Der Übertragungsnetzbetreiber Tennet hat zum ersten Mal zum Netzgipfel nach Lehrte (bei Hannover) eingeladen. Dabei zeigte sich Unternehmenschef Tim Meyerjürgens zuversichtlich mit Blick auf die derzeit laufenden Verhandlungen über eine Verstaatlichung des deutschen Tennet-Netzes. "Wir sind im Moment in sehr guten konstruktiven Gesprächen. Wir sind zuversichtlich, dass wir dort vorankommen."
Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) unterstützte die Idee. Er sei immer froh, wenn wichtige Infrastruktur in deutscher Hand sei. "Alles, was dazu beiträgt, ist hilfreich." Das Land selbst werde sich aber nicht an Tennet beteiligen. "Niedersachsen ist in dieser Hinsicht nicht interessiert."
Hoher Investitionsbedarf
Der niederländische Staatskonzern hatte im Februar angekündigt, mit dem deutschen Staat über den Verkauf seines deutschen Stromnetzes verhandeln zu wollen. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) zeigte sich offen für den Vorstoß. Hintergrund ist der hohe Investitionsbedarf im Zuge der Energiewende. Das könne das niederländische Staatsunternehmen allein nicht mehr stemmen, hieß es.
Allein im ersten Halbjahr hatte Tennet 3,5 Mrd. Euro investiert. "Im Gesamtjahr rechnen wir damit, dass es 7,5 Milliarden werden", sagte Meyerjürgens. "Und das ist erst der Anfang."
Weitere zehn Mrd. Euro
Allein der Bau der großen Nord-Süd-Trasse Suedlink von Heide in Schleswig-Holstein nach Bayern und Baden-Württemberg, der im September beginnen soll, werde weitere zehn Mrd. Euro kosten, von denen rund die Hälfte auf Tennet entfalle. Die Entscheidung des Bundes, dass die 700 Kilometer lange Trasse komplett unterirdisch mit Erdkabeln verlegt werden muss, habe das Projekt dabei deutlich verteuert und im Zeitplan zurückgeworfen, kritisierte Meyerjürgens.
"Wir haben dadurch drei Jahre verloren." Und der Preis habe sich mehr als verdreifacht. Und das werde am Ende der Stromkunden zahlen müssen. Er zeigte sich aber zuversichtlich, dass der Bau nun wie geplant bis 2028 abgeschlossen werden könne. (jk mit dpa)



