In einer Wohnstraße wird eine neue Leitung verlegt – der Ausbau von Wärmenetzen ist aufwendig und kommt bei langen Förderwartezeiten oft nur schleppend voran.

In einer Wohnstraße wird eine neue Leitung verlegt – der Ausbau von Wärmenetzen ist aufwendig und kommt bei langen Förderwartezeiten oft nur schleppend voran.

Bild: © ThomBal/AdobeStock

Das nordbayerische Wunsiedel ist dem Förderstau nach knapp einem Jahr Wartezeit entkommen. "Grünes Licht für's Wärmenetz", teilten die örtlichen Stadtwerke vergangenen Monat stolz mit. "Förderantrag bewilligt".

Während die Oberfranken nun nach eigenen Angaben "mit Vollgas" die Umsetzung ihrer drei Trassen quer durch die Stadt vorantreiben können, müssen viele andere Versorger weiter warten. Denn die Antragsflut zur Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) hat in diesem Jahr neue Ausmaße angenommen.

Sie konnten sich über 950.000 Euro Wärmenetz-Förderung freuen (von links nach rechts): GVW-Geschäftsführer Christoph Niedermeier, Wunsiedels Bürgermeister Nicolas Lahovnik (CSU) und SWW-Geschäftsführer Marco Krasser. Das Wärmenetz soll 30 Kilometer Haupt- und Verteilleitungen sowie weitere 10 Kilometer Leitungen für Hausanschlüsse umfassen.Bild: © SWW

Mehrere Monate Wartezeit

Allein im März gingen mehr als 900 Anträge beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) ein – ein neuer Rekordwert. In den ersten vier Monaten zählte die Behörde fast dreimal so viele Anträge wie im Vorjahreszeitraum. Dabei lag der Rückstau zwischen beantragten und bewilligten Anträgen bereits Ende vergangenen Jahres bei mehr als 1500. Wie viele Anträge storniert oder abgelehnt wurden, ist unklar.

Lesen Sie auch: Wärmenetz-Förderung: Der Stand in sechs Grafiken

Die Community Wärmewende, eine Plattform für Fachleute aus Kommunen, Stadtwerken und Planungsbüros, warnte vor Kurzem eindringlich. "Neue BEW-Anträge müssen möglicherweise mit bis zu acht Monaten zusätzlicher Wartezeit rechnen", schrieb Koordinator Harald Schäffler in einem offenen Brief an das Bundeswirtschaftsministerium. "Projekte stocken. Investitionsentscheidungen werden aufgeschoben. Verträge können nicht geschlossen werden."

BEW-Aufstockung auf 2,7 Milliarden Euro

Dabei sind sich Bundesregierung und Branche eigentlich einig. Die BEW-Förderung leiste "einen wichtigen und zunehmenden Beitrag zu den notwendigen (Treibhausgas-)Einsparungen im Gebäudebereich", schrieb die schwarz-rote Koalition ins Klimaschutzprogramm 2026.

Zugleich nannte sie die gesetzliche Regelung und Aufstockung des Programms auf 2,7 Milliarden Euro im Jahr 2030 als "zentrales Element" des geplanten Fernwärmepakets. Hätte sich das SPD-geführte Bundesumweltministerium durchgesetzt, hätten der Branche sogar 3,5 Milliarden Euro jährlich gewunken – also exakt die Summe, die die Verbände VKU und AGFW schon lange fordern.

Warum stockt es dann bei der Umsetzung? Marco Ohme, Geschäftsführer der BBH Engineering und Spezialist für Fernwärmelösungen, nennt mehrere Gründe. "Zum einen erleben wir derzeit einen enormen Markthochlauf im Bereich der Wärmenetze", schreibt er. "Die Nachfrage nach Fördermitteln ist dadurch massiv gestiegen."

Gleichzeitig seien die Anforderungen an die Projekte komplexer geworden. "Moderne Wärmenetze basieren heute zunehmend auf Großwärmepumpen, Abwärmenutzung, saisonalen Speichern oder hybriden Erzeugungskonzepten", erläutert er. "Die technische, wirtschaftliche und förderrechtliche Prüfung solcher Projekte ist deutlich aufwendiger als bei klassischen Versorgungslösungen." Hinzu kämen umfangreiche Nachweise zur Transformationsfähigkeit, zu CO₂-Einsparungen und zur langfristigen Wirtschaftlichkeit. "Das bindet sowohl bei den Antragstellern als auch beim Bafa erhebliche personelle Ressourcen."

