Stromexporte statt Stromausfälle: Frankreich, eines der großen Sorgenkinder auf dem europäischen Energiemarkt, ist deutlich besser ins neue Jahr gestartet als befürchtet.
So wurden bislang Stand Mittwochmittag 1,85 TWh Strom netto ins Ausland exportiert, wie aus Daten der Fraunhofer-Plattform Energy-Charts hervorgeht. Nettoabnehmerländer waren dabei Italien, die Schweiz, Großbritannien und auch Deutschland.
44 Kernkraftwerke wieder am Netz
Dies steht im Kontrast zu großen Teilen des vergangenen Jahres, als Frankreich vor allem wegen erheblicher Probleme im heimischen Kernkraftwerkspark massiv Strom aus dem Ausland importieren musste. Seitdem hat sich die Situation an mehreren Fronten verbessert.
Inzwischen produzieren wieder 44 der insgesamt 56 französischen Kernkraftwerksblöcke Strom, wie die Plattform Nuclear Monitor zeigt. Am Mittwochmittag speisten französische Kernkraftwerke auch 44 von insgesamt 61 installierten GW ins Netz ein. Damit liegt die Kernkraftwerksleistung solide über dem Wert von 40 GW, den die deutschen Übertragungsnetzbetreiber für ihr kritischstes Winterszenario angenommen hatten.
Hoher Windstromertrag
Zudem legte der Windstromertrag im Vergleich zu den Vorjahreszeiträumen kräftig zu. Nach Energy-Charts-Angaben produzierten Windkraftanlagen die erste volle Woche 1,5 TWh Strom. In der ersten Woche 2022 waren es 1,2 TWh gewesen, Anfang 2021 sogar nur 0,4 TWh.
Nicht zuletzt trug das vergleichsweise milde Wetter zur Entspannung auf dem französischen Strommarkt bei. Denn fällt das Thermometer um ein Grad Celsius, steigt der Strombedarf in Frankreich um etwa 2,4 GW, was in etwa der Leistung von zwei Kernkraftwerken entspricht. Die Auswirkung der Witterung ist auch deshalb so groß, weil viele französischen Haushalte mit Strom heizen.
Mildes Wetter
Tatsächlich fiel Frankreichs Stromerzeugung entsprechend des geringeren Bedarfs in der ersten Woche vergleichsweise niedrig aus, wie Energy-Charts-Zahlen zeigen. Demnach wurden in diesem Zeitraum 10,2 TWh Strom produziert. In der ersten Woche 2022 waren es 11,2 TWh, im selben Zeitraum 2021 sogar 12,3 TWh.
Damit fiel es auch weniger ins Gewicht, dass die Kernkraftwerke in der ersten Woche 2023 deutlich weniger Strom erzeugten als in den beiden Vorjahreszeiträumen. Laut Energy-Charts waren es 6,9 TWh im Vergleich zu 7,6 und 8,6 TWh.
"Kann sich schnell wieder ändern"
Auch auf den Großhandelsmärkten hat sich die Lage deutlich entspannt. Der Day-Ahead für diesen Donnerstag kostete an der Kurzfristbörse Epex Spot 81 Euro pro MWh. Wer ein Monatsband für den als kritisch eingeschätzten Februar kaufen wollte, zahlte dagegen schon wieder 188 Euro pro MWh.
Auch Nicolas Goldberg, Energieexperte beim Beratungsunternehmen Colombus Consulting, äußerte sich in einem Interview mit dem Sender BFTMV weiterhin vorsichtig. "Alles kann sich schnell ändern, wenn es im Februar einen Kälteschock und wenig Wind gibt." (aba)



