Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck setzt große Hoffnungen auf den Golfstaat Oman als künftigen Wasserstoffproduzenten. "Die Potenziale sowohl hier vom Planungsprozess, von der Installation von Solarenergie, der Elektrolyse bis auch zur Abnahme von grünem Wasserstoff Partner zu werden, sind riesengroß", sagte der Grünen-Politiker bei einem Besuch in der Hauptstadt Maskat.
Bislang ist Oman vor allem für seine Öl- und Erdgasexporte bekannt. Der Staatshaushalt wurde nach Angaben der deutschen Außenwirtschaftsagentur Germany Trade & Invest noch im Jahr 2022 zu 77 Prozent aus Öl- und Gaseinnahmen gespeist.
Oman "wild entschlossen"
Das Land will aber die Produktion von Wasserstoff vorantreiben und dafür bis 2030 ausländische Investitionen in einer Größenordnung gewinnen, wie es sie zuletzt derzeit für Öl und Gas gab.
Oman sei "wild entschlossen, sich zu transformieren", sagte Habeck nach Gesprächen mit Energieminister Salim al-Aufi und Staatsoberhaupt Sultan Haitham bin Tarik. "Also, da kann man keinen Zweifel mehr haben."
"Sonneneinstrahlung fantastisch"
Das Land habe eine Fläche ungefähr von der Größe Bayerns für den Ausbau erneuerbarer Energien reserviert und habe bei vergleichbarer Fläche wie Deutschland nur einen Bruchteil der Einwohnerzahl, erklärte der Minister. Derzeit leben nach Angaben des Auswärtigen Amtes 4,7 Millionen Menschen im Oman. In Deutschland waren es zuletzt 84,6 Millionen.
"Also Fläche ist verfügbar, die Sonneneinstrahlung ist fantastisch und es gibt auch gute Windlagen", sagte Habeck. Das Land beginne zwar erst, Kapazitäten zur Wasserstoff-Erzeugung aufzubauen. Aber zum Ende des Jahrzehnts komme das Ganze richtig ins Laufen.
Deutschland benötigt Wasserstoffimporte
Wasserstoff gilt als Hoffnungsträger der Energiewende und soll künftig unter anderem Strom speichern helfen. Als grün und damit klimafreundlich gilt er, wenn er mit Hilfe erneuerbarer Energien gewonnen wird.
Die Bundesregierung geht laut eigener Wasserstoffstrategie für Deutschland von einem Wasserstoffbedarf von 95 bis 130 Terawattstunden (TWh) bis 2030 aus. Je nach Prognose sollen rund 50 bis 70 Prozent, sprich 45 bis 90 TWh, durch Importe aus dem Ausland gedeckt werden.
Sefe sichert sich Oman-LNG
Oman machte im vergangenen Jahr in der Energiebranche schon einmal Schlagzeilen. Im Sommer wurde bekannt, dass Deutschlands zweitgrößter Gasimporteur Sefe, früher Gazprom Germania, mit dem Staatskonzern Oman LÖNG eine verbindliche Grundsatzvereinbarung unterzeichnet habe.
Demnach soll das Unternehmen mit Sitz in Berlin von 2026 an vier Jahre lang 0,58 Milliarden Kubikmeter pro Jahr Flüssigerdgas erhalten. Das sind umgerechnet rund 5,7 TWh pro Jahr. (Die ZfK berichtete.) Wasserstoff spielte damals höchstens eine nachrangige Rolle.
Saudi-Arabien zweites Reiseziel
Anders wird dies bei Habecks zweitem Reiseziel im neuen Jahr, Saudi-Arabien, sein. Der Minister wird in der Hauptstadt Riad am 10. Januar Gespräche mit Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft führen. Schwerpunkte bilden laut Bundeswirtschaftsministerium mögliche Kooperationsfelder rund um erneuerbare Energien, Wasserstoff und Klimaschutz.
"Der seit dem Jahr 2019 bestehende Deutsch-Saudische Energiedialog schließt eine vertiefte und intensive Zusammenarbeit im Bereich Wasserstoff ein", heißt es weiter. (aba/dpa)



