Ein Mitarbeiter einer Biogasanlage in Hemmingen (Baden-Württemberg) befüllt die Anlage mit Biomasse.

Ein Mitarbeiter einer Biogasanlage in Hemmingen (Baden-Württemberg) befüllt die Anlage mit Biomasse.

Bild: © Bernd Weißbrod/dpa

Die neuesten Ausschreibungsergebnisse für Biomasse und Solarenergie offenbaren Gegensätze: Während Biomasse erneut deutlich überzeichnet ist, gehen für Solarenergie weniger Gebote ein. Die zuständige Bundesnetzagentur zieht ein positives Fazit, Branchenverbände hingegen äußerten Kritik.

Die jüngste Gebotsrunde wurde erstmals nach den neuen Regeln des zuvor reformierten EEG, des sogenannten Biomassepakets, durchgeführt, teilte die Bonner Behörde mit. Im Kern ging es bei der Reform darum, die Förderung stärker auf das Flexibilitätspotenzial auszurichten. Gefördert werden nur noch Anlagen, die Lastspitzen bedienen und aktiv auf Strompreissignale reagieren können.

Hohe Beteiligung und deutliche Überzeichnung

Zum Gebotstermin 1. Oktober lagen demnach 807 Gebote mit einer Gesamtmenge von 940 Megawatt (MW) vor – bei einem ausgeschriebenen Volumen von 813 MW. 692 Gebote erhielten einen Zuschlag. Davon entfielen 33 Zuschläge mit 63 MW auf Neuanlagen sowie 659 Zuschläge mit 752 MW auf Bestandsanlagen. 87 Gebote wurden ausgeschlossen.

Die Zuschlagswerte bewegen sich zwischen 11,00 und 19,48 Cent (ct) pro Kilowattstunde (kWh). Der mengengewichtete Durchschnittswert beträgt 18,11 ct/kWh und liegt damit klar unter dem Höchstwert für Bestandsanlagen von 19,43 ct/kWh.

Das größte Zuschlagsvolumen ging nach Bayern (276 MW, 266 Zuschläge), gefolgt von Niedersachsen (143 MW, 122 Zuschläge) und Nordrhein-Westfalen (94 MW, 63 Zuschläge). Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, sieht darin eine Bestätigung der Reform: "Die Überzeichnung der Ausschreibung zeigt, dass die neuen Förderregeln gut angenommen werden."

"Gezwungen zu unwirtschaftlichen Geboten"

Das Hauptstadtbüro Bioenergie (HBB) warnt dagegen vor vorschnellen Schlüssen. Dieses positive Ergebnis dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele Anlagen zu teilweise unwirtschaftlichen Geboten gezwungen worden seien, betonen die in dem HBB zusammengeschlossenen Bioenergieverbände.

Und: Für zahlreiche Betreiber, die in den vorherigen Ausschreibungen mehrfach leer ausgingen, habe die Oktober-Ausschreibung die letzte Möglichkeit für eine Anschlussförderung dargestellt.

Für Solaranlagen auf Gebäuden und Lärmschutzwänden wurden 283 MW ausgeschrieben. Eingereicht wurden 140 Gebote mit 310 MW. Nach dem Ausschluss von 19 Geboten (29 MW) blieben 121 Gebote mit 281 MW im Verfahren – und alle erhielten einen Zuschlag. Die Runde war damit leicht unterzeichnet.

Preisniveau zieht an

Die Zuschlagswerte liegen zwischen 8,28 ct/kWh und 10,40 ct/kWh. Der durchschnittliche mengengewichtete Zuschlagswert steigt gegenüber der Vorrunde von 9,22 ct/kWh auf 9,66 ct/kWh.

Zur Marktdynamik erklärt Müller: "Die eingereichte Gebotsmenge bei der Ausschreibung für Aufdach-Solaranlagen hat sich nach rückläufiger Tendenz in den vorherigen Ausschreibungen wieder leicht gesteigert."

Die bezuschlagten Mengen verteilen sich auf Projekte in Bayern (59 MW, 19 Zuschläge), Nordrhein-Westfalen (57 MW, 29 Zuschläge), Brandenburg (32 MW, 12 Zuschläge) und Baden-Württemberg (31 MW, 9 Zuschläge). Die regionale Verteilung zeigt erneut eine breite Streuung im Dachanlagen-Segment.

Termine im kommenden Jahr

Die Bundesnetzagentur will die detaillierten Statistiken zu den Gebotsrunden bis zum 10. Dezember 2025 veröffentlichen. Die kommenden Ausschreibungsrunden finden für Biomasse am 1. April 2026 und für Solaranlagen auf Gebäuden und Lärmschutzwänden am 1. Februar 2026 statt.

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