"Die von der Bundesnetzagentur beabsichtigte Absenkung der Eigenkapitalzinssätze wird bei allen Netzbetreibern zu deutlichen Ergebniseinbrüchen führen. Das schwächt vor allem die kommunalen Haushalte jener Städte und Gemeinden, die Stadtwerke betreiben oder sich an Stadtwerken beteiligen und die Erlöse aus diesem Engagement eingeplant haben. Die Absenkung führt darüber hinaus auch zu weniger Investitionen der Netzbetreiber in ihre Infrastruktur", so Yvonne Schweickhardt, Sprecherin von Badenova gegenüber der ZfK.
Es würden nur noch die "Muss-Invests" realisiert, die für die ökologische Energiezukunft so notwendigen "Kann-Invests" blieben jedoch auf der Strecke. Der zwingend notwendige Ausbau der Stromnetze, auch im Hinblick auf Sektorkoppelung und Digitalisierung, werde auf der Basis dieser Verzinsungsperspektiven nicht in der nötigen und von der Politik geforderten Form stattfinden, so Schweickhardt.
Chef von Netze BW ist besorgt
"Ich bin besorgt über die Konsultation der Bundesnetzagentur, den Eigenkapitalzinssatz für die nächste Regulierungsperiode auf allerhöchstens 4,89 % festzulegen", sagt auch Christoph Müller, Vorsitzender der Geschäftsführung von Netze BW. Dieses Signal für eine restriktive und zurückhaltende Investitionspolitik im aktuellen Umfeld der Energiewende sei falsch. Die deutschen Netzbetreiber würden ihre Netze immer versorgungssicher und zuverlässig betreiben.
Aber schon dafür steigen die Investitionssummen über die nächsten Jahre deutlich an und insofern sei dieses Ziel bei dem jetzt absehbaren EK-Zinssatz eine gewaltige Herausforderung. Für einen die Energie- und Verkehrswende proaktiv gestaltenden Netzausbau werde es bei diesem Zinssatz aber schwierig, so Müller.
Sinkende Erneuerungsquote - ansteigende Störungen
Auf die negativen Auswirkungen der geplanten EKZ-Absenkung verweist auch Norbert Jungjohann, Chef von Husum Netz. Netzanschlüsse selbst - egal ob zur Versorgung oder zur Einspeisung – sieht er davon zwar eher nicht betroffen. Daraus notwendig werdende Netz- oder Anlagenverstärkungen könnten schwieriger zu finanzieren sein. Zeitlich verschieben könnten sich in jedem Fall die Erneuerung von Kabel- oder Rohrleitungsstrecken bzw. Trafo- oder Gasdruckregelstationen.
"Das Problem dabei: Sie merken die Auswirkungen nicht sofort. Eine Erneuerungsquote von < 1 führt über einen längeren Zeitraum unweigerlich dazu, dass das Störungsgeschehen immer mehr ansteigt. In Zukunft beschäftigen Sie sich dann mehr mit der Behebung von Störungen und nicht mit der Entwicklung und dem Ausbau der Netze - schon gar nicht werden diese so effizienter oder intelligent. Kundenorientierung geht anders", so Jungjohann gegenüber der ZfK.
"Eine Abwärtsspirale setzt sich in Gang"
Der Chef von Husum Netz verweist auch noch auf einen weiteren Effekt, der mittelbar auftrete, nämlich die aktuell massiven Teuerungen von Material und Tiefbauleistungen. Das könne eine weitere Stellschraube sein, die zum einen dazu führe, dass bei gleichem Budget weniger Projekte realisieren könnten - bei weniger Budget noch weniger Projekte.
"Wenn ich dann aber auch noch weniger ausschüttungsfähiges Kapital re-investieren kann, muss ich mir mehr Fremdkapital am Kapitalmarkt besorgen. Effekt 1: die kalkulatorische EK-Quote sinkt unter 40 %. Effekt 2: unter einer bestimmten handelsrechtlichen EK-Quote verteuert sich der Zins, so dass ich auch darüber weniger Kapital für Investitionen zur Verfügung hätte. Eine Abwärtsspirale setzt sich in Gang", warnt Jungjohann. (hcn)
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