Angesichts hoher Preise und kalter Temperaturen leeren sich Deutschlands Gasspeicher weiter. Nach Angaben des Branchendienstes AGSI+ waren die Anlagen hierzulande am Montag nur noch zu 40 Prozent gefüllt – ein historisch niedriger Wert. Dazu kommen Sorgen um russisches Gas, das zurzeit nur spärlich fließt und bei einer Eskalation des Ukraine-Konflikts im schlimmsten Fall gar nicht mehr.
Umso lauter werden jetzt Stimmen nach stärkeren staatlichen Eingriffen, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. So will Mark Helfrich, energiepolitischer Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, die Auffüllung deutscher Gasspeicher im Sommer regulatorisch forcieren.
"Warenlager für Energiehändler"
"Es muss darum gehen, die Komponente der Versorgungssicherheit wieder stärker in den Vordergrund zu rücken", sagte der CDU-Politiker im Gespräch mit der ZfK.
"Mein Vorschlag wäre, Gaslieferanten zu verpflichten, einen Teil ihrer Lieferverpflichtungen vertraglich und physisch abzusichern, so dass die Speicher zu Beginn der Heizsaison maximal gefüllt sind und Gaslieferanten robuster aufgestellt sind gegenüber Situationen wie der aktuellen Gaspreiskrise."
"Haben eigentlich nötige Infrastruktur"
Helfrich kritisierte, dass Erdgasspeicher zu einer Art "Warenlager für Energiehändler" verkommen seien. Gas werde oft nur dann gespeichert, wenn die Preise besonders günstig seien, um sie dann bei höheren Preisen möglichst schnell wieder verkaufen zu können.
"Anders als bei Strom haben wir im Erdgasbereich eigentlich die nötige Infrastruktur, um die Versorgung über Monate hinweg sicherzustellen", erläuterte der Christdemokrat. "Wir haben diese in den vergangenen Jahren nur nicht ausgeschöpft."
RWE-Chef sieht Handlungsbedarf
Auch Markus Krebber, Vorstandsvorsitzender des Energiekonzerns RWE, sieht auf staatlicher Seite Handlungsbedarf. "Das kann in Richtung einer staatlichen Bevorratung gehen", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Alternativ sei eine schärfere Regulierung denkbar, sodass "Gasversorger ihre Lieferverpflichtungen zu bestimmten Anteilen durch langfristige Kaufverträge oder Einspeicherungen absichern müssen." In Deutschland gebe es da eine "Regelungslücke".
Bau von LNG-Importhäfen
Ein Komplettausfall der russischen Lieferungen wäre laut Krebber nur für "sehr kurze Zeit überbrückbar. Vielleicht einige Wochen".
Der RWE-Chef sprach sich deshalb laut dem Bericht für eine stärkere Diversifizierung der Gasversorgung durch den Bau von Importhäfen für Flüssiggas aus. Politische Unterstützung dafür sei schon deshalb gefragt, weil Importhäfen in Zukunft auch für die Einfuhr von grünen Energien wie Wasserstoff oder Ammoniak benötigt würden.
Gut gefüllte Speicher "politische Aufgabe"
Bereits vergangene Woche hatte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck angedeutet, die Kontrollfunktion des Staates über die Erdgasreserven in Deutschland zu stärken. Zurzeit seien die Möglichkeiten auf diesem Gebiet noch sehr begrenzt, hatte der Grünen-Politiker dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" gesagt.
Der Winter habe gezeigt, dass Deutschland mit reduzierten Beständen anfälliger für Preisschwankungen und geopolitische Spannungen sei. "Deshalb müssen wir die Möglichkeiten verbessern, für den nächsten Winter vorzusorgen, damit die Gasspeicher gut gefüllt sind", sagte Habeck. "Darin sehe ich eine politische Aufgabe." (aba/amo/dpa)



