Der Krieg im Mittleren Osten lässt in Deutschland die Preise für Gas und Öl bereits seit Wochen nach oben schnellen. Am Montag sprach sich Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) für mehr Diversifizierung beim Gasimport und langfristige Gaslieferverträge aus. Bisher wird der Großteil des in Deutschland benötigten Gases importiert – lediglich rund fünf Prozent werden laut dem Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie (BVEG) heimisch gefördert. Bereits vor der Eskalation rund um die Straße von Hormus sagte Reiche: "Es kann hier Gas gefördert werden." Die Bundesregierung würde die Förderung aus heimischen Reserven "nicht weiter behindern".
In Niedersachsen wird die Suche nach neuen Erdgaslagerstätten nun offiziell ausgebaut. Zum 1. April teilt das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) der Vermilion Energy Germany mit Sitz in Hannover insgesamt drei Felder zur Suche von Kohlenwasserstoffen zu gewerblichen Zwecken zu. Die drei Gebiete Celle I, Uelzen II und Unterweser I haben eine Gesamtfläche von knapp 2895 Quadratkilometern, wie das LBEG mitteilte.
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Niedersachsen ist in Deutschland das mit Abstand wichtigste Bundesland, wenn es um Erdgasförderung geht. Vermilion Energy Germany ist dort bereits an mehreren Standorten aktiv. Ab Sommer 2026 soll etwa die Bohrung Osterheide Z2 in Wietzendorf Gas ins Verteilnetz liefern. Rechnerisch sollen damit rund 20.000 Haushalte pro Jahr versorgt werden können, wie das Unternehmen mitteilte. Aufgrund der positiven Testergebnisse soll dieser Bereich weiter erkundet werden. Laut einer Mitteilung von Anfang des Monats soll die weitere Erkundung im Januar 2027 starten.
Gasvorkommen: Weitere Erkundungen bereits geplant
Die Kommune kritisierte, dass sie von der deutschen Tochter des kanadischen Erdgasunternehmens vor vollendete Tatsachen gestellt wurden, wie die "Boehme-Zeitung" schreibt. Es werden Umwelteinflüsse befürchtet; man stelle sich vor dem Hintergrund der aktuellen Weltlage jedoch nicht quer, hieß es vonseiten der Kommune. Die vermuteten Ergasvorkommen könnten beträchtlich sein. Von 30 Milliarden Kubikmetern ist in verschiedenen Berichten zu lesen, bestätigen ließ sich die Zahl bis zum Redaktionsschluss jedoch nicht. Insgesamt förderte Vermillion 2025 rund 2,4 Milliarden Kilowattstunden Erdgas in Deutschland. Das entspricht Angaben des Unternehmens zufolge einer Versorgung von rund 220.000 Haushalten.

Die Erlaubnisse Celle I und Uelzen II sind auf drei Jahre bis zum 31. März 2029 befristet und liegen zwischen Uelzen und Schwarmstedt. Das Erlaubnisfeld Unterweser I ist auf zwei Jahre bis zum 31. März 2028 befristet und erstreckt sich östlich um Bremen herum. Das LBEG ist die zuständige Bergbehörde für Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen.
Gas-Förderung: LBEG-Präsident verweist auf Regierung
Gerade angesichts der aktuellen geopolitischen Lage sei es sinnvoll, dass die Suche nach neuen Erdgaslagerstätten wieder verstärkt werde, erklärte LBEG-Präsident Carsten Mühlenmeier. "Dies entspricht der Strategie der Bundesregierung, die sich im Koalitionsvertrag darauf verständigt hat, die Förderung heimischer Rohstoffe zu stärken." Die ausschließlich konventionelle Erdgasförderung in Niedersachsen verlaufe unter strengen Sicherheitsvorkehrungen.
"Es wird in der gesellschaftlichen Debatte gerne vergessen, dass immer noch rund die Hälfte aller Haushalte mit Erdgas heizt", sagte Mühlenmeier. Als Brückentechnologie bis zur Umsetzung der Energiewende sei Erdgas unverzichtbar. Und mithilfe heimischer Förderung könne die Abhängigkeit von Importen wie LNG-Gas verringern werden, die zudem eine deutlich schlechtere Klimabilanz aufwiesen.
Vermilion Energy hat demnächst das grundsätzliche Recht, nach Erdgas zu suchen – zuvor müssen bergrechtliche Betriebspläne zugelassen werden, für die unter anderem ein gesondertes Beteiligungsverfahren nötig ist. Die letzte Erlaubnis zur Suche von Kohlenwasserstoffen hatte das LBEG nach eigenen Angaben vor mehr als drei Jahren zugeteilt.


