Blick auf die Eon-Konzernzentrale in Essen

Blick auf die Eon-Konzernzentrale in Essen

Bild: © Andreas Baumer/ZfK

Strom- und Gaspreise über Jahre hinweg zu prognostizieren, ist alles andere als einfach. Wer hätte schon absehen können, dass die Preise für Haushalte im Energiekrisenjahr 2022 allein bei Strom im Durchschnitt um mehr als 50 Prozent über dem Niveau der 2010er-Jahre liegen würden? Und das, obwohl die Bundesregierung mit der EEG-Umlage ausgerechnet den bis dahin größten Kostenblock bei den Umlagen aus dem Strompreis herausnahm und ihn seitdem über den Bundeshaushalt finanziert.

Deutschlands größter Grundversorger Eon hat darauf verzichtet, eine Strom- und Gaspreisprognose für die nächsten Jahre vorzulegen. Die Vertriebstochter Eon Energie Deutschland berechnete vielmehr, wie sich neue staatliche Ab- und Vorgaben in den nächsten Jahren auf Strom- und Gaspreise auswirken könnten. Als Bezugsgröße wurde ein Drei-Personen-Haushalt herangezogen, der pro Jahr 3600 Kilowattstunden (kWh) Strom und 18.000 kWh Gas verbraucht. Auf diesen Haushalt beziehen sich die folgenden konkreten Zahlen. Ein Überblick:

1. Strom: Aus für Netzentgelt-Subvention

Die Bundesregierung subventioniert in diesem Jahr die Stromnetzentgelte mit insgesamt 6,5 Milliarden Euro. Konkret hat sie die Übertragungsnetzentgelte gesenkt. Wie viel davon bei Haushalten ankommt, hängt vom örtlichen Netzgebiet ab.

Für das kommende Jahr will die Bundesregierung erneut 6,5 Milliarden Euro zuschießen. Unklar ist, ob sie weiterhin voll auf die Senkung der Übertragungsnetzentgelte setzt oder Teile des Geldes beispielsweise für die Senkung der Offshore-Netzumlage einsetzt. Mehr Klarheit dürfte der Wirtschaftsplan des Klima- und Transformationsfonds schaffen, der in dieser Woche erwartet wird.

Sollte die Bundesregierung wider Erwarten die Subvention der Netzentgelte einstellen, rechnet Eon mit einer Mehrbelastung von durchschnittlich 1,8 Cent pro Kilowattstunde (kWh).

2. Strom: Kapazitätsmarkt-Umlage

Die Bundesregierung will den Bau neuer gesicherter Leistung anreizen, damit auch in wind- und sonnenarmen Zeiten genügend Strom vorhanden ist. In einem ersten Schritt sollen vor allem Gaskraftwerke mit einer Gesamtleistung von rund zehn Gigawatt (GW) gebaut werden. Das dazugehörige Kraftwerksgesetz wurde am Freitag vom Bundestag beschlossen.

Die damit verbundenen Zusatzkosten werden über eine Umlage an Stromverbraucher weitergegeben. Noch ist offen, wie genau diese Umlage ausgestaltet sein wird. Eon rechnet mit einer Zusatzbelastung von durchschnittlich bis zu 0,55 Cent pro kWh. Die Umlage würde aber erst 2031 anfallen.

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3. Strom: Prosumer-Aufschlag

Auf Zusatzkosten müssen sich zudem Prosumer einstellen, die Strom über Photovoltaik-Anlagen selbst erzeugen. Die Bundesnetzagentur will sie an den Netzentgelten stärker beteiligen. Eon geht von einer durchschnittlichen Mehrbelastung von 65 Euro jährlich für sie aus. Wichtig: Werden Prosumer stärker belastet, sinkt die anteilige Netzkosten-Belastung für andere Haushaltskunden. Sie würden also von einem Prosumer-Aufschlag profitieren.

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4. Gas: Neue Gasspeicherumlage

Die Bundesregierung plant, eine nationale Gasspeicherreserve zu errichten. Der Umfang soll 24 Terawattstunden (TWh) betragen. Das entspricht etwa einem Zehntel der aktuellen Gasspeicherkapazitäten in Deutschland.

Eon rechnet dadurch mit einer Mehrbelastung von bis zu 0,04 Cent pro kWh für Gasverbraucher.

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5. Gas: Kosten für Grüngasquote

Die Bundesregierung will ab 2028 eine Grüngasquote einführen. Gaslieferanten müssen dann einen schrittweise steigenden Anteil ihres Portfolios für Haushaltskunden vergrünen. Starten soll die Quote mit einem Anteil von einem Prozent. Weitere Details soll ein Gesetz regeln, das die Bundesregierung bis zum 1. Dezember dieses Jahres vorzulegen hat.

Üblicherweise kalkulieren Lieferanten Zusatzkosten der Grüngasquote in ihre Preise ein. Eon rechnet mit Zusatzkosten in Höhe von rund 0,06 Cent pro kWh.

6. Gas: Kosten für Stilllegung

Wie viele Gasnetzbetreiber ihre Netze tatsächlich stilllegen werden, ist offen. Es ist aber davon auszugehen, dass Netzbetreiber sich in den kommenden Jahren zunehmend von Teilen ihrer Netze trennen.

Solche Kosten könnten sich über die Netzentgelte auf verbleibende Gasverbraucher auswirken. Eon rechnet mit Zusatzkosten von bis zu 0,1 Cent pro kWh.

7. Strom und Gas: Weitere, nicht bezifferte Kostenblöcke

Auch wenn die Bundesregierung die Stromnetzentgelte über 2027 hinaus subventioniert, bleibt der Kostendruck aufgrund des massiven Stromnetzausbaus hoch. Laut BDEW-Strompreisanalyse betragen selbst die subventionierten Netzentgelte im Durchschnitt fast zehn Cent pro kWh. Sie allein machen aktuell rund ein Viertel des Strompreises aus.

Die Bundesregierung könnte die Stromsteuer senken. Dies würde Haushalte um 2,3 Cent pro kWh Strom entlasten. Aus Budgetgründen ist eine solche Senkung allerdings unwahrscheinlich.

Ein großer Kostentreiber im Gasbereich werden steigende CO2-Kosten sein. Aber: Zumindest für nächstes Jahr plant die Bundesregierung keine weitere Steigerung des Preisniveaus. Auch die Netzentgelte dürften steigen, wenn sich zunehmend Kunden vom Gasnetz verabschieden und etwa auf Wärmepumpen oder Fernwärme setzen.

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