Aufbruchstimmung herrschte bei der Präsentation des "EU Market Outlook for Solar Power 2022-2026" durch den europäischen Branchenverband Solarpower Europe bei einem Webinar am Montag.
"Unsere optimistischen Prognosen wurden nochmals übertroffen", freute sich Walburga Hemetsberger, Chefin des Branchenverbands. PV-Anlagen mit einer Leistung von 41 Gigawatt (GW) gehen in diesem Jahr in Europa voraussichtlich ans Netz, ein Wachstum um 47 Prozent gegenüber dem bisherigen Rekordjahr 2021 (28,1 GW, plus 42%). Die gesamte installierte PV-Leistung in Europa kletterte auf knapp 209 GW.
Deutschland mit 7,9 GW Zubau in 2022 an der Spitze
Mit einem Zubau von 7,9 GW liegt Deutschland an der Spitze, gefolgt von Spanien (7,5 GW) und Polen (4,9 GW). Weitere "Top-10"-Länder in punkto PV-Marktwachstums sind in 2022 die Niederlande (4,0 GW), Frankreich (2,7 GW), Italien (2,6 GW), Portugal (2,5 GW), Dänemark (1,5 GW), Griechenland (1,4 GW) und Schweden (1,1 GW).
"2022 ist das Jahr, in dem die Solarenergie in der EU zum ersten Mal ihr wahres Potenzial zeigte, angetrieben von rekordverdächtig hohen Energiepreisen und geopolitischen Spannungen, die ihren Business Case weitgehend verbesserten", konstatierte Hemetsberger.
Simson baut auf noch stärkeres künftiges Wachtstum
Eine Lanze für die Photovoltaik als heimische, krisenfeste erneuerbare Energiequelle brach die in einem aufgezeichneten Video zugeschaltete EU-Energiekommissarin Kadri Simson. "Wir bauen auf ein noch stärkeres künftiges Wachstum", unterstrich sie.
Und die Prognosen gehen in diese Richtung. So rechnet SolarPower Europe in einem mittleren Szenario damit, dass 2023 PV-Anlagen mit einer Leistung von 53 GW neu zugebaut werden, in 2026 85 GW. Die Zahl der europäischen Länder mit einem jährlichen PV-Zubau von mehr als 1 GW klettert bis dann von derzeit 10 auf 18.
"Richtigen Grundlagen für den Solarmarkt der Zukunft schaffen"
Wächst der Solarmarkt weiter wie erwartet, werden jedenfalls die Zielmarken des RepowerEU-Plans der Brüsseler Kommission für die kommenden Jahre nochmals deutlich übertroffen. So rechnet Solarpower Europe damit, dass bis 2030 920 GW PV-Leistung installiert sind, RepowerEU peilt 750 GW an.
Doch trotz aller Rekordmeldungen, gilt es die Rahmenbedingungen für den Ausbau der Photovoltaik noch weiter zu verbessern und Hürden abzubauen. "Lassen wir uns von den diesjährigen Ergebnissen inspirieren, noch härter zu arbeiten und die richtigen Grundlagen für den EU-Solarmarkt der Zukunft zu schaffen", unterstrich Energiekommissarin Simson.
Mehr qualifzierte Solateure, schnellere Genehmigungen, nachhaltige Lieferketten
Aus Sicht von Solarpower Europe muss es unter anderem gehen, dass die politischen Entscheidungsträger in allen EU-Mitgliedsländern das Wachstumspotenzial der Photovoltaik noch stärker als Chance begreifen und in ihren nationalen Energie- und Klimaplänen (NECP) berücksichtigen.
Zudem sei es nötig, den Pool an zertifizierten Solarinstallateuren und qualifizierten Arbeitskräften durch gezielte Weiter- und Ausbildungsoffensiven zu vergrößern. Dazu komme der Abbau von Bürokratie und schlankere Genehmigungsverfahren für den Netzanschluss und den Bau von Anlagen, ein schnellerer Netzausbau sowie die Sicherstellung nachhaltiger und zuverlässiger Lieferketten für die Photovoltaik.
EU Solar PV Industry Alliance
Auch Simon unterstrich die Notwendigkeit die europäische PV-Fertigung zu auszubauen und heimische Lieferketten zu stärken. Dies biete auch enorme industriepolitische Chancen. Unterstützt werden soll dies durch die "EU Solar PV Industry Alliance", welche die EU-Kommission jüngst auf den Weg brachte. (hcn)



