Wenn sich am Mechanismus zur Festlegung der Eigenkapitalverzinsung nichts Entscheidendes ändert, laufen wir Gefahr, dass die Energiewende an einer Infrastruktur scheitert, die nicht leistungsfähig genug ist.
Grund hierfür ist die ausschließlich rückwärtsgewandte Betrachtung. Jetzt schon ist die Verzinsung unzureichend und sie soll weiter abgeschmolzen werden. Wir Netzbetreiber haben so keinen Gestaltungsspielraum mehr, notwendige Investitionen für die Zukunftsfähigkeit der Netze zu tätigen.
Anforderungen an Kapazitätsplanung immer komplexer
Im Augenblick kümmert sich alle Welt darum, die digitale Transformation hinzubekommen. Die Welt wird elektrischer. Die Sektoren Strom, Gas, Mobilität und Wärme greifen immer mehr ineinander. Das ist auch zwingend erforderlich, wenn wir die globale Erwärmung abbremsen und die Klimaziele von EU, Bundesregierung und jeweiligem Bundesland erreichen wollen. Mit den aktuellen Regulierungsmechanismen – der Höhe der Eigenkapitalverzinsung und der strikt getrennten Betrachtung der Netze – kann das nicht klappen.
Die Anforderungen an die Kapazitätsplanung werden immer komplexer. Geförderte Wallboxen für Endkunden oder auch – wie hier in Husum – eine batteriebetriebene Küstenbahn erhöhen den Bedarf an elektrischer Energie enorm. Gleichzeitig wird der Ausbau dezentraler Erzeugungsanlagen nach wie vor vorangetrieben. Das sind sehr große Herausforderungen vor denen wir als Netzbetreiber stehen und die enorme Investitionen erfordern. Mit dem weiteren Abschmelzen der Eigenkapitalverzinsung wird uns aber der Handlungsspielraum dafür genommen.
Situation vergleichbar mit dem Straßenbau
In der freien Wirtschaft ist es so, dass Investitionen einigermaßen attraktiv und aussichtsreich sein müssen, sonst tätigt sie keiner. Nur so einfach können wir uns das als Netzbetreiber nicht machen. Dass unser Geschäft immer unattraktiver wird – und Netze an Wert verlieren – sieht man bereits in Teilen bei Konzessionen. Es bewerben sich immer weniger darum.
Die Situation ist vergleichbar mit dem Straßenbau. Wenn man lange nicht in Straßen investiert, passiert einige Jahre erst gar nichts. Und dann – nach 50 Jahren etwa – werden plötzlich viele Autobahnbrücken gleichzeitig marode. Das ist nicht nur gefährlich, sondern dann auch investitionsseitig nicht in kurzer Zeit zu stemmen. Wohin das führt, wissen wir alle.
Großteil des Stromnetzes 50 Jahre alt - nötige Investitionen
Ein Großteil des derzeitigen Stromnetzes in Deutschland stammt aus den 1970er und 1980er Jahren. Das ist jetzt bis zu 50 Jahre her. Wir müssen aber nicht nur kontinuierlich in Wartung und Modernisierung investieren, sondern jetzt ausbauen und Innovationen realisieren, damit wir morgen noch eine hohe Versorgungsqualität haben und die Leistungsfähigkeit der Netze erhalten, um die Digitalisierung und die vollständige Energiewende ermöglichen zu können.
Ohne Strom geht einfach gar nichts mehr. Was passiert, wenn wir keinen Strom mehr haben, ist vielen nicht klar. Man kann es nachlesen in dem Roman „Blackout“ von Marc Elsberg. Kein Internet der Dinge, keine Heizungen, keine Telekommunikation, weder elektrische Eingangstüren, noch Kassen, nicht einmal mehr Tankstellen funktionieren. Alles bricht zusammen. Da liegt viel Arbeit vor uns, um die Versorgung mit Energie während und nach so einem gewaltigen Umbau zu gewährleisten.
Angemessene Eigenkapitalverzinsung
Warum Netze der Energieversorgung zur kritischen Infrastruktur zählen, wird damit wohl überdeutlich. Wir reden hier über die Versorgungssicherheit für Industrie, Handel und Gewerbe, Tourismus Landwirtschaft und Privathaushalten wie auch in immer größerem Maße Mobilität. So eine umwälzende Entwicklung ist mit Investitionen verbunden, für die uns mit dieser Entscheidung einer weiteren Kürzung der Eigenkapitalverzinsung die Mittel fehlen. Der Blick der Regulierung muss in die Zukunft gerichtet sein.
Eigenkapitalverzinsung ist eine Frage der Angemessenheit. Angemessen wären 8 bis 9 Prozent – Basiszins und Wagniszuschlag zusammengenommen. Die Norddeutsche Allianz hat eine Studie zur Eigenkapitalverzinsung in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse wir unter anderem Landesministerien, Landesregulierungsbehörden wie auch Bundesnetzagentur und Bundespolitik überreicht haben.
Basiszins von 4 bis 5 Prozent und Wagniszuschlag von rund 3 bis maximal 4 Prozent
Die geplante Abschmelzung des Eigenkapitalzinses würde Betreiber von Energienetzen hart treffen. Hans-Werner Schwintowski hat einmal gesagt, eigentlich müsste man eine Verzinsung von 12 bis 14 Prozent haben. Diese Dimension werden wir nicht bekommen. Ich denke, realistisch wäre ein Basiszins von 4 bis 5 Prozent und ein Wagniszuschlag von rund 3 bis maximal 4 Prozent. Mit dieser Größenordnung können wir arbeiten und uns auch am Kapitalmarkt Geld beschaffen.
Man muss ja sehen: Der ursprüngliche Sinn, der bei Einführung des Mechanismus zur Festlegung der Eigenkapitalverzinsung gewollt war, ist verloren gegangen. Ziel war eine angemessene, wettbewerbsfähige und risikoangepasste Verzinsung des eingesetzten Kapitals. Durch die Entwicklungen am Geldmarkt ist er verloren gegangen. Negativzinsen stellen eine weltweite Entwicklung dar.
Zukunft der Erdgasnetze unklar
Die Zukunft von Erdgas ist klar, denn sie wird von der Politik als endlich betrachtet. Die Zukunft der Erdgasnetze ist dagegen unklar. In der aktuellen Situation wissen wir nicht, ob wir sie in 10 Jahren noch mit Gas betreiben dürfen oder unsere Gasnetze vielleicht sogar relevant sind, um die Wasserstoffstrategie der Bundesregierung überhaupt in die Tat umsetzen zu können.
Zukunft gestalten kann ich nur, wenn ich auch mutig in innovative Lösungen investieren kann. Wenn ich heute dagegen nicht für morgen vorsorgen darf, – weil Investitionen durch Regulierungsmechanismen behindert anstatt gefördert werden – sind sowohl Standortvorteile als auch Daseinsvorsorge in Gefahr. (Norbert Jungjohann/hcn)
Mehr zur Anreizregulierung und zum EKZ können Sie ab dem 9.08. in der Augustausgabe der ZfK lesen.



