Der Energieversorger Eon will die Investitionen in den Ausbau seiner Energienetze erhöhen. Das Investitionsvolumen werde weiter steigen, sagte Eons Netzvorstand Thomas König am Donnerstag bei einer Pressekonferenz im brandenburgischen Biesenthal. Der Manager schränkte ein, dass dies vom Aufsichtsrat noch genehmigt werden müsse. Er verwies aber auch auf die vergangenen Jahre, als Eon seine Investitionsziele stets nach oben geschraubt habe. Nach aktuellem Stand wollen die Essener bis 2027 rund 26 Mrd. Euro in die Hand nehmen.
König appellierte auch an die Bundesnetzagentur als regulierende Behörde, die Anreize für Neuinvestitionen zu erhöhen. Dabei geht es unter anderem um die Eigenkapitalverzinsung, die laut einem aktuellen Vorschlag der Bundesnetzagentur von fünf auf sieben Prozent steigen soll. Netzbetreiber wie Eon könnten neue Investitionen dann schneller zurückverdienen. Eon plädiert für eine stärkere Erhöhung. Laut König wäre es billiger, den Unternehmen höhere Zinsen auf das investierte Kapital zu bezahlen, als die momentan durch Netzengpässe entstehenden Kosten zu tragen.
Energieerzeuger bekommen beispielsweise Entschädigung für Erneuerbare Energie, die aus Kapazitätsgründen abgeregelt wird. Auch der Ausgleich von Stromengpässen verursacht Kosten. Wenn die Netze wegen unattraktiver Bedingungen nicht ausgebaut würden, sei das teurer, als im Zweifel Überkapazitäten zu haben, sagte König.
Möglicher Energie-Beirat
Mit Blick auf die Debatte um zusätzliche Kompetenzen der Bundesnetzagentur sagte der Eon-Manager, es dürfe "keine Super-Behörde entstehen, die sich jeder Kontrolle entzieht". Ein möglicher Energie-Beirat sei dabei ein gangbarer Weg.
König appellierte auch an die Eigenverantwortung der Bonner Behörde. "Jede Organisation steht und fällt mit den Menschen, die dort arbeiten und wie sie ihre Freiheiten ausschöpfen. Ich setze darauf, dass die Mitarbeiter der Bundesnetzagentur abwägen und nicht einseitig zugunsten des Verbraucherschutzes entscheiden."
Absage an Strompreiszonen
Sowohl BNetzA-Chef Müller als auch Eon-Manager König sprachen sich gegen die Aufteilung Deutschlands in verschiedene Stromgebotszonen aus. "Die empirische Wirksamkeit von Strompreiszonen ist nicht nachgewiesen", argumentierte König. "Wir entziehen den Märkten Liquidität."
Das Problem seien die Netzengpässe, betonte Klaus Müller. "Wir können nachweisen, dass Planung und Bau von Netzen mittlerweile schneller vorangehen. Hier müssen wir weiter ansetzen. Durch Strompreiszonen gewinnen wir nichts."
Verringerung von Netzbetreibern
Auch in der Debatte um die Verringerung der Anzahl von Netzbetreibern waren sich die Diskutanten einig. "Ich bin ein Freund von marktwirtschaftlichen Lösungen, daher lehne ich einen staatlichen Netzbetreiber oder eine Verringerung der Anzahl der Netzbetreiber ab", sagte König. Zudem klappe das Zusammenspiel von großen Energieversorgern und Stadtwerken gut.
Eon biete eine Vielzahl von Kooperationen an, die gerade kleineren Stadtwerken hilfreich sein könnten, um die Herausforderungen beim Netzausbau zu meistern. "Viele Kommunen, die vor einigen Jahren rekommunalisiert haben, suchen nun wieder stärker die Zusammenarbeit", so der Eon-Manager.
Ähnlich beurteilte dies Müller. Zwar gebe es etwa Größenvorteile von Energiekonzernen bei Digitalisierungsprojekten. "Aber Kooperation und Service-Gesellschaften können da helfen, ich setze da auf die Kreativität der Akteure", resümierte der Behördenchef. (jk mit dpa)



