Mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer konnte keine einzige Marke für Heimladestationen nennen.

Mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer konnte keine einzige Marke für Heimladestationen nennen.

Bild: © Wellnhofer Designs/AdobeStock

"Es war ein sachlicher und umfassender Austausch. Alle Akteure hatten die Gelegenheit ihre Positionen darzustellen. Es wurde deutlich, dass der Austausch und Dialog auch weiter vertieft und fortgesetzt werden muss", teilte das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) mit.

Zu dem Gespräch im BMWi eingeladen waren die Verbände BDEW, VKU, sowie Vertreter von Eon, EWE und Netze BW, der Automobilverband VDA sowie die Hersteller Tesla, BMW und VW, für die Elektroindustrie der ZVEI und der VDE. Ebenfalls mit eingeladen war der Smart-Meter-Hersteller EMH und der Verbraucherzentrale Bundesverband.

Liebing: Konstruktives Gespräch, doch kaum neue Argumente ausgetauscht

Vor allem auf Druck der Automobilindustrie hatte Peter Altmaier Mitte Januar überraschend den Entwurf für ein Steuerbare-Verbrauchseinrichtungen-Gesetz (SteuVerG) zurückgezogen. Es sah vor, dass Verteilnetzbetreiber bei drohender Überlastung des Stromnetzes die Leistungsaufnahme sogenannter flexibler Verbraucher wie Ladestationen und Batterien für Elektroautos oder Wärmepumpen ferngesteuert begrenzen dürfen. Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) und der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) begrüßten dagegen die Regelung und sahen darin einen ausgewogenen Vorschlag.

"Das Gespräch war konstruktiv. Allerdings wurden kaum neue Argumente ausgetauscht. Wie könnte das auch anders sein? Die Spitzenglättung, die jetzt von einigen Akteuren in Frage gestellt wird, ist das Ergebnis eines mehrjährigen transparenten Diskussionsprozesses, in dem die notwendigen Gutachten und alle Argumente auf dem Tisch lagen", kommentierte VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing die Gesprächsrunde am Freitag.

Gesetzentwurf nicht auf die lange Bank schieben

Spitzenglättung ermögliche die Verkehrswende, betonte Liebing. Zwar sei das Stromnetz bisher nicht der Flaschenhals für den Ausbau der Ladeinfrastruktur. Aber ohne die Option, Lastspitzen bei einer zeitweiligen Überbeanspruchung des Netzes zu glätten, könne es in ein paar Jahren in einigen Netzgebieten zu erheblichen Verzögerungen beim Anschluss neuer Ladestationen kommen. Mit Spitzenglättung könnten drei bis viermal mehr Ladestationen kurzfristig angeschlossen und in einen sicheren Netzbetrieb integriert werden.

Zur Beantwortung der Frage, wie dies konkret ausgestaltet werden kann, lohnten die vereinbarten Gespräche.  Hier werde sich der VKU aktiv einbringen. "Entscheidend ist, dass der Gesetzentwurf nicht auf die lange Bank geschoben wird. Wir müssen jetzt eine Lösung erarbeiten, die noch in dieser Wahlperiode beschlossen wird", betonte Liebing.

Andreae: Gemeinsame Verantwortung deutlich geworden

Ähnlich äußerte Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung: Es gehe jetzt darum, Tempo zu machen, um noch in dieser Legislaturperiode zu einer gesetzlichen Regelung zu kommen. Wir werden uns in die jetzt anstehenden weiteren Gespräche konstruktiv einbringen.

Die gemeinsame Verantwortung aller Beteiligten für ein sicheres, nachhaltiges und bezahlbares Energiesystem sei bei dem Spitzengespräch ebenso deutlich geworden wie die klare Unterstützung für den zwingend notwendigen Hochlauf der Elektromobilität.

Maus: Verteilnetzbetreiber ermöglichen den schnellen Hochlauf der E-Mobilität

Aus Sicht der Netzbetreiber müssten drei Dinge sichergestellt werden, erklärte Andreae. Private Ladestationen müssten schnell an das Netz angeschlossen werden können, und E-Autofahrerinnen und -fahrer müssten weiterhin sicher sein können, dass ihre Batterie immer genügend Strom laden kann. Die Netzbetreiber wollten die Netze bedarfsgerecht auszubauen. "Dafür brauchen sie das Instrument der Spitzenglättung. Das ist auch im Sinne der Stromkunden“" so Andreae. 

Torsten Maus, Vorsitzender der EWE NETZ-Geschäftsführung, erklärte gegenüber der ZfK: "Das gemeinsame Gespräch heute mit Minister Altmaier war wichtig, damit wir uns einer Lösung nähern. Die Argumente sind alle vorgebracht, nun geht es in den weiteren Austausch. Vor allem haben wir heute noch einmal betont, dass es durch die Steuerbarkeit der Ladepunkte gerade die Verteilnetzbetreiber sind, die den schnellen Hochlauf der Elektromobilität in Deutschland ermöglichen. Hier bauen wir auf die Unterstützung des Ministers. Denn nur durch eine kluge Lösung kann die Elektromobilität schnell, kostengünstig und verursachungsgerecht in das Energiesystem integriert werden.“

Hildegard Müller: Fenster für einen Kompromiss geöffnet

Positiv außerte sich auch Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA). "Bei dem heutigen Treffen ist es uns gelungen, das Fenster für einen vernünftigen und verbrauchernahen Kompromiss zu öffnen. Er kann besser als der bisherige Entwurf sicherstellen, dass die Elektromobilität in Deutschland eine Erfolgsgeschichte wird. Ich bin optimistisch, dass wir nun eine gemeinsame und umsetzbare Einigung finden können, die den Hochlauf der Elektromobilität unterstützt und nicht gefährdet."

Der Netzausbau sei die Grundvoraussetzung, um die Mobilität der Zukunft zu ermöglichen. Deshalb müsse der Netzausbau jetzt energisch vorangebracht werden. Abschaltungen dürfe es nur im absoluten Notfall geben.

ZVEI: Spitzenglättung als das sinnvollste Instrument

Optimistisch zeigte sich auch Wolfgang Weber, Vorsitzender der Geschäftsführung des Zentralverbands Elektrotechnik und Elektronikindustrie (ZVEI). "Wichtig ist, dass wir die guten Impulse jetzt aufnehmen und noch bis Ostern zu einer Lösung kommen. Denn die Spitzenglättung bzw. Lastverschiebung ist das sinnvollste Instrument, um flexible Verbraucher wie Elektromobilität, Wärmepumpen und Speicher schnell und sicher zu integrieren.“

Zudem ermögliche sie einen effizienten Netzausbau durch die Digitalisierung von Zählern, Ladepunkten und weiteren Komponenten. (hcn)

 

 

 

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