In einer Entschließung zur EU-Strategie zur Verringerung der Methanemissionen, die am Donnerstag mit 563 gegen 122 Stimmen und 11 Enthaltungen angenommen wurde, fordern die EU-Abgeordneten die Kommission auf, verbindliche Maßnahmen und Methanreduktionsziele für alle Sektoren vorzuschlagen. Ziel müsse es sein, die Methanemissionen in der EU bis 2030 in Übereinstimmung mit dem Pariser Abkommen deutlich zu reduzieren. Sie fordern außerdem ein verbindliches globales Abkommen über Methan auf der COP26 in Glasgow, heißt es in einer Pressemitteilung.
Die Abgeordneten betonen, dass die Verringerung der vom Menschen verursachten Methanemissionen eine der kosteneffizientesten Strategien zur Verlangsamung des Klimawandels ist.
MRV soll obligatorisch werden
Die Abgeordneten fordern eine obligatorische Überwachung, Berichterstattung und Überprüfung (MRV) für alle Methan emittierenden Sektoren sowie obligatorische Programme zur Erkennung und Reparatur von Lecks (LDAR) für den Energiesektor und die petrochemische Industrie, um Lecks zu reparieren und so die Emissionen zu minimieren.
In den Blick nehmen die Parlamentarier neben der Landwirtschaft auch den Abfall- sowie den Energiesektor. Die Nutzung von Deponien sei die umweltschädlichste Art der Abfallentsorgung, sowohl im Hinblick auf Treibhausgasemissionen als auch auf andere Schadstoffe in Luft, Boden und Wasser, heißt es. Die Abgeordneten fordern die Kommission daher auf, verbindliche EU-Ziele für Gewerbe- und Industrieabfälle festzulegen und bei der Überarbeitung der Abfallrichtlinie und der Richtlinie über Abfalldeponien Ziele für die Begrenzung des Restmüllaufkommens vorzuschlagen.
Energiesektor im Blick
Was den Energiesektor angeht, wollen die Abgeordneten, dass der Ausstieg aus der Nutzung aller fossilen Brennstoffe in der EU so schnell wie möglich erfolgt. 80 Prozent des in der EU verbrauchten Öls und Gases werden importiert. Fossile Brennstoffe sollten daher nur dann importiert werden, wenn sie EU-Vorschriften entsprechen, fordern die Abgeordneten. Die Aufdeckung von Lecks sollte durch eine strenge Meldepflicht und die Verpflichtung, potenzielle Lecks innerhalb eines klar definierten Zeitraums zu reparieren, verstärkt werden.
BDEW-Chefin Kerstin Andreae begrüßt den Vorstoß. Es sei richtig, zunächst die bestehende Datenbasis zu Methanemissionen EU-weit zu verbessern. Die Entwicklung und Einführung von einheitlichen, EU-weiten Standards und Verfahren für Messung und Berichterstattung sei erforderlich, um mehr Transparenz und eine bessere Vergleichbarkeit zu erzielen. Aufbauend auf dem verbesserten Informationsstand sollten dann gezielt Maßnahmen zur Vermeidung von Methanemissionen erfolgen. Positiv seien auch die Pläne zur weiteren Reduktion von Leckagen. Diese würden an die bisherigen Maßnahmen der Gaswirtschaft anknüpfen.
Auf Biogas setzen
Zu unterstützen sei zudem, dass das EU-Parlament wie die Kommission verstärkt auf Biogas setzt, um die Methanemissionen der Landwirtschaft über eine Verwertung von Abfall und Reststoffen in Biogasanlagen zu reduzieren. Dabei müsse jedoch eine nachhaltige Bodenbewirtschaftung gewährleistet werden, um weitere Nitrat- und Phosphatbelastungen zu vermeiden.
Kritisch sieht der Verband hingegen die Forderung des Parlaments, verbindliche Reduktionsziele bereits vor dem Vorliegen einer verlässlichen Datenbasis gesetzlich festzuschreiben. „So drohen Regelungen, die aufgrund nicht vergleichbarer Messmethoden wenig zielführende Maßnahmen vorschreiben“, warnt Andreae.
Gasinfrastruktur wird weiter benötigt
Für die künftige vollständige Versorgung mit erneuerbaren und dekarbonisierten Energieträgern werde weiterhin die Infrastruktur benötigt, die im Übergang noch konventionelle Energieträger wie Erdgas transportiert. „Die vom EU-Parlament geforderte Beendigung der europäischen Unterstützung für Infrastrukturprojekte für konventionelle Energieträger sowie Einschränkungen des Imports von konventionellen Energieträgern in die EU gehen deshalb am eigentlichen Ziel der Transformation des Gassystems vorbei“, so die Verbandschefin.
Bezüglich der Importe erscheint der Ansatz der Europäischen Kommission sinnvoller, auf dem diplomatischen Weg und durch Zusammenarbeit in internationalen Organisationen global auf eine strengere Eindämmung der Methanemissionen hinzuwirken. Freiwillige und privatwirtschaftliche Initiativen wie „Methane Guiding Principles“ (MGP) und „Oil and Gas Methane Partnership“ (OGMP) seien wichtige Hebel, um schnell Fortschritte bei Messung und Berichtswesen sowie Reduzierung der Methanemissionen zu erzielen.“ (amo)



