Überschüssiges Gas verbrennt in einer Rohölverarbeitungsanlage der PCK-Raffinerie GmbH in Schwedt (Brandenburg).

Überschüssiges Gas verbrennt in einer Rohölverarbeitungsanlage der PCK-Raffinerie GmbH in Schwedt (Brandenburg).

Bild: © Patrick Pleul/dpa

Eine Verschärfung des EU-Emissionshandelssystems (ETS) könnte die Dekarbonisierung des europäischen Stromsektors dramatisch beschleunigen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Potsdamer Forschungsteam in einer neuen Studie.

Zu einer Umstrukturierung des ETS könnte es kommen, wenn die EU wie angekündigt ihre Treibhausgase im Vergleich zu 1990 um 55 Prozent statt bislang 40 Prozent senkt. Inwiefern andere Sektoren wie Verkehr und Wärme in den europäischen Emissionshandel integriert werden, ist noch offen.

"Ende der Kohleverstromung, wie wir sie kennen"

Die Forscher berechnen, dass sich der CO2-Preis bis 2030 mehr als verdreifachen würde, sollte die EU das neue Ziel von minus 55 Prozent implementieren. Dann könnte ein Zertifikat für eine Tonne CO2 bereits 130 Euro kosten.

"Das wäre das Ende der Kohleverstromung, wie wir sie kennen", schreiben die Autoren. Nur noch 17 Terawattstunden Strom würden durch Kohle erzeugt werden. Das seien lediglich zwei Prozent des Niveaus von 2015.

Siehe auch: Schulze: Deutschland schafft Kohleausstieg wohl bis 2030

Auch Gas gehört zu Verlierern

Große Gewinner wären erneuerbare Energien. "Unsere Computermodelle, mit denen wir die Umsetzung der Ziele simuliert haben, zeigen, dass die erneuerbaren Energien bereits 2030 fast drei Viertel der Stromerzeugung ausmachen und wir bereits 2040 null Emissionen im Stromsektor erreichen würden", schreibt Robert Pietzcker vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). "Wenn der Wandel erst einmal eingeleitet ist, wird er in beispielloser Weise an Geschwindigkeit gewinnen.“

Gaskraftwerke hätten dagegen bei Preisen von mehr als 100 Euro pro Tonne CO2 ebenfalls große Probleme. Die gasbasierte Stromerzeugung bis 2030 würde auf weniger als 40 Prozent des Wertes von 2015 sinken — und bis zum Jahr 2045 sogar auf weniger als vier Prozent, berechnen die Autoren.

Siehe auch: Verschärftes EU-Klimaziel: Vorzeitiges Aus für die Kohle?

Wasserstoff und Batterien als Speicher

Deshalb fühlten sich die Pläne zum Bau neuer Gas-und-Dampf-Kombikraftwerke in einigen EU-Mitgliedsstaaten an wie eine Zeitreise zurück ins Jahr 2005, als Energieversorger noch neue Kohlekraftwerke geplant hätten. Die einzigen Neubauten, die ihre Investitionskosten wahrscheinlich wieder einspielen würden, seien Anlagen mit Turbinen, die auch mit hohen Anteilen von Wasserstoffbeimischung laufen könnten.

Die Autoren glauben, dass die saisonale Wasserstoffspeicherung in Kombination mit einer besseren Vernetzung zwischen den EU-Mitgliedsstaaten und dem Einsatz von Batterien einen stabilen Betrieb eines sauberen Stromsystems ermöglichen könnten. Der Vorteil: Ein solches System würde fast ausschließlich auf erneuerbaren Quellen basieren.

Auswirkung auf Strompreise

"Die Abschaltung fossiler Kraftwerke vor dem Ende ihrer Lebensdauer und der frühere Ausbau von Wind- und Solarenergie in diesem Jahrzehnt werden die Preise vorübergehend erhöhen", erklärt Co-Autor Renato Rodrigues vom PIK.

"Aber nach 2025 werden die Kosten aufgrund der größeren Verfügbarkeit von günstigem Wind- und Solarstrom wieder sinken und die Strompreise letztlich auf das Niveau des letzten Jahrzehnts zurückführen. Die EU ist also gut beraten, ihr neues Ziel schnell in eine Verschärfung der ETS-Mengen umzusetzen, um eine bezahlbare und nachhaltige Transformation unseres Stromsystems zu gewährleisten." (ab)

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