Ohne das nötige Personal müssen Schwimmbäder im schlimmsten Fall schließen.

Ohne das nötige Personal müssen Schwimmbäder im schlimmsten Fall schließen.

Bild: © Africa Studio/AdobeStock

Laut einer Studie der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB) und der Hochschule Osnabrück fehlten 2022 deutschlandweit etwa 2500 Fachkräfte in Bäderbetrieben. Die Corona-Pandemie hat diese Situation verschärft, aber als Hauptursache sieht Eric Voß, Bereichsleiter Aus- und Fortbildung bei der DGfdB, den demografischen Wandel.

Auch die verringerte Bereitschaft zu Schichtarbeit und die veränderte „New Work Ethic“ erschweren die Personalsuche. An Wochenenden oder Feiertagen möchten viele nicht mehr arbeiten. Doch der Bäderbetrieb findet genau dann statt. Die Konsequenzen des Personalmangels treffen die Kund:innen direkt. Öffnungszeiten werden reduziert, Kurse gestrichen und im schlimmsten Fall Bäder geschlossen.

Informationsmangel und Imageprobleme

Viele junge Menschen wählen die Ausbildung zur Fachkraft für Bäderbetriebe nicht, da sie oft gar nicht wissen, dass es diesen Beruf gibt. Das Image des „Bademeisters“ und mangelnde Information schrecken ab. Dabei bietet der Beruf abwechslungsreiche Aufgaben von der Eventorganisation bis zur Technikpflege.

Für die Fachkräfte-Rekrutierung ist die Ausbildungsförderung sehr wichtig. Die DGfdB hat im Rahmen einer Deutschlandtour in Schulen vorgestellt, was der Beruf zu bieten hat. Die Reaktionen zeigten, dass viele sich den Beruf des „Bademeisters“ anders vorgestellt haben und positiv überrascht waren.

Neben der Ausbildungsförderung ist auch die Rekrutierung von Arbeitskräften aus dem Ausland ein Weg, um das Personalproblem zu verringern. Die DGfdB unterstützt Bäderbetriebe, Lösungen zu finden und schafft zudem ein Netzwerk für den Austausch untereinander. Um die freien Stellen zu besetzen, haben einige Bäder bereits kreative Marketingstrategien entwickelt.

„Lebensretter gesucht“ in Nürnberg

Der Eigenbetrieb Nürnberg-Bad hat Anfang des Jahres die Kampagne „Lebensretter gesucht“ gestartet, um Personal für seine Bäder zu gewinnen. „Wir benötigen dringend Fachkräfte, die für den Ernstfall geschult sind, sicher eingreifen und somit tatsächlich Leben retten können“, sagt der Kaufmännische Werkleiter Matthias Bach im Interview.

Um die Problematik bekannt zu machen, wurde eine Plakatkampagne im Regionalgebiet aufgelegt, begleitet von medialer Präsenz in lokalen Funk- und Fernsehsendern sowie in den sozialen Medien der Stadt Nürnberg.

Die Kampagne schaffte es, das Bewusstsein für die aktuellen Herausforderungen im Bäderbetrieb zu stärken. Die Gründe für geänderte Öffnungszeiten und eingeschränkte Betriebszeiten sind den Kund:innen nun besser verständlich. Zudem war das Interesse groß, und einige Hobbyschwimmer:innen meldeten sich als Aushilfen.

„Jobsuche meets Badespaß!“ in Hilden

Die Stadtwerke Hilden haben mit der Kampagne „Jobsuche meets Badespaß!“ eine innovative Rekrutierungsstrategie für Bäderangestellte gestartet. Ziel war es, offene Stellen für Rettungsschwimmer:innen, Fachangestellte sowie Reinigungs- und Kassenkräfte zu besetzen, erzählt Dirk Bremermann, Bäder-Centerleiter der Stadtwerke Hilden.

Trotz breiter Werbung über verschiedene Kanäle, einschließlich sozialer Medien, Print und Aushängen in den Bädern, blieb die Resonanz zunächst gering. Daraufhin wurde das Konzept des Speeddatings für Bäderangestellte entwickelt, das an zwei Terminen im Hildorado-Bad stattfand.

Dabei hatten Bewerber:innen die Möglichkeit, sich zunächst im Gespräch vorzustellen und anschließend in einer praktischen Übung im Schwimmbad ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Mehrere offene Stellen, vor allem in der Wasseraufsicht, konnten so erfolgreich besetzt werden.

Anpassungen um zukunftsfähig zu bleiben

Der Fach- und Arbeitskräftemangel wird laut Voß vom DGfdB auch in Zukunft nicht weniger werden. Die Bäderbetriebe müssen flexibler werden und neue Arbeitszeitmodelle etablieren. Bremermann von den Stadtwerken Hilden geht davon aus, dass auch technische Innovationen wie digitale Kassensysteme, Reinigungsroboter und digitale Kursangebote den Bäderbetrieb in Zukunft unterstützen können.

Dieser Beitrag wurde bereits in der Septemberausgabe der Printzeitung veröffentlicht. Zum Abo geht es hier.

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