Außerdem sei der Markt schneller gewachsen als die Bearbeitungskapazitäten. "Das führt zwangsläufig zu Verzögerungen."

Marco Ohme ist Geschäftsführer der BBH Engineering.Bild: © BBH Engineering

Viele Projekte befinden sich in einer Art Warteschleife, weil Investitionsentscheidungen häufig von der Förderzusage abhängig sind.

Marco Ohme

Geschäftsführer BBH Engineering

Das Ergebnis: "Aus Marktsicht entsteht dadurch inzwischen ein ernstzunehmendes Problem", schreibt Ohme. "Viele Projekte befinden sich in einer Art Warteschleife, weil Investitionsentscheidungen, Ausschreibungen oder finale Vertragsabschlüsse häufig von der Förderzusage abhängig sind." Gerade kleinere Kommunen oder genossenschaftliche Modelle könnten hohe Vorleistungen kaum dauerhaft vorfinanzieren.

Dazu kam, dass das Bafa aus Sicht vieler Marktakteure unvermittelt ankündigte, die Förderung von Transformationsplänen im Rahmen des Moduls 1 bereits Ende März einzustellen. Dies setzte Stadtwerke und Projektentwickler unter enormen Zeitdruck – und ließ die Antragszahl im März sprunghaft steigen. Am 27. März relativierte das Bafa den Förderstopp.

Ansturm auf Modul 1

Von 914 eingegangenen BEW-Anträgen im März entfielen 95 Prozent auf das Modul 1. Der Ansturm sei deshalb so groß gewesen, "weil Transformationspläne für viele Wärmenetzbetreiber die strategische Grundlage für den langfristigen Umbau ihrer Netze darstellen", erklärt Ohme. "Ohne diese Förderung fehlen gerade kleineren Akteuren häufig finanzielle Mittel, um die komplexen Planungs- und Konzeptionsleistungen überhaupt anzustoßen."

Für Ohme und seine Kollegen war es eine stressige Zeit. "Wir haben in dieser Phase einen massiven Anstieg an Abstimmungen, kurzfristigen Projektentscheidungen und Antragsfinalisierungen erlebt", schildert er. "Teilweise mussten innerhalb kürzester Zeit auch zahlreiche Vor-Ort-Besichtigungen von Liegenschaften durchgeführt werden, um die Aufstellung und Integration technischer Lösungen sauber bewerten zu können. Das hat sowohl auf Seiten der Planungsbüros als auch bei den Antragstellern und Behörden zu einer sehr hohen Belastung geführt und dürfte den heutigen Rückstau zusätzlich verstärkt haben."

Standardisierte Onlineprüfung und vorzeitiger Maßnahmenbeginn

Nach dem Märzhoch sank die Zahl der Anträge im April wieder auf Normalniveau. Maizahlen lagen bei Redaktionsschluss noch nicht vor. Trotzdem sehen Marktakteure grundsätzlich Handlungsbedarf.

"Schnellere und pragmatischere Verfahren" wünscht sich Ohme. Als Beispiel nennt er eine standardisierte Onlineprüfung, ähnlich wie bei der Förderbank KfW. "Da keine Erstellung und Prüfung einer aufwendigen Projektskizze mehr erforderlich ist, könnten Projekte dadurch deutlich schneller umgesetzt werden."

Community-Wärmewende-Koordinator Schäffler fordert die Wiedereinführung eines vorzeitigen Maßnahmenbeginns auf eigenes Risiko als Regeloption, solange die Bearbeitungszeiten beim Bafa "nicht auf ein akzeptables Niveau sinken".

Es könne nicht sein, dass Unternehmen, die einen vollständigen BEW-Antrag gestellt hätten, monatelang warten müssten, "nur weil die Behörde den Antrag noch nicht bearbeitet hat". Die Wiedereinführung koste den Haushalt nichts, schrieb er. "Sie beschleunigt die Wärmewende sofort."

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper