Es ist ein veritabler Coup: Der frühere Thüga-Chef und ehemalige BDEW-Präsident Ewald Woste ist am gestrigen Donnerstag (8. Dezember) einstimmig zum Aufsichtsratsvorsitzenden des Essener Energiekonzerns Steag gewählt worden. Damit setzt das in einer Transformation und einer noch nicht abgeschlossenen Neuausrichtung befindliche Unternehmen auf einen erfahrenen und versierten Branchenkenner, der seit 30 Jahren in der Energiewirtschaft tätig ist.
Der 62-jährige Diplom-Kaufmann übernimmt das Amt in einer laut Pressemitteilung für die Steag richtungsweisenden Phase: Nach der Zweiteilung Konzerns in ein Kohlegeschäft und ein grünes Wachstumsgeschäft, die bis Ende 2022 vollzogen sein soll, wird Anfang 2023 der Verkaufsprozess für das Unternehmen als Ganzes gestartet.
Woste: "Bestmögliche Lösung für Unternehmen und Stakeholder erzielen"
„Das nächste Jahr wird geprägt sein von der weiteren Transformation der Steag, insbesondere aber auch vom Verkaufsprozess. Oberste Priorität muss sein, die bestmögliche Lösung für das Unternehmen und seine verschiedenen Stakeholder zu erzielen“, sagt Ewald Woste. Es gehe darum, eine faire Balance zwischen den Interessen der rund 5.500 Mitarbeitenden von Steag im In- und Ausland sowie den Interessen der bisherigen, kommunalen Eigentümer zu schaffen.
„Wir wissen, dass das Gesamtpaket, die unter dem gemeinsamen Dach der Steag GmbH geführten Teilkonzerne Schwarz und Grün, für unterschiedliche Investoren attraktiv ist. Beide Teilkonzerne leisten – auf ganz unterschiedliche Weise – einen wertvollen Beitrag zum Gelingen der Energiewende und zur Versorgungssicherheit in Deutschland“, so Ewald Woste weiter.
Pehlke: "Woste wird keine Anlaufzeit benötigen"
Der Aufsichtsrat folgte mit der Wahl von Ewald Woste dem Vorschlag des Dortmunder Oberbürgermeisters Thomas Westphal (SPD). Dortmund ist mit rund 36 Prozent der Anteile der größte Steag-Eigner. „Ewald Woste ist ein ausgewiesener Fachmann in der Energiebranche, er verfügt über ein großes Netzwerk und wird als Steag-Aufsichtsratsvorsitzender keine Anlaufzeit benötigen“, sagt Guntram Pehlke, Vorsitzender des Vorstands von DSW21.
Alleiniger Eigentümer der Steag GmbH ist die Kommunale Beteiligungsgesellschaft KSBG. Deren Gesellschafter sind sechs Ruhrgebietsstadtwerke. „Die Interessen der hinter den Stadtwerken stehenden Ruhrgebietskommunen liegen im anstehenden Verkaufsprozess bei Herrn Woste in den besten Händen“, so Pehlke weiter.
Ralf Schmitz bleibt ein weiteres Jahr Chief Transformation Officer
Woste war nach verschiedenen Führungspositionen bei mehreren Stadtwerken von 2007 bis 2014 Vorsitzender des Vorstands des Stadtwerkeverbunds Thüga AG in München und von 2010 bis 2014 außerdem Präsident des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Aktuell hat er mehrere Aufsichtsrat- und Beiratsmandate, etwa bei der Eon in Essen sowie der Gasag AG in Berlin. Er wird Nachfolger von Gerhard Jochum, der das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden der Steag GmbH niedergelegt hatte. Begründet hatte er das mit überraschend schnellen Restrukturierungsfortschritten und dem Wunsch der Anteilseigner, wieder mehr Verantwortung für den Verkaufsprozess zu übernehmen.
In der Sitzung am Donnerstag hat der Aufsichtsrat zudem die Bestellung von Ralf Schmitz zum Chief Transformation Officer (CTO) und Mitglied der Geschäftsführung der Steag GmbH um ein Jahr verlängert. Ralf Schmitz ist neben der Transformation auch für die operative Steuerung des Verkaufsprozesses der Steag verantwortlich.
„Wir gehen mit einer guten personellen Aufstellung in das für Steag entscheidende Jahr 2023“, betont Dietmar Spohn, Sprecher der Geschäftsführung der Stadtwerke Bochum, im Namen der kommunalen Anteilseigner. Man werde nun konsequent den Verkauf der Steag vorantreiben. (hoe)



