Von Andreas Baumer
Während bei den Stromnetzentgelten der Trend nach unten zeigt, ist es bei den Gasnetzentgelten andersherum. Am Freitagmittag lag die Gebietsabdeckung bisher erfasster Gasnetzentgelte laut Datendienstleister Enet bei knapp 50 Prozent.
Demnach steigen die Gasnetzentgelte für Haushalte im Durchschnitt um rund zehn bis elf Prozent. Im Gewerbesegment sind es elf bis zwölf Prozent. Zurzeit liegen vor allem von großen Netzbetreibern, insbesondere von den Eon-Netztöchtern, Preisblätter vor. Viele Stadtwerke müssen ihre Netzentgelte noch veröffentlichen. Dadurch könnte sich das Bild etwas ändern.
Drei preistreibende Faktoren
Bundesnetzagentur-Präsident Klaus Müller verwies auf ZfK-Nachfrage auf drei preistreibende Faktoren. "Wir haben durch die Kanu-2.0-Festlegung als Bundesnetzagentur Entscheidungsfreiheit an die Gasnetzbetreiber zurückgegeben", ordnete er ein.
Heißt: Gasnetzbetreiber mit ambitionierten Stilllegungsplänen können die Abschreibungsdauer ihrer Netze verkürzen. Dies führt zu einer beschleunigten Refinanzierung der Netze. Und das führt bei Verwendung der Kanu-2.0-Option zunächst zu höheren Netzentgelten. Dafür fällt der Kostenanteil, der später auf immer weniger Kunden verteilt werden müsste, geringer aus. Gut möglich, dass im nächsten Jahr einige Gasnetzbetreiber neu von dieser Möglichkeit Gebrauch machen.
Der Behördenchef verwies zudem darauf, dass der Gasverbrauch zurückgegangen sei. "Ein geringerer Gasverbrauch schlägt sich leider immer in höheren Netzentgelten nieder." Ferner gebe es weitere Kostensteigerungen im Gasbereich. Insofern gehe die Tendenz in eine eindeutige Richtung: nach oben. Das sei klimapolitisch auch so gewollt.
BNetzA-Chef: "Kanu 2.0 kein Freibrief"
Müller nahm Gasnetzbetreiber zugleich in die Pflicht: "Die Bundesnetzagentur wird bei Kanu 2.0 immer darauf achten, dass es keine Exzesse gibt. Keiner soll das als Freibrief verstehen, tun und lassen zu können, was man will." Das habe man 2025 bereits in vertrauensvollen Gesprächen mit einzelnen Betreibern getan. Da habe es auch an dieser Stelle Korrekturen gegeben.
Bundesweit gibt es bei der Entwicklung der Gasnetzentgelte große Unterschiede. Während die Netzkosten im baden-württembergischen Pforzheim laut Enet um 49 Prozent steigen (Musterhaushalt mit 20.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch), sinken sie beispielsweise im Verteilnetz der Eon-Tochter Edis Netz im Nordosten der Republik um 7 Prozent.
Wichtig für die Einordnung sind hier die absoluten Werte. In Pforzheim summieren sich die Jahreskosten für einen genannten Musterhaushalt demnach auf 732 Euro. Im Edis-Netz sind es auch nach Senkung der Entgelte 961 Euro. Alle Preise verstehen sich netto. Wann genau und wie die neuen Netzentgelte weitergereicht werden, hängt von den individuellen Verträgen ab, die Verbraucher mit ihren Versorgern abgeschlossen haben.
Preisanstieg bei Westnetz
Auch Deutschlands größter Verteilnetzbetreiber, die Eon-Tochter Westnetz, hat bereits ihre Preise für 2026 bekanntgegeben. Hier steigt der Preis für einen Musterhaushalt nach ZfK-Berechnung von netto 608 auf 682 Euro – also um rund 12 Prozent.
Bereits zum Jahreswechsel 2024/25 gingen viele Gasnetzentgelte spürbar nach oben. Einer der Gründe dafür: Viele Betreiber konnten erstmals im Rahmen der Festlegung Kanu 2.0 Abschreibungen kürzer ansetzen.
Einen vollständigen Überblick über die Gasnetzentgelte 2026 erhält die Energiebranche Mitte Oktober, wenn alle Netzentgelte veröffentlicht sein müssen. Allerdings handelt es sich hierbei um vorläufige Netzentgelte. Nachjustierungen sind danach noch möglich.
Zum Schluss noch ein Update zu den Stromnetzentgelten. Die Gebietsabdeckung bislang erfasster Netzentgelte betrug laut Enet am Freitagnachmittag bereits fast zwei Drittel. Demnach sinken die Stromnetzkosten bei Haushalten im nächsten Jahr um durchschnittlich 14 bis 18 Prozent, im Gewerbe sogar um bis zu 29 Prozent.
Laut Enet findet sich bisher noch kein Preisblatt mit steigenden oder unveränderten Entgelten. Die vergleichsweise kleinen Stadtwerke Elbtal in Sachsen reduzieren demnach die Entgelte um acht Prozent, wenn man einen Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 4000 kWh als Maßstab nimmt. Die niedrigsten bisher veröffentlichten Netzentgelte finden sich bei der Nordnetz in Schleswig-Holstein. Hier zahlen Familienhaushalte gerade einmal 238 Euro (minus 22 Prozent).
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