Organisiert hatte den diesjährigen Energiedialog, der vergangene Woche in Oslo stattfand, die AHK Norwegen zusammen mit den Botschaften beider Länder. Es nahmen Vertreter und Vertreterinnen aus Politik, Industrie und Handel aus Deutschland und Norwegen teil.
Laut einer Mitteilung der AHK Norwegen machten die Vertreter aus Deutschland keinen Hehl daraus: Das Land steht vor Herausforderungen. Christian Maaß, Abteilungsleiter des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK), sagte: "Wir müssen mindestens 20 Prozent Gas einsparen." Maßnahmen wie ein Verbot, Pools zu heizen oder Einschränkungen bei der Beleuchtung öffentlicher Gebäude sollen dabei helfen.
Auch hohe Energiepreise in Norwegen
Auch der außenpolitische Berater Toralf Pilz sagte: "Deutschland blutet. Wir werden dieses Jahr voraussichtlich 130 Milliarden Euro verlieren wegen der hohen Preise auf dem Gasmarkt." Deutschland sei in dieser schwierigen Lage aber sehr dankbar für die Unterstützung aus Norwegen, hält der deutsche Botschafter, Detlef Wächter, fest. Auch längerfristig gibt es für Deutschland Herausforderungen. Etwa, die deutsche Industrie mit ihrem großen Hard-to-abate-sector in eine grünere Zukunft zu führen.
Auch in Norwegen sind die Energiepreise derzeit hoch. Das Land will seiner Rolle als verlässlicher Energielieferant Europas in diesen Zeiten umso gerechter werden, wie Kristin Myskja, Generaldirektorin des norwegischen Öl- und Energieministeriums betont. Über 40 Prozent von Norwegens gesamtem Gasexport gehen aktuell nach Deutschland. Gleichzeitig will sich das Land als Lieferant von Strom und Wasserstoff aus erneuerbaren Quellen etablieren.
"Privatsektor muss die Führung übernehmen"
Ein weiteres Kapitel ist zudem CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS): Norwegen will abgeschiedenes CO2 aus Europas Industrien in seinem Kontinentalsockel speichern und positioniert sich entsprechend – in diesen Plänen kommt Deutschland, das allein für über 20 Prozent des CO2-Ausstosses der EU verantwortlich ist, eine große Rolle zu. Der norwegische Botschafter Torgeir Larsen betonte denn auch die Wichtigkeit einer langfristigen nachhaltigen Industrie- und Energiezusammenarbeit der beiden Länder.
Wie die Botschafter beider Länder, betonte der norwegische Wirtschaftsminister Jan Chriastian Vestre das gute Verhältnis, dass die beiden Länder seit Jahrzehnten pflegen. Eine Vertiefung bringe für beide Seiten großes Potenzial. Nebst Energieabkommen und -Projekte kann sich der Wirtschaftsminister etwa eine engere Koppelung norwegischer Batteriehersteller mit der deutschen Fahrzeugindustrie vorstellen. Punkto grüner Wandel sagt er: "Wir bemühen uns in der Politik, gute Rahmenbedingungen dafür zu schaffen. Aber der Privatsektor muss hier die Führung übernehmen."
Zahlreiche gemeinsame Projekte
Die anwesenden Experten und Expertinnen der Energieunternehmen DNV, Equinor, VNG, RWE Renewables, Wintershall Dea, Statkraft und Hydro stimmten dem grundsätzlich zu. Auch sie sehen großes Potenzial in einer weiteren Vertiefung der Zusammenarbeit beider Länder – von erneuerbaren Energien über Wasserstoff bis hin zu CCS.
Zahlreiche Deutsch-Norwegische Projekte, wie die das kürzlich angekündigte Wasserstoffprojekt "H2GE Rostock" von Equinor und VNG AG oder die "CCS- Value Chain" von Wintershall Dea und Equinor zeugen davon. Bedenken, die vor allem auf deutscher Seite gegenüber CCS bestehen, müsse man dabei ernst nehmen, betonte Hugo Dijkgraaf, CTO von Winterhsall Dea: "Das Beste ist, die Technologie zu erklären und zu demonstrieren, dass sie sicher ist."
"Energiedialog derzeit wichtiger denn je"
"Der Energiedialog ist für Deutschland derzeit wichtiger denn je. Und auch für Norwegen ist insbesondere der Industriedialog bedeutend, um den Fahrplan zu einer Grünen Industrie einzuhalten, den die Regierung kürzlich präsentiert hat", unterstrich Michael Kern, der Geschäftsführer der AHK Norwegen. (hcn)



