Hannes Rösch (37) ist mit einem Fünf-Jahres-Vertrag vom kommissarischen zum endgültigen Alleingeschäftsführer der Stadtwerke Lindau bestellt worden. Der Stadtrat folgte am 27. Februar einer Empfehlung des Aufsichtsrats von Anfang Februar. Dies geht aus einer Pressemitteilung des Kommunalversorgers von Anfang des Monats hervor.
Hannes Rösch übernahm nach der fristlosen Abberufung vom Thomas Gläßer Ende September letzten Jahres zunächst übergangsweise die Geschäftsführung und bildete mit den alten und vier neuen Bereichsleitern mit Prokura eine erweiterte Geschäftsleitung. Er ließ sich jetzt damit zitieren, dass die Übergangszeit nur die Leistung eines "großartigen" Teams sein konnte, das zusammenhalte. Man sei "zusammen durch turbulente Zeiten gewirbelt“.
Ermittler vernehmen Zeugen
Der Wirtschaftspädagoge und Betriebswirt hat seine gesamte bisherige Karriere bei Stadtwerken verbracht:
- zunächst bei den SWU Ulm/Neu-Ulm,
- dann seit Oktober 2015 als Bereichsleiter Vertrieb und Marketing bei den Stadtwerken Lindau. Vom Bodensee will Rösch "nicht mehr weg“, schreibt er weiter.
Gegen Vorgänger Gläßer läuft derzeit das Ermittlungsverfahren wegen des Anfangsverdachts der Untreue, teilte die Staatsanwaltschaft Memmingen Ende Februar der Zeitung "Wochenblatt Lindau" mit. Es würden derzeit Zeugen vernommen, hieß es. Das Verfahren könne mit oder ohne Geldauflage eingestellt oder beim Landgericht Memmingen ein Hauptverfahren beantragt werden, ergänzte die Behörde zu den Abschlussmöglichkeiten. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gelte die Unschuldsvermutung, betonten die Ermittler.
Anderer Stadtwerke-Chef kommentiert jüngste fristlose Entlassungen
Die Behörde geht von Amts wegen den Inhalten einer Strafanzeige nach, die ein Stadtrat, der gleichzeitig Aufsichtsrat und im Brotberuf Polizist ist, kurz nach Gläßers Entlassung gestellt hatte. Aufsichtsratschef OB Gerhard Ecker (SPD) hatte Gläßer anfangs öffentlich vorgeworfen, Beruf und Privates nicht sauber voneinander getrennt zu haben. Seither schwieg das Rathaus konsequent. Im November dann zitierte die "Lindauer Zeitung" aus einem angeblichen, ihr vorliegenden Schreiben des Anwalts der Stadt Lindau an Gläßers Anwalt, in dem er fünf Gründe für die fristlose Entlassung ausführte. Gläßer hatte Klage gegen seine Entlassung eingereicht. Das Rathaus betonte damals, dass es weder das Schreiben bestätige noch selbst irgendwelche Interna durchgestochen habe.
Die Druckausgabe der ZfK veröffentlicht am Montag für Abonnenten den Kommentar eines Stadtwerke-Chefs zu den jüngsten fristlosen Entlassungen in der Branche und deren kommunikativen Begleitumständen, was Achtung und Wertschätzung von Menschen angeht. Unter anderen ist ausdrücklich der Fall Lindau genannt. In einem Gastbeitrag beleuchtet zudem PWC-Partner Arne Ferbeck die Vorzüge und Fallstricke der Alternative "Aufhebungsvertrag" (Seiten 32 und 33, hier geht's für Abonnenten zum E-Paper). (geo)



