Diskutierten bei den Berliner Energietagen über den Netzausbau (von links oben nach rechts unten): Moderatorin Carolin Schenuit, Geschäftsführerin, FÖS; Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur; Kristina Jeromin, Geschäftsführerin, Green and Sustainable Finance Cluster Germany; Verena Bentele, Präsidentin, Sozialverband VdK Deutschland; Matthias Dümpelmann, Geschäftsführer, 8KU GmbH und Christian Otto, Geschäftsführer, VEA.

Diskutierten bei den Berliner Energietagen über den Netzausbau (von links oben nach rechts unten): Moderatorin Carolin Schenuit, Geschäftsführerin, FÖS; Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur; Kristina Jeromin, Geschäftsführerin, Green and Sustainable Finance Cluster Germany; Verena Bentele, Präsidentin, Sozialverband VdK Deutschland; Matthias Dümpelmann, Geschäftsführer, 8KU GmbH und Christian Otto, Geschäftsführer, VEA.

Bild: © Julian Korb

Wie kann die Elektrifizierung gelingen und wer zahlt auf dem Weg dahin wofür? Darum ging es in einer Panel-Diskussion des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) bei den Berliner Energietagen 2024. Mit dabei war auch Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur (BNetzA), der an den laufenden Konsultationsprozess zur Reform der Anreizregulierung erinnerte. Dort will die Regulierungsbehörde unter anderem einen sogenannten Energiewende-Kompetenz-Bonus einbauen.

"Wenn ein Verteilnetzbetreiber bei der Energiewende wirklich schneller, digitaler, einfacher, pfiffiger ist, dann soll er auch eine Belohnung erhalten", so Müller. Im Januar hatte die BNetzA dazu ein Eckpunktepapier zur Diskussion gestellt. "Die Rückmeldungen hierzu werten wir gerade aus. In diesem Jahr noch wollen wir die Festlegungsentwürfe noch mal konkret zur Diskussion stellen."

Subvention des Stromnetzes

Müller sagte auch, er freue sich über jeden Cent staatlichen Zuschusses für den Netzausbau. So habe er sich für den Bundeszuschuss zu den Netzentgelten in Höhe von 5,5 Mrd. Euro "hinter den Kulissen vehement eingesetzt". Allerdings sieht der Behördenchef in den kommenden Jahren keine politischen Mehrheiten für "eine Subvention des Netzes im zweistelligen Milliardenbereich". Auf staatliches Geld zu setzen, sei daher "die falsche Strategie".

Deshalb sei es umso wichtiger, die Netzkosten möglichst zu reduzieren, sowie alle Beschleunigungsmöglichkeiten, etwa in der Digitalisierung, zu nutzen. Müller nannte auch flexible Lasten und Speicher als Möglichkeiten, um unnötigen Netzausbau zu verhindern.

Vergünstigte Netzentgelte für Industrie

Wind- und PV-Netzanschlüsse zu kombinieren, wie vom Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) vorgeschlagen, sei ebenfalls eine tolle Idee. Auch das Bundeswirtschafts- und Klimaschutzministerium (BMWK) habe sich beim Netzanschlussgipfel diese Woche dazu aufgeschlossen gezeigt. "Das Ministerium arbeitet hierzu bereits an einer Umsetzung, die im Sommer oder im Herbst in einer EnWG-Novelle enthalten sein könnte", so der BNetzA-Präsident.

Bezüglich vergünstigter Netzentgelte für die Industrie kündigte Müller ein Eckpunktepapier für den Spätsommer an. "Die alte Welt, in der wir Bandlasten und atypische Lasten subventioniert und privilegiert haben ‒ die wird es so nicht mehr geben können." Dies sei nach Einschätzung des Behördenchefs nicht europarechtskonform. Es brauche aber ein neues System, "weil wir der Industrie nicht die vollen Netzkosten aufbürden können." Als einen Ausweg nannte er etwa gezielte Anreize für den flexiblen Stromverbrauch.

Mittelstand fürchtet Netzentgeltkosten

Müller erntete für seine Ausführungen in der Diskussion sowohl Zustimmung als auch Kritik. Christian Otto, der als Geschäftsführer des VEA den stromverbrauchenden Mittelstand vertritt, äußerte sich positiv über mehr Anreize für Netzbetreiber, damit diese schneller werden. Jedoch war er der Meinung, dass der Staat sehr wohl die Mehrkosten finanzieren sollte.

"Da kommen gewaltige Umrüstungskosten auf uns zu", sagte Otto. Allein bei den Verteilnetzen seien es mehrere Hundert Milliarden Euro. Die Netzentgeltentwicklung mache ihm Sorgen. "Als Unternehmen habe ich bei einer Verdreifachung der Netzentgeltkosten keine Zukunftsperspektive."

Unnötige Elemente in der Regulatorik

Matthias Dümpelmann, Geschäftsführer des Kommunalen-Netzwerks 8KU, erinnerte daran, dass das Netz nicht nur ausgebaut, sondern auch optimal genutzt werden müsse.In Prognosen rechne die Politik im Jahr 2030 mit einer Leistung von 330 Gigawatt (GW) im Verteilnetz. Das Netz sei derzeit aber nur auf 80 bis 90 GW ausgelegt.

Den BEE-Vorschlag zur Überbauung von Netzverknüpfungspunkten befürwortete Dümpelmann ebenfalls. "Die Überlappung von einspeisenden Anlagen würde extrem viel Potenzial freigeben." Zudem könne ein "kluges, systemisches Marktdesign" dabei helfen, die "Systemkosten in den Griff zu bekommen". "Wir haben ganz viele unnötige Elemente in der Regulatorik, die schleunigst wegmüssen." Er nannte etwa die unscharfe gesetzliche Definition von Speichern sowie die uneinheitliche CO2-Bepreisung.

Reporting für privates Kapital

Dass es bei der Energiewende nicht ohne privates Kapital geht, betonte Kristina Jeromin, Geschäftsführerin vom Green and Sustainable Finance Cluster Germany. "Wir sollten uns zum Neuaufbau einer neuen Energieinfrastruktur der Kraft der Finanzwirtschaft bedienen."

Sicherheiten wie etwa Ausfallgarantieren seien für die Unternehmen enorm wichtig. Für die Kreditwirtschaft sei dabei entscheidend, zu wissen, wo Unternehmen innerhalb ihres Transformationsprozesses stünden. "Dazu gehört auch, dass Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsberichte machen." Der zusätzliche Aufwand würde sich langfristig lohnen, um bessere Kreditbedingungen zu bekommen, resümierte Jeromin. (jk)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper