Die Finanzierung des Stromnetzausbaus ist diese Woche sowohl in Brüssel als auch in Berlin und München ein großes Thema.

Die Finanzierung des Stromnetzausbaus ist diese Woche sowohl in Brüssel als auch in Berlin und München ein großes Thema.

Bild: © Thorsten Schier/AdobeStock

Von Andreas Baumer

Noch bis zum 15. Oktober haben Verteilnetzbetreiber Zeit, ihre vorläufigen Netzentgelte für 2026 zu veröffentlichen. Doch einige Netzbetreiber wollten nicht so lange warten und haben ihre Preisblätter schon jetzt veröffentlicht. Darunter befinden sich Eon-Netztöchter von Westnetz über Edis bis hin zum Bayernwerk, aber etwa auch die EnBW-Netztochter Netze BW.

Beginnen wir beim größten Verteilnetzbetreiber Westnetz, das große Teile Westdeutschlands abdeckt. Der Grundpreis bleibt dort für klassische Haushaltskunden (Niederspannung, Standardlastprofil) konstant. Der Arbeitspreis sinkt demgegenüber geringfügig: von rund 11,9 auf 11,3 Cent pro Kilowattstunde (kWh).

Schwarz-Rot subventioniert Netzentgelte

Wie stark sich Netzentgelte verändern, hängt von mehreren Faktoren ab. In diesem Jahr sanken wegen regulatorischer Änderungen zum Beispiel vor allem dort die Netzkosten, wo vergleichsweise viel erneuerbarer Strom erzeugt wird, sprich überwiegend in ländlicheren Gegenden.

Mit Blick auf 2026 gab es laut Bundesnetzagentur Änderungen bei den sogenannten singulären Betriebsmitteln und bestimmte Mechanismen bei Verrechnungskonten, die entlastend wirken.  Branche und Politik dürften aber vor allem auch deshalb genau hinsehen, denn die Netzentgelte sollen 2026 deutlich subventioniert werden und auf Übertragungsnetzebene um mehr als die Hälfte sinken. Auch wenn das entsprechende Gesetz noch im Bundestag feststeckt, wird der Zuschuss bereits eingepreist.

Konkret will die Bundesregierung im nächsten Jahr dafür 6,5 Milliarden Euro bereitstellen. Bezuschusst werden damit Übertragungsnetzentgelte. Das Problem: Übertragungsnetzentgelte werden nicht eins zu eins ans Verteilnetz weitergegeben. Wie stark die Entlastung in Verteilnetzentgelte einfließt, hängt vereinfacht gesagt davon ab, wie viel Strom Verteilnetze aus der höheren Ebene beziehen.

Arbeitspreise bei Edis und Bayernwerk sinken stark

Kräftig fällt die Netzentgeltentlastung beim Verteilnetzbetreiber Edis Netz aus, der große Teile Mecklenburg-Vorpommerns und Brandenburgs abdeckt. Auch hier bleibt der Grundpreis für Standardhaushalte konstant. Der Arbeitspreis sinkt dagegen von rund 10,3 auf 6,5 Cent pro kWh.

Beim bayerischen Verteilnetzbetreiber Bayernwerk Netz geht es ebenso spürbar nach unten. Der Arbeitspreis soll für klassische Haushaltskunden von rund 8,8 auf 5,6 Cent pro kWh fallen.

Auch der baden-württembergische Verteilnetzbetreiber Netze BW hat bereits sein Preisblatt für das kommende Jahr veröffentlicht. Hier sinken sowohl der Grund- als auch der Arbeitspreis für klassische Haushaltskunden. Beim Grundpreis werden es statt rund 128 Euro im Jahr nur noch knapp 100 Euro sein. Beim Arbeitspreis geht es von rund 11,6 auf 9,0 Cent pro kWh zurück.

Gewerbe profitiert stärker als Haushalte

Der Datendienstleister Enet erfasst die deutschen Verteilnetzentgelte systematisch. Am Donnerstagnachmittag hatte er nach eigenen Angaben von fast der Hälfte des Gebiets Daten für 2026. Demnach sanken die Netzkosten im Schnitt für kleine Haushalte (Jahresverbrauch 1500 kWh) um 17 Prozent. Bei größeren Haushalten (Jahresverbrauch 4000 kWh) waren es 22 Prozent.

Auffällig: Gewerbekunden in der Mittelspannung profitierten nach bislang erfassten Daten stärker vom Bundeszuschuss. Für sie würden die Netzentgelte um knapp ein Drittel nach unten gehen.

Und wie sieht es bei Stadtwerken aus? Viele kommunalen Netzbetreiber müssen ihre Preisblätter noch veröffentlichen. Einblick gewähren bereits die Stadtwerke Pforzheim in Baden-Württemberg. Dort sinkt der Arbeitspreis von 5,5 auf 5,0 Cent pro kWh.

Update: Dieser Artikel wurde um die Einschätzung der Bundesnetzagentur zu preissenkenden Faktoren ergänzt. (10. Oktober, 13.23 Uhr)

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