Evu+ steht für „Energiewende von unten“.

Evu+ steht für „Energiewende von unten“.

Bild: © VectorMine/AdobeStock

Die Umstellung auf erneuerbare Energie ist eine große Chance für ländliche Regionen in der EU. Denn sie profitieren besonders mit einem Anstieg von bis zu 4,9 Prozent bei der Beschäftigung und bis zu 1570 Euro pro Kopf bei der Wertschöpfung bis 2050, wie eine neue Studie der Bertelsmann Stiftung herausgefunden haben will. Dies soll für eine verbesserte europäische Kohäsion sorgen, also für mehr Ausgeglichenheit zwischen den Regionen in Europa und stärkeren wirtschaftlichen Zusammenhalt.

Regionen, die beim Ausbau erneuerbarer Energie ohnehin schon führend sind, und ländliche Gebiete mit großem Potenzial zur Erzeugung erneuerbarer Energie, sollen dabei am meisten von der Energiewende profitieren. Ein gutes Beispiel sei etwa der Gegensatz zwischen Berlin und Brandenburg: Der ländliche Raum rund um die deutsche Hauptstadt könnte profitieren, während Berlin selbst einige Herausforderungen zu bewältigen hat, heißt es in der Studie.

2 Prozent weniger Beschäftigung

Demgegenüber stellt die Energiewende für viele städtisch geprägte Regionen und Gebiete, deren Industrie stark von fossilen Energieträgern abhängig sind, eine Herausforderung dar. Sie könnte sich negativ auf die Beschäftigung und den wirtschaftlichen Wohlstand auswirken. Denn in diesen Regionen können die durch den Ausstieg aus der fossilen Energieerzeugung verloren gehende Wertschöpfung und Arbeitsplätze nicht vollständig durch den Ausbau der erneuerbaren Energieerzeugung ersetzt werden, heißt es weiter.

In Zahlen bedeutet dies: Bis zu 2450 Euro weniger pro Kopf bei der Wertschöpfung und bis zu 2,1 Prozent weniger Beschäftigung bis 2050. Diese Unterschiede zwischen den Regionen sind auf ihr jeweiliges Potenzial zur Erzeugung erneuerbarer Energie und ihren Wirtschaftsstrukturen zurückzuführen, schreiben die Studienautoren.

Vor allem ländliche Regionen, die meist als wirtschaftlich schwächer gelten, würden daher eher von der Energiewende profitieren als städtische, meist wirtschaftlich stärkere Regionen. Dadurch gestalte sich die wirtschaftliche Landkarte in Europa neu. In Summe komme es EU-weit allerdings zu keinen nennenswerten Auswirkungen was Wertschöpfung und Beschäftigung für die gesamteuropäische Wirtschaft betreffe.

Erweiterung der Strategie

"Was es angesichts dieser regionalen Unterschiede braucht, ist eine Erweiterung der (EU-)Strategie", sagt Thomas Schwab, Europaexperte von der Bertelsmann Stiftung.

Einerseits müsse den negativen Auswirkungen insbesondere in städtischen Regionen entgegengewirkt werden. Andererseits müsse ländlichen Regionen dabei geholfen werden, ihr volles Potential zu entfalten.

Rückhalt nicht verlieren

So müsse die europäische Kohäsionspolitik ihren Anwendungsbereich auf städtisch geprägte Regionen, die bisher weniger berücksichtigt wurden, erweitern. Gleichzeitig gelte es, ländliche Regionen weiterhin im Fokus zu behalten, damit die durch die Energiewende entstehenden Potenziale auch tatsächlich gehoben werden.

"Die EU steht vor der großen Aufgabe, ihren Green Deal und die Energiewende so zu gestalten, dass möglichst alle Regionen von den Chancen profitieren", so Schwab weiter. "Lässt sie es zu, dass es Verlierer gibt, gefährdet dies den politischen und öffentlichen Rückhalt für dieses europäische Jahrhundert-Projekt."

Die Europäische Union will bis 2050 klimaneutral werden – das ist das Herzstück des sogenanneten Green Deals. Die größte Herausforderung ist dabei die Dekarbonisierung des europäischen Energiesystems. (jk)

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