Blick auf die Gaskavernen Empelde bei Hannover.

Blick auf die Gaskavernen Empelde bei Hannover.

Bild: © Enercity

Zukunft-Gas-Geschäftsführer Timm Kehler hat sich gegen eine strategische Gasreserve ausgesprochen, wie es sie in Deutschland für Erdöl gibt. "Ich warne vor zu tiefen Eingriffen in das etablierte Marktsystem", sagte er bei einer Veranstaltung seines Verbands.

Der Gasmarkt von heute sei nicht mit dem Ölmarkt der 1970er-Jahre vergleichbar, führte Kehler aus. "Wir haben einen extrem liquiden globalen Markt, stabile Vertragsbeziehungen in jede Richtung und sind vor allem auch keinem Kartell ausgesetzt, wie das damals mit der Opec [einem Zusammenschluss erdölexportierender Länder] der Fall war."

Debatte um Gasreserve

Ungewöhnlich niedrige Gasspeicherfüllstände hatten die Debatte um mehr staatliche Kontrolle über deutsche Gasreserven geschürt. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) bezeichnete im Januar gut gefüllte Gasspeicher als "politische Aufgabe".

Auch Mark Helfrich, energiepolitischer Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion, sieht Handlungsbedarf. Er will Gaslieferanten dazu verpflichten, einen Teil ihrer Lieferverpflichtungen vertraglich und physisch so abzusichern, dass die Speicher zu Beginn der Heizsaison maximal gefüllt sind. (Die ZfK berichtete.) Eine strategische Gasreserve lehnt er dagegen ab.

Long-Term-Optionen

Zukunft-Gas-Chef Kehler schlägt vor, das System der sogenannten Long-Term-Options (LTOs) auszuweiten. Gemeint ist die Bereitstellung von Leistung etwa durch Reduktion des Gasverbrauchs oder Brennstoffwechsel einzelner Unternehmen.

Marktgebietsverantwortliche – im deutschen Falle ist dies Trading Hub Europe – können sich so zusätzliche Speicherleistung sichern, um die Gasversorgungssicherheit auch in Engpasssituationen zu gewährleisten. Unternehmen, die ihre Leistung bereitstellen, werden in Form von sogenannten Leistungspreisen entlohnt.

Fünf Sonderausschreibungen

THE setzte diesen Winter bereits fünf LTO-Sonderausschreibungen an. In den ersten vier Runden bezahlte der Marktgebietsverantwortliche nach eigenen Angaben insgesamt etwa 157 Mio. Euro.

Die fünfte Sonderausschreibung läuft aktuell und endet am 11. Februar. Ausgeschrieben ist eine Speicherleistung von insgesamt 24.000 MW für die zweite Februarhälfte und den März.

Verhaltener Optimismus

Auch Gregor Pett, Marktanalyst des Energiekonzerns Uniper, sprach sich für eine Ausweitung von LTOs aus. Regulatorisch bedeute dies nur einen "sehr geringen Eingriff", sagt er. Zudem sei eine solche Änderung schnell realisierbar. Zugleich warnte der Analyst vor erheblichen Zusatzkosten durch tiefgreifendere Veränderungen.

Für die nächsten Wochen gab sich Pett verhalten optimistisch. Auch wenn die deutschen Gasspeicher aktuell nur noch zu 35 Prozent gefüllt seien, gehe er davon aus, "dass wir diesen Winter schaffen". Voraussetzung sei, dass das Wetter mild bleibe und die Gaslieferungen, insbesondere auch aus Russland, nicht noch weiter zurückgehen würden.

"Brauchen mehr Gaslieferungen"

"Wenn wir aber beruhigt in den nächsten Winter gehen wollen, dann brauchen wir deutlich höhere Gasspeicherfüllstände und deutlich mehr Gaslieferungen", ergänzte der Uniper-Analyst. (aba)

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