Von Andreas Baumer
Deutschland steht nicht nur vor einer neuen Hitzewelle, sondern sieht sich auch wieder mit steigenden Strompreisen konfrontiert. Für diesen Mittwoch liegt der Tagespreis am Day-Ahead-Markt bei rund 100 Euro pro Megawattstunde (MWh). Für den Lieferzeitraum 20 bis 21 Uhr kostet die Megawattstunde sogar 227 Euro pro MWh.
Zum Vergleich: In den ersten Augusttagen schwankten die durchschnittlichen Day-Ahead-Strompreise zwischen 40 und 93 Euro pro MWh, wie dem ZfK-Datenraum zu entnehmen ist.
31 bis 38 Grad am Mittwoch
Normalerweise sinken die Strompreise an besonders sonnigen Tagen. Dann drückt vor allem zur Mittagszeit üppig vorhandener Solarstrom die Preise – oft in den negativen Bereich. Wenn die Temperaturen allerdings deutlich über 25 Grad Celsius steigen, stellt sich die Lage etwas anders dar.
Dann können Photovoltaikanlagen nicht mehr die volle Leistung bringen. An besonders heißen Tag weht der Wind tendenziell seltener. Kernkraftwerke etwa in Frankreich bekommen Probleme mit dem Kühlwasser und müssen gegebenenfalls heruntergefahren werden. Hohe Temperaturen machen zudem Stromkabeln und Umspannwerken zu schaffen. Kurzum: Heiße Tage bringen auch den Strommarkt zum Schwitzen.
Für diesen Mittwoch meldet der Deutsche Wetterdienst 31 bis 38 Grad Celsius sowie schwachen bis mäßigen Wind. Dass es gerade am Abend so teuer wird, hat damit zu tun, dass zwischen 20 und 21 Uhr die Sonne untergeht. Dann produzieren Solaranlagen keinen Strom mehr. Dafür werden verstärkt teurere fossile Kraftwerke gebraucht, um die zu dieser Zeit noch vergleichsweise hohe Stromnachfrage zu decken.
Quallenalarm in Nordfrankreich
Dass sich Deutschland mitten in der Sommerzeit befindet und die Stromnachfrage in der Industrie nicht so hoch ist wie üblich, dürfte dem Strommarkt dabei entgegenkommen. Als die Bundesrepublik Ende Juni die erste Hitzewelle in diesem Jahr erlebte, schnellte der Strompreis am Abend in der Spitze auf fast 500 Euro pro MWh.
Dass der französische Kernkraftwerksbetreiber EDF in Zeiten hoher Temperaturen Kernkraftwerke vom Netz nimmt, ist nicht neu. Laut Branchendienst Montel kündigte der Energiekonzern an, den Reaktor Bugey 3 (915 Megawatt, MW) für zwei Tage herunterzufahren. Ungewöhnlicher war die Meldung, dass zahlreiche Quallen das Kernkraftwerk Gravelines lahmlegten. In den Filtertrommeln der Kühlwasser-Pumpstationen seien zahlreiche Quallen festgestellt worden, hieß es. Dies sei so nicht vorhersehbar gewesen.
Größtes Kraftwerk steht komplett still
Mit sechs Druckwasserreaktoren ist das Kraftwerk in Gravelines im Norden Frankreichs nach Angaben einer EDF-Sprecherin das größte des Landes. Weil an den anderen zwei Einheiten laut dem Energiekonzern derzeit Wartungsarbeiten durchgeführt werden, steht die Produktion vorübergehend komplett still.
Auf die Stromversorgung habe der Vorfall aber keinen Einfluss, betonte die Konzernsprecherin. Andere Kraftwerke könnten den Ausfall ausgleichen. Zudem sei die Stromnachfrage im Sommer weniger hoch.
Um welche Art von Quallen es sich handele, werde derzeit untersucht, sagte die Sprecherin weiter. Wann die Reaktorblöcke wieder hochgefahren werden könnten, war zunächst nicht klar. Der Sprecherin zufolge werde dies wahrscheinlich schrittweise passieren. Der Vorfall ist nicht der Erste seiner Art: Auch in Schweden hatten Quallen schon einmal einen Atomreaktor zum Stillstand gebracht. (mit dpa)



