Ähnliche Arbeiten wie hier nahe Schwerin könnten bald auch in Bad Oldesloe (Schleswig-Holstein) zu beobachten sein.

Ähnliche Arbeiten wie hier nahe Schwerin könnten bald auch in Bad Oldesloe (Schleswig-Holstein) zu beobachten sein.

Bild: © Jens Büttner/dpa

Um das Ziel der Klimaneutralität bis 2045 zu erreichen, ist der Ausbau erneuerbarer Energien entscheidend. Der Erfolg der Energiewende hängt jedoch nicht nur von erheblichen Investitionen in erneuerbare Energien ab, sondern auch von der Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte.

Stellenanzeigen mit direktem Bezug zur Solar- oder Windenergie machen zwar noch einen kleinen Teil des Arbeitsmarktes aus. Doch die Nachfrage nach Fachkräften in diesen Technologiebereichen ist seit 2019 deutlich gestiegen. Eine Studie von Forschenden des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), herausgegeben von der Bertelsmann-Stiftung, hat den Kompetenzbedarf in beiden Bereichen untersucht. Dazu wurde eine umfassende Analyse von Online-Stellenanzeigen durchgeführt.

Zudem prüften die Wissenschaftler:innen, ob zusätzliche oder andere Fähigkeiten für die Umsetzung der Energiewende erforderlich sind. Der Untersuchungszeitraum erstreckt sich vom 1. Januar 2019 bis zum 30. Juni 2023.

Hohe Kompetenzanforderung für Windenergie

Im Bereich Windenergie zeigen sich die größten fachlichen Unterschiede bei den Fachkräften für Elektromaschinentechnik und Bauelektrik sowie bei den Spezialist:innen für Mechatronik. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass der Ausbau der Windenergie besonders komplex ist und sorgfältige Planung sowie Steuerung erfordert. Daher enthalten Stellenanzeigen mit direktem Bezug zur Windenergie eine größere Anzahl an fachlichen und „transversalen“ Kompetenzanforderungen im Vergleich zu den Anzeigen im Bereich Solarenergie.

Transversale Kompetenzen beziehen sich auf übergreifende Fähigkeiten wie Teamarbeit, Selbstständigkeit und Planungsfähigkeit. Neben spezifischen Fachkenntnissen für den On- und Offshore-Windenergiebereich sind auch verstärkt kommunikative und soziale Fähigkeiten erforderlich. Auch im branchenübergreifenden Vergleich ist die Anzahl der geforderten Kompetenzen im Bereich Windenergie höher.

Solarspezifische Fachkenntnisse nötig

Im Bereich Solarenergie finden sich die erheblichsten Abweichungen bei den Fachkräften für Dachdeckerei sowie bei Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, aber auch bei spezialisierten Tätigkeiten wie den Aufsichtskräften für Elektrotechnik.

Für die Montage von Photovoltaik-Modulen existiert derzeit keine eigenständige Ausbildung. Daher greifen die Betriebe in diesen Fällen auf Fachkräfte aus den genannten Bereichen zurück. Um diesem Bedarf gerecht zu werden, gibt es bereits Weiterbildungsmöglichkeiten als Solateur:in.

Eigenständige Ausbildungen fehlen oft

Die für die Energiewende benötigten Kompetenzen lassen sich laut Studie durch berufliche Ausbildung, Studium, Umschulung oder Weiterbildung erwerben. Einerseits entstehen neue Berufsfelder wie im Bereich regenerative Energietechnik, für die es spezielle Ausbildungsmöglichkeiten gibt, andererseits gibt es bereits Einstiegsmöglichkeiten durch passende Weiterbildungen für Arbeitskräfte in etablierten Berufen (beispielsweise aus dem Handwerk).

Der Aus- und Weiterbildung kommt daher für die Energiewende eine besondere Bedeutung zu. Bei den Stellenangeboten mit direktem Bezug zur Wind- und Solarenergie zeigt sich, dass im Vergleich zu klassischen Berufen (wie z.B. Dachdecker oder Elektromaschinentechniker) häufig gerade andere fachspezifische Kompetenzanforderungen notwendig sind. Gleichzeitig gibt es sehr häufig bislang noch keine eigenständigen Ausbildungsberufe, wie z.B. die oben genannte Montage von Photovoltaikmodulen. 

Potenzial Geringqualifizierter

Ungelernte Arbeitskräfte können laut den Forschenden ein bedeutendes Potenzial darstellen. Besonders im Bereich Solarenergie ist die Qualifizierung von Ungelernten als Solateur:in, der/die für die Montage von Solarmodulen verantwortlich ist, von großer Bedeutung. Bei der Qualifizierung von Geringqualifizierten sollte insbesondere geprüft werden, inwieweit vermehrt Teilqualifikationen eingesetzt werden können, da diese eine schnelle Einsatzfähigkeit ermöglichen und perspektivisch den Erwerb eines Berufsabschlusses fördern. Darüber hinaus sollte auch Quereinsteigern der Einstieg durch modulare Qualifikationen erleichtert werden.

Um Berufe und die damit verbundenen Ausbildungswege im Bereich erneuerbarer Energien attraktiver zu gestalten, müssen junge Menschen zudem frühzeitig über die relevanten Berufe in der Wind- und Solarenergie informiert werden. Dabei sollte besonders die Bedeutung dieser Berufe für den Klimaschutz hervorgehoben werden. (bs)

Die detaillierten Studienergebnisse können hier nachgelesen werden.

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