Die Sanierung des zum Verkauf stehenden Steagkonzerns kommt voran und die operativen Perspektiven haben sich seit einigen Monaten deutlich aufgehellt. Eine Vielzahl an Investoren soll im Rahmen des vor kurzem abgeschlossenen Market Soundings ein Interesse am Kauf des Essener Energieversorgers bekundet haben, heißt es aus gut informierten Kreisen. Die Zahl der Finanzinvestoren soll dabei höher gewesen sein als die der strategischen. Der Wert des Unternehmens soll laut Handelsblatt auf zwei bis drei Mrd. Euro taxiert worden sein.
Die neue Ausgangslage führt dazu, dass die kommunalen Anteilseigner wieder verstärkt die Verantwortung für den angelaufenen Verkaufsprozess übernehmen wollen. Der erst vor etwas mehr als einem halben Jahr bestellte Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Jochum trägt dem Rechnung und scheidet aus eigenen Wunsch aus dem Gremium aus, heißt es in einer Pressemitteilung der Steag.
Die erfreulich schnelle Gesundung von Steag und die mehr denn je attraktiven Zukunfts-Perspektiven bedeuteten auch eine Beschleunigung des Verkaufsprozesses, so Jochum. „Deshalb ist es nach meiner Einschätzung früher als zunächst erwartet wieder an der Zeit, dem Wunsch der Anteilseigner zu entsprechen, jetzt wieder unmittelbar Verantwortung zu übernehmen, um die Umsetzung des Verkaufsprozesses auch aus dem Aufsichtsratsvorsitz heraus zu steuern und mitzugestalten“, bekräftigte er. Aus diesem Grunde habe er sich entschieden, das Amt niederzulegen und aus dem Gremium auszuscheiden, um den Weg für einen Nachfolger aus dem Kreis der Anteilseigner frei zu machen.
Dortmunder OB wird Vorschlag für Jochums Nachfolge machen
Zum Zeitpunkt von Jochums Amtsübernahme sei die wirtschaftliche Erholung der Steag zwar bereits angedeutet gewesen. Man habe aber nicht sehen können, wie nachhaltig diese Entwicklung bereits kurzfristig ausfallen würde, heißt es weiter in Mitteilung.
„Insofern war es zu Jahresbeginn auch rückblickend betrachtet die richtige Entscheidung, die Verantwortung in die Hände eines aktiven Aufsichtsratsvorsitzenden zu geben, der sowohl über eine einschlägige energiewirtschaftliche Expertise und die notwendigen zeitlichen Kapazitäten verfügte, um dieses Amt in einer herausfordernden Zeit auszufüllen“, sagt Guntram Pehlke, Aufsichtsratsvorsitzender der KSBG Kommunale Verwaltungsgesellschaft GmbH, in der die kommunalen Anteilseigner von Steag ihre Anteile gebündelt haben.
Für die Nachbesetzung des Aufsichtsratsmandats wird der Dortmunder Oberbürgermeister Thomas Westphal, als Vertreter des größten Steag-Gesellschafters, einen Vorschlag unterbreiten. Laut ZfK-Informationen ist die nächste reguläre Aufsichtsratssitzung Mitte Oktober. „Wer die Nachfolge antreten wird, ist aktuell noch nicht entschieden. Wir sind momentan in entsprechenden Abstimmungen und werden uns zeitnah zu dieser Personalie äußern“, so Guntram Pehlke. Er dankte Jochum ebenso wie Steag-Chef Andreas Reichel für die geleistete Arbeit – Jochum war seit 2014 im Aufsichtsrat der Steag.
Pehlke: "Steag ist kein Sanierungsfall mehr"
Die Steag profitiert aktuell stark von der Energiemangellage. Mehrere Steinkohlekraftwerke sind voll ausgelastet, weitere Anlagen mit einer Leistung von bis zu 2300 MW sollen befristet im Herbst zusätzlich in den Markt zurückkehren. „Stand heute ist die Steag kein Sanierungsfall mehr“, wurde Guntram Pehlke jüngst in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung zitiert.
Nach wie vor wollen die kommunalen Gesellschafter die Steag als Ganzes verkaufen, auch für diese Konstellation sollen einige Investoren beim Market Sounding Interesse signalisiert haben. Gleichzeitig besteht Konsens, dass ein solcher Verkauf einfacher zu handeln ist (auch mit Blick auf die Investoren), wenn das Unternehmen vorher in einen grünen Teil (unter anderem Erneuerbare) und schwarzen Teil (Kohlekraftwerke) aufgesplittet wird. Diese Aufteilung, das sogenannte Projekt Sunrise, soll im vierten Quartal vollzogen werden.
Unterschiedliche Ausgangsposition der Gesellschafter im Verkaufsprozess
Offenbar wird diese Strategie des Komplettverkaufs aber nicht von allen Beteiligten mit gleicher Konsequenz vertreten. Der von den Banken bestellte Sanierungsgeschäftsführer Ralf Schmitz kann sich laut ZfK-Informationen offenbar auch den schrittweisen Verkauf von Unternehmensteilen vorstellen. Hinzukommt, dass die Ausgangsposition der Steageigner unterschiedlich ist. Einige Gesellschafter haben die Beteiligung beim Energiekonzern bereits in den Büchern vollständig wertberichtigt und wollen sich schnellstmöglich von dem Engagement trennen. Auch Dortmund hat Wertberichtigungen vorgenommen, die Beteiligung steht aber zum Teil noch in der Bilanz.
Anfang 2023 soll der konkrete Verkaufsprozess beginnen, das Signing soll dann Mitte nächsten Jahres erfolgen und der Verkaufsprozess bis Ende 2023 abgeschossen sein. So sieht es die Sanierungsvereinbarung vor.
Spohn: "Sehen gute Zukunftsperspektiven für Steag"
„Gemeinsam richten wir nun den Blick nach vorn. Wir sehen gute Zukunftsperspektiven für Steag und befinden uns in intensiven Beratungen über die Zukunft des Unternehmens. Unser gemeinsames Ziel ist es, eine gute Lösung für Steag, die Belegschaft und die Anteilseigner zu finden und das Unternehmen in einer werthaltigen Aufstellung und mit innovativen, zukunftsweisenden Geschäftsfeldern in den Verkaufsprozess zu führen“, betont Dietmar Spohn, Sprecher des Konsortiums und Sprecher der Geschäftsführung der Stadtwerke Bochum Holding GmbH. (hoe)



