheinigte Schodlok ihr. "Wie ich sie kennen gelernt habe, scheut sie auch vor einem hohen Arbeitspensum und neuen, auch großen Herausforderungen nicht zurück." In der Zusammenarbeit mit Reiche habe er immer ihre hohe Kommunikationsfähigkeit und das engagierte Suchen nach konstruktiven Lösung bewundert.

Schodlok erhofft sich durch Reiche einen Kurswechsel in der Energiepolitik. Er selbst habe zu Beginn seiner Berufslaufbahn bei der Treuhandanstalt in Berlin ehemals volkseigene Betriebe der DDR reprivatisiert. "Hier hat man klar gesehen, dass Planwirtschaft, in der der Staat alles bis ins Detail regelt, nicht funktioniert."

Reiche, die selbst in der DDR geboren wurde, habe das selbst erlebt. "Daher weiß sie, dass nur ein marktwirtschaftliche Ansatz zum Erfolg führen kann. Leider hat unsere Energiepolitik in den letzten Jahren immer mehr bürokratische und planwirtschaftliche Ansätze verfolgt."

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