Einmal mehr gab es diese Woche harsche Worte aus Brüssel für Berlin. Der Zankapfel diesmal: die deutsche Gasspeicherumlage, die auch ausländische Unternehmen zahlen müssen, wenn sie Gas aus Deutschland importieren.
Die EU-Kommission will die Umlage nun prüfen. Zuvor hatte eine Gruppe mehrerer ost- und zentraleuropäischer Staaten die Umlage scharf kritisiert.
EU-Kommissarin geißelt "Exportabgaben"
Nationale Alleingänge in Form von "Exporteinschränkungen" oder "Exportabgaben" würden die europäische Energiesolidarität aufs Spiel setzen, geißelte EU-Energiekommissarin Kadri Simson nach dem jüngsten Treffen des EU-Energieministerrats. Sie könnten sogar Diversifizierungsmaßnahmen europäischer Mitgliedsstaaten weg von russischem Gas gefährden. "Das ist der Grund, warum ich mit meinen deutschen Gegenübern in direktem Austausch bin."
In einer ersten Reaktion zeigte sich Sven Giegold, Staatssekretär im deutschen Wirtschaftsministerium, verständnisvoll. Zugleich verwies er darauf, dass deutsche Gaskunden den Löwenanteil zahlen müssten.
THE erklärt Umlagenerhöhung
Die Sache ist heikel. Denn während die Großhandelspreise für Gas in den vergangenen Monaten spürbar fielen, zwischenzeitlich sogar auf bis zu 23 Euro pro Megawattstunde (MWh), hob der deutsche Marktverantwortliche Trading Hub Europe (THE) die Umlage an, auf nunmehr 1,86 Euro pro MWh. Das sind umgerechnet rund 0,19 Cent pro Kilowattstunde (kWh).
"Im Markt ist ein Rückgang des Gasverbrauchs zu beobachten", erklärte THE-Geschäftsführer Torsten Frank die Entwicklung. "Zusätzlich sind die Transitmengen niedriger als in der Vergangenheit. Dies führt insgesamt zu einer geringeren umlagefähigen Menge, was mit zu dem Anstieg der Speicherumlage beiträgt."
Notfallmaßnahme 2022
Für Unternehmen, die über die Deutschland-Route Gas erhalten, heißt dies jedoch, dass sie einen durchaus empfindlichen Aufschlag zahlen müssen. Damit verteuert sich auch Flüssigerdgas, das etwa in Belgien, den Niederlanden oder Deutschland anlandet und dann über deutsche Rohre ins Zielland fließt.
Die Gasspeicherumlage wurde infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine eingeführt. Mit dem Geld werden Notfallmaßnahmen finanziert, die THE im Auftrag der Bundesregierung durchführen kann, um die gesetzlich vorgeschriebenen Füllstandsvorgaben deutscher Speicher zu erreichen. Dazu zählen finanzielle Anreize für die Befüllung von Speichern durch Marktakteure bis hin zu Einspeicherungen durch THE selbst.
Rehden-Füllstand stark rückläufig
Im Energiekrisenjahr 2022 lagerte der Marktgebietsverantwortliche im Auftrag der Bundesregierung im großen Stil Gas ein. Unter anderem befüllte er Deutschlands größten Speicher in Rehden sowie die Anlagen Wolfersberg in Bayern und Peissen in Sachsen-Anhalt. Die Kosten dürften angesichts nach oben schießender Großhandelspreise etliche Milliarden Euro betragen haben.
In den vergangenen Monaten scheint sich THE von einem großen Teil der Mengen wieder getrennt zu haben. So ging allein der Füllstand in Rehden von 99 auf zuletzt 44 Prozent zurück. In Wolfersberg waren es nach 100 Prozent im Sommer zuletzt nur noch 42 Prozent. Anzunehmen ist, dass die Verkaufserlöse dabei weit unter den Einkaufskosten lagen. Die entstandenen Verluste werden über die Gasspeicherumlage auf die Endkunden umgelegt.
Österreich: Umlage "zusätzliche Kostenbelastung"
Den deutschen Nachbarländer missfällt, dass sie nun für die teure deutsche Gasspeicherpolitik in Mithaftung genommen werden. Das Problem könnte sich weiter verschärfen, wenn voraussichtlich im kommenden Jahr durch die Ukraine-Transitroute kein russisches Gas mehr fließen wird.
Österreich beispielsweise importierte im Dezember noch satte 98 Prozent seines Gases aus Russland. Künftig strebe man vermehrt LNG-Lieferungen aus Deutschland an, sagte Barbara Schmidt, Generalsekretärin des Verbands Oesterreichs Energie, im ZfK-Interview. Die dabei fällige Gasspeicherumlage würde aber "eine zusätzliche Kostenbelastung" darstellen.
"Vollkommen falsches Signal"
Zu den Gegnern der deutschen Gasspeicherumlage zählt auch der europäische Händlerverband Efet. "Wir möchten nochmals betonen, dass unserer Ansicht nach die Anwendung der Gasspeicherumlage auf Gasexporte, ein vollkommen falsches Signal sendet", schrieb er in einem Positionspapier vor knapp einem Jahr. (aba)